Artenreiche Lebensräume

16.07.2007

Mainpost 14.7.2007

 

LINDACH (BP)

Artenreiche Lebensräume

 

Seit vielen Jahren ist in Lindach das Flurbereinigungsverfahren im Gange. Nun, am Ende der Maßnahme, stellten Fachleute des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) im Beisein von Mitarbeitern weiterer Behörden Bürgermeister Horst Herbert, den örtlichen Gemeinderäten und den Vorstandsmitgliedern der örtlichen Teilnehmergemeinschaft das Bewirtschaftungs- und Sicherungskonzept für die Landschaftspflege und den Naturschutz vor.

Im Jahre 1993 wurden die neuen Flurstücke übergeben, sagte Franz-Josef Lang, Projektleiter beim Amt für Ländliche Entwicklung. Auch eine umfassende Dorferneuerung wurde durchgeführt. Besonderheiten in Lindach waren 20 Hektar Obstbaumbestand und zwölf Hektar Rebfläche. Neben der Bodenneuordnung haben auch Landschaftspflege und Naturschutz einen hohen Stellenwert bei der Neuordnung des ländlichen Raumes, so Lang. Dorit Börner vom Sachgebiet Landespflege am Amt für Ländliche Entwicklung und Markus Fleckenstein vom gleichnamigen Ingenieurbüro erarbeiteten das Konzept zur Bewirtschaftung und Sicherung der Naturschutzflächen und stellten es nun in Lindach vor. 28 Flächen in einer Größenordnung von zirka 23 Hektar wurden ausgewiesen, berichtete Dorit Börner.

Um den Bestand der einzelnen Strukturen und deren Unterhalt zu sichern, würden im Konzept der Gemeinde wichtige Pflege- und Entwicklungsempfehlungen gegeben. Es soll sichergestellt werden, dass sich sowohl Streuobstbestände, Hecken und Feldgehölze sowie auch artenreiche Gras- und Krautsäume in den Randbereichen etablieren können.

Markus Fleckenstein wies besonders auf die wertvolle Grundstruktur des „Geiersgraben“ und der Naturschutzgebiete „Nussloch“ und „Schleifwiesen“ hin. Vorgaben von Naturschutz und Gemeinde wurden seien hier bei der Ausarbeitung berücksichtigt. Die „Schleifwiesen“. ehemals viele kleine Wiesen, die zusammengelegt wurden, bezeichnete Jürgen Kiefer von der unteren Naturschutzbehörde als wichtiges Wiesenbrütergebiet. Hier gebe es Bekassinen, Kiebitze, Grauammern und Wiesenweihen. Das „Nussloch“ habe Streuwiesencharakter und es gebe wertvolle Pflanzen wie Orchideen und Schwertlilien.

Bei der Pflege der Wiesen setzte die Kritik der örtlichen Vorstandsmitglieder ein. Ihrer Meinung nach wird hier zu spät und falsch gemäht. Deshalb seien viele Vögel verschwunden. Die Wiesen würden durch drei Landwirte gemäht, bisher zwei Mal jährlich, so Kiefer. Wetterbedingt sei dies heuer noch nicht möglich gewesen. Vögel gebe es insgesamt nicht mehr so viele wie in früheren Zeiten.

Das vorgestellte Konzept werde zum Erfolg in der Landschaftspflege verhelfen, so Reinhold Arrighy vom Amt für Landwirtschaft und Forsten. Man könne auch von Fall zu Fall entscheiden und sich mit der Naturschutzbehörde besprechen. Ökologische Flächen seien von großer Bedeutung, betonte Bürgermeister Horst Herbert. Er mache sich allerdings Sorgen um die Entwicklung in der Landwirtschaft. Bald gebe es keine Viehhaltung mehr, und damit stelle sich die Frage, wer die Wiesen pflege. Herbert machte deutlich, dass nicht nur die Gemeinde verantwortlich sei. Mit 50 Prozent müsste sich auch das Dorf beteiligen. Er hoffe auf eine Zusammenarbeit mit der Jagdgenossenschaft, wenn die Teilnehmergemeinschaft aufgelöst werde.

An zwei Beispielen, den „Schleifwiesen“ und einer 150 Meter langen Hecke im Süden von Lindach, überzeugte sich die Gruppe zum Abschluss des Treffens vor Ort von der gelungenen Landschaftsgestaltung. Die acht bis zehn Meter breite, 20 Jahre alte Hecke bezeichnete Markus Fleckenstein als artenreiche Lebensraumhecke mit einer sehr wertvollen Gehölzstruktur.

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