Alles tun für die Wurzelbildung

03.03.2016

Maipost 03.03.2016

HERLHEIM


Alles tun für die Wurzelbildung

Die „Erzeugergemeinschaft für pflanzliche Produkte Unterfranken“ informierte rund 50 interessierte Bauern in der Herlindenhalle in Herlheim über das neueste in Sachen Raps- und Getreideanbau. Vorsitzender Markus Werner zog eine Bilanz des vergangenen landwirtschaftlichen Produktionsjahres.
Er stellte die Preissituation für Raps und Getreide in Schaubildern dar und kritisierte Praktiken des Landhandels bezüglich der Abrechnung für diese Produkte. Die Preisschwankungen machten es für den einzelnen Landwirt nicht immer einfach, Renditen zu erzielen, so Werner.
Thomas Zehnter, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft, empfahl angesichts des Preisdrucks bei Raps und Getreide, auf Liefervorverträge mit dem Landhandel zu setzen und wies auf die Angebote der Erzeugergemeinschaft beim Bezug von kostengünstigem Saatgut hin.
Vorsitzender Werner und Geschäftsführer Zehnter empfahlen den Anbau von so genannten Nischenprodukten wie Dinkel- und Durum-Weizen, denn hier seien noch einigermaßen akzeptable Preise zu erzielen, weil diese Getreidesorten von Mühlen, von Bäckereien und letztlich vom Endverbraucher zurzeit stärker nachgefragt würden.

Ferner forderten die Referenten die Berufskollegen auf, bei der Abrechnung für Raps auf den Posten „Unverwertbarer Ausputz“ zu achten. Hier würden Erzeuger vom Landhandel oftmals nicht korrekt behandelt, sagten sie. Dieser Ausputz enthalte immer noch einen relativ hohen Anteil von für die Ölproduktion durchaus verwertbarem Material. Auch die Art der Probenziehung bei der Anlieferung der Rohstoffware in die Lagerhäuser kritisieren sie, weil es dafür scheinbar keine einheit-lichen Richtlinien gebe. In solchen Praxisfragen will sich die Erzeugergemeinschaft stärker einbringen und Gespräche mit dem Landhandel führen, um Verbesserungen für die Landwirte zu erzielen.

Christian Rückel von der Bayernhof-Erzeugergemeinschaft beleuchtete den weltweiten Agrarmarkt. Er ging auf die Getreidebörsen und die Preisentwicklung bei Brot- und Futtergetreide ein. Rückel zeigte die für die Preisentwicklung verantwortlichen Faktoren, insbesondere beim Rapspreis. Ein entscheidender negativer Faktor ist seiner Meinung nach die Tatsache, dass sich die Mineralölindustrie vom Beimischungszwang freikaufen kann, also der Verpflichtung, dem Mineralöl biologisch erzeugtes Rapsöl beizumischen.

Rückel schlug den Bauern vor, bei der so genannten Drittelpraxis zu bleiben. Das heißt, Erzeuger sollten ihre Getreidemengen dritteln. Man verkauft ein Drittel gleich nach der Ernte, das nächste Drittel in den Herbstmonaten und das letzte Drittel in den folgenden Frühsommermonaten. So könne man den Markt beobachten und entsprechend agieren und reagieren. Selbstverständlich sei dies aber auch eine risikobehaftete Spekulation, die noch dazu mit Lagerkosten verbunden ist.

Wolfgang Schlereth und Tobias Kind, Vertreter des Saatzuchtkonzerns Pioneer, gingen auf die neuesten Raps-Züchtungen ein, auch die ihrer Firma, die auf den verschiedenen Böden Frankens gedeihen, obwohl das Klima in der Vegetationsperiode immer trockener wird. Man könne keine Sorte züchten, die trockenheitsresistent ist, so Schlereth und Kind. Zum Wachsen gehöre nun einmal Feuchtigkeit.
Mit geschickten ackerbaulichen Methoden könne man der Pflanze aber dazu verhelfen, Stresszeiten zu überstehen, um noch zufriedenstellende Erträgen zu erzielen. Dazu gehöre die Fruchtfolge, die richtige Auswahl des Saatgutes, die optimale Bodenbearbeitung, die notwendige Düngung und wirksamer Pflanzenschutz. Dies alles müsse zum optimalen Zeitpunkt erfolgen.

Ziel der Arbeit auf dem Feld müsse stets sein, dem Raps eine intensive Wurzelbildung zu ermöglichen. Praxisbeispiele stellten sie in Bildern vor.

Dr. Herbert Siedlers Schwerpunkte waren die Düngung und der Pflanzenschutz im Raps- und Getreideanbau, hier besonders die Sonderweizensorten Dinkel und Durum. Der Pflanzenbauexperte des Landwirtschaftsamts Würzburg brachte die Landwirte auch auf den neusten Stand bezüglich der amtlichen Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und deren Kombinierbarkeit. Auf der Grundlage von Feldversuchen berichtete er über die Wirksamkeit der Mittel und sprach spezielle Krankheitsbilder beim Raps an.

 

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