Altbürgermeister Lothar Weilhöfer verstorben

29.08.2019

Mainpost 29.08.2019

Gernach

Altbürgermeister Lothar Weilhöfer verstorben

Im Alter von fast 90 Jahren verstarb am 25. August Altbürgermeister Lothar Weilhöfer. Lothar Weilhöfer ist durch die vielfältigen Aufgaben, die er übernommen hatte, weit über die Ortsgrenzen von Gernach hinaus bekannt.

Er war von 1966 bis 1978  Bürgermeister von Gernach. Nach der Gemeindegebietsreform war er noch bis zum Jahr 1984 Mitglied im Rat der Gemeinde Kolitzheim. Neben seiner kommunalpolitischen Tätigkeit war Lothar Weilhöfer im Bereich der Landwirtschaft überörtlich engagiert. In Gernach war er Mitglied in vielen Vereinen und hat in einigen dieser Vereine auch Verantwortung in der Vorstandschaft übernommen, zum Teil über lange Jahre. Für seinen Einsatz in diesen verschiedenen Bereichen wurde er vielfach geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Bürgermedaille der Gemeinde Kolitzheim. Um den Verstorbenen trauern auch vier Kinder mit ihren Familien.

Lothar Weilhöfer wurde am 3. November 1929 als ältestes von vier Geschwistern geboren. 1964 übernahm er den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters Anton. Er hatte zuvor schon eine große Verantwortung tragen müssen, da sein Vater relativ früh gestorben war.

Seine Frau Erna, geborene Pohli, lernte er in Gernach kennen. Sie heirateten im Mai 1956. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor, die ihm acht Enkel und vier Urenkel schenkten.

Ein schwerer Verlust

Der  Tod seiner Frau im Jahr 2016 war für ihn ein schwerer Verlust, waren die beiden doch mehr als 60 Jahre verheiratet gewesen. Sie hatten viele Schwierigkeiten miteinander bewältigt. Erna war aufgeschlossen und liebenswürdig, in ihr hatte er stets eine ebenbürtige Gesprächspartnerin, die seine vielfältigen Aufgaben mitgetragen hat. Die Reisen zur Missionsstation in Namibia, die sein Onkel Gregor mitbegründet hatte, waren für die beiden ein unvergessliches Erlebnis, von dem sie immer wieder berichteten.

1966 wurde Lothar Weilhöfer zum Bürgermeister von Gernach gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zur Gebietsreform im Jahr 1978. Der Weggang der Ordensschwestern und die damit verbundene Neuorganisation des Kindergartens in Gernach, die Bereitstellung neuer Baugebiete, die Erneuerung des Friedhofs, der Bau der Leichenhalle mit dem Betonglasbild, auf das er zeitlebens stolz war, die Mitwirkung an der Einrichtung der Kanalisation in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Oberspiesheim und Unterspiesheim waren die wichtigsten Projekte seiner Amtszeit. Darüber hinaus setzte er sich für die gemeinsame Verbandsschule in Unterspiesheim ein, ebenso engagierte er sich, den Zusammenschluss zur Großgemeinde Kolitzheim mit vorzubereiten.

Lothar Weilhöfer gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Ortsgruppe der CSU in Gernach. Schon 1954 war er der Partei beigetreten, 1966 hat er den Ortsverband der CSU Gernach mitbegründet.

In vielfältiger Weise aktiv

Auch bei den Gernacher Vereinen war der Verstorbene in vielfältiger Weise aktiv. Schon beim Bau des Jugendheimes in Gernach war Lothar beteiligt, und beim Theaterspielen hat er sogar die Regie übernommen. Der Verstorbene gehörte zudem zu den Gründungsmitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Gernach. Er stand diesem Verein bis 1966 vor.

Im Jahr 1966 wurde er zum Vorstand der Jagdgenossenschaft Gernach gewählt. Dieses Amt hatte er bis ins Jahr 1999, also 33 Jahre lang, inne. Und der Sportangelverein verlor mit Lothar Weilhöfer nun das letzte seiner Gründungsmitglieder. Über 25 Jahre war der Verstorbene Vorsitzender des Feuerwehrvereins der Freiwilligen Feuerwehr und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Weilhöfer war auch Mitglied im Siedler- und Eigenheimerverein und bei der KAB.

Lothar Weilhöfer war auch lange Jahre Vorsitzender der Waldkörperschaft. In dieser Eigenschaft nahmen Kindergarten und KOMM-IN ihn gerne in Anspruch, um sich die Schönheiten, aber auch die Bedrohtheit des Waldes zeigen zu lassen.

Die Vorstandschaft des Johannisvereins lag mehr als zehn Jahre in seinen Händen; der Anbau des Kindergartens wurde in dieser Zeit errichtet. Er war auch Mitglied im TSV und aktiv im Wirtschaftsausschuss. Den Bau der Gymnastikhalle, die in seiner Zeit als Bürgermeister erbaut wurde, unterstützte er aktiv durch Mithilfe am Bau. Aufgrund dieser Verdienste wurde Lothar Weilhöfer zum Ehrenmitglied ernannt.

Seit 1968 gehörte Lothar Weilhöfer zur Ortsgruppe der Gernacher Feldgeschworenen, seit 1981 war er deren Obmann, bis er dieses Amt im Jahr 2008 aus Altersgründen abgab.

Von 1964 bis 1972 war der Verstorbene Wegebaumeister bei der damaligen Flurbereinigung und leitete als landwirtschaftlicher Sachverständiger das Verfahren in Gernach. Er war entscheidend beteiligt an der Umgestaltung der Gernacher Flur. Erst so wurden die Voraussetzungen für  die moderne Landwirtschaft geschaffen. Dies bleibt sein Verdienst, auch wenn er aus heutiger Sicht die eine oder andere Entscheidung anders getroffen hätte, wie er dies in einem persönlichen Gespräch einmal mitgeteilt hat.

Überörtliche Aufgaben

Vielfältig waren auch die überörtlichen Aufgaben, die Lothar Weilhöfer übernommen hat. 1952 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates der damaligen Raiffeisenkasse Gernach beziehungsweise Unterspiesheim und später Gerolzhofen, von 1974 bis 1996 fungierte er als Vorsitzender dieses Gremiums.

Nach der Gründung der Forstbetriebsgemeinschaft Main-Steigerwald war Lothar Weilhöfer neun Jahre lang dritter Vorsitzender, bis ins Jahr 1999 war er Vorsitzender. Als Naturschutzbeauftragter des Landratsamtes Schweinfurt kümmerte er sich lange Jahre um Flur und Wald in der Umgebung. Bis 1995 war er als Gutachter in den Zuckerfabriken Ochsenfurt und Zeil tätig. Auch beim Bayerischen Bauernverband hatte er Funktionen inne, unter anderem war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Jagd. Und er war Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft.

Für seine Verdienste um die Gemeinde Gernach und sein kommunalpolitisches Engagement wurde Lothar Weilhöfer 1986 zum Altbürgermeister ernannt, er wurde im Jahr 2010 mit der Gemeindemedaille in Gold ausgezeichnet. 1990 wurde ihm für seine Verdienste in der Kommunalpolitik und für seinen überregionalen Einsatz das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Bei all den Aufgaben, die Lothar Weilhöfer übernommen hatte, blieb er stets bodenständig und seiner Heimat verbunden. So legte er Wert darauf, als "Bauer" angesprochen zu werden – für ihn ein Ausdruck seiner Verbundenheit mit der Natur. 

In den letzten Jahren war Lothar Weilhöfer zunehmend durch Krankheit beeinträchtigt – für einen Mann, der sein Leben lang aktiv gewesen war, kein leichtes Schicksal. So wurde sein Wunsch immer stärker, zu "seiner Erna" gehen zu können . Ein Wunsch, der ihm jetzt, kurz vor seinem 90. Geburtstag, erfüllt wurde.

 

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