Alte Fotos sind seine Leidenschaft

15.09.2006

Mainpost 15.9.2006

 

Alte Fotos sind seine Leidenschaft

 

HERLHEIM Viele Familien sind im Besitz von alten Fotos, auf denen Personen, besondere Ereignisse oder auch Gebäude abgebildet sind. Häufig haben sie zu den Bildern keinerlei Beziehung mehr und legen sie irgendwo ab oder werfen sie sogar weg. Um dem Verlorengehen von Zeugnissen der Vergangenheit vorzubeugen, sammelt Arnold Heß aus Herlheim seit 2003 solche Bilder aus seinem Dorf, die ja auch ein Stück Dorfgeschichte darstellen und vom früheren Leben der Bewohner erzählen.

 

Bei der eigenen Verwandtschaft, die seinem Vorhaben sehr positiv gegenüberstand, erhielt Heß den Grundstock für seine Sammlung. Als er dann auch andere Dorfbewohner ansprach, zeigten auch diese sich - entgegen seinen Befürchtungen - sehr aufgeschlossen. Bei mancher Nachfrage bekam er allerdings leider auch zu hören: "Warum kommst Du erst jetzt? Wir haben das alte Zeug weggeworfen."

Heute hat Heß schon Bildmaterial von 75 Prozent der Haushalte erhalten, das die Zeitspanne von etwa 1890 bis 1970 umfasst. Etwa 900 ausgewählte Bilder aus ungefähr 4000 bis 5000 gesichteten scannte Heß, unterstützt von seiner Ehefrau Gerda, ein, bearbeitete sie am Personalcomputer und druckte sie aus. In mehreren Ordnern sortierte der Sammler die Bilder grob in fünf Gruppen.

Das älteste Bild unter den Schulbildern ist aus dem Jahre 1877, ein weiteres von 1936 zeigt die Schüler auf dem Flugplatz Herleshof mit einem Flugzeug im Hintergrund. Auch eine Schulordnung von 1889 befindet sich im Besitz des Sammlers.

Fotos der Kindergartenkinder in der früheren Kinderbewahrungsanstalt mit den betreuenden Schwestern gibt es ebenfalls zahlreich. Bei diesen Fotos sowie auch bei anderen Gruppenbildern versucht Heß, die abgebildeten Personen zu identifizieren, was sich als sehr schwierig, manchmal auch als unmöglich erweist. Eine große Hilfe hierbei sind ihm seine heute 92 und 84jährigen Schwiegereltern Urban und Frieda Kleinhenz.

Bilder von Festen und Festzügen, Prozessionen, Kommunionen, Hochzeiten, Leichenzügen und vielem mehr zeugen vom gesellschaftlichen Leben im Ort. Auch von sportlichen Aktivitäten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts berichten die Bilder. So gibt es Fotos von Fußballern, Keglern, ja sogar von einem Fahrradverein.

Auch vom allgemeinen Dorfleben erzählen die Fotos. Es gibt Bilder von Kuh- und Pferdegespannen, typische Heuwagen und von Personen bei Arbeiten auf den Feldern. Eine Frau beim Heimtragen zweier im Backhaus gebackenen Blechkuchen ist ebenso zu finden wie das Bild eines "Fräla" in ihrer kennzeichnenden Kleidung, von den Zähnen nur noch zwei Stummel sichtbar. Porträts zeigen Brautpaare, Bürger in ihrer Festkleidung oder als Soldaten.

Auch Neuanschaffungen wie das erste Auto, der erste Omnibus der heute in Gerolzhofen ansässigen Firma Kleinhenz oder der erste Mähdrescher waren ein Foto wert.

Wie sich die Dorfansicht verändert hat, beweisen die Bilder der Häuser. Nur noch die wenigsten sind im Zustand von vor hundert Jahren. Einige sind zwar noch zu erkennen. Es wurden aber Fenster ausgetauscht, neuer Verputz angebracht oder auch das Fachwerk wieder freigelegt. Eine große Anzahl der früher meist einstöckigen Gebäude wurde aufgestockt oder komplett neu errichtet. Einige Häuser wurden auch abgebrochen und die Lücke durch neue Gebäude geschlossen. So konnte durch den Abriss es früheren Hauses Götz die heutige Kegelbahn am Gasthaus Gutbrod erbaut werden. Die Ansicht der Kirche von innen und Außen vor dem Umbau, ein Bild des alten Felsenkellers, wo heute Häuser stehen und auch Luftbilder dokumentieren weiterhin die Veränderungen.

Noch lange nicht ist Arnold Heß mit seiner Sammlung fertig. Er hofft noch auf weitere aussagekräftige Fotos aus der Bevölkerung. Vor allem würde er sich auch freuen, wenn ihm ehemalige Herlheimer ihre Erinnerungsfotos zur Verfügung stellen würden. Die Telefonnummer von Arnold Heß ist Tel. (0 93 82) 25 19.

Irgendwann soll die Sammlung dann auch der interessierten Bevölkerung gezeigt werden. Fotos der Häuser und Dorfansichten wurden dabei schon am "Tag des offenen Denkmals" im Hause von Matthias Braun in der Herlindenstraße 27 vorgestellt. Für diesen Anlass hatte Arnold Heß eine CD zusammengestellt.

Zu den News