Angst vor Gerüchen und Geräuschen

11.03.2015

Mainpost, 11.03.2015

 

HERLHEIM
Angst vor Gerüchen und Geräuschen

Viele Themen sprachen die Herlheimer in der Bürgerversammlung an, von der Kläranlage bis zum Windrad

Mit 483 Einwohnern ist Herlheim der kleinste Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim. Trotzdem war die Bürgerversammlung sehr gut besucht. Als nach dem Bericht von Bürgermeister Horst Herbert über die Lage in der Großgemeinde dann die Bürger das Wort ergriffen, kam es zu teilweise heftigen, sehr erregten Debatten. Zahlreiche Fragen und Antworten drehten sich um die im Bau befindliche Kläranlage und ihre Zubringeranlagen, liegt doch ein Großteil davon auf der Herlheimer Gemarkung.

So befürchtet Walter Klein durch die Pumpstation und Mischwasserbehandlung in seiner Nachbarschaft Geruchs- und Lärmbelästigungen und damit eine Minderung des Wertes seines Anwesens. Da die Becken geschlossen seien und das Wasser nur wenige Stunden stehen bleibe und somit nicht faule, schließe er Gerüche aus, sagte Bürgermeister Horst Herbert.

Leichte Geräusche wie ein leises Brummen könne er nicht ausschließen, der Lärmpegel werde allerdings nicht sehr hoch sein. Ein weiter entfernter Standort hätte zu erheblich höheren Kosten geführt, ging er auf eine weitere Frage ein.

Bohren oder graben?

Warum die Zuleitungen in offener Bauweise und nicht durch Bohren geschaffen werden, wollte Josef Wächter wissen. Da gebe es beim Baggern sicher große Probleme mit Wasser. Auch Ralf Schmitt wünscht sich ein Bohrspülverfahren. Es sei geplant, dass die Landwirte entlang der Trasse ihre Flächen für die Ablagerung des Aushubs zur Verfügung stellen. Daneben sollen auf einer Spur im Acker die Lastwagen fahren dürfen.

Auf seinem Acker will Schmitt keine Laster zulassen. Dadurch würde auf der Fläche für Jahre ein Schaden entstehen. Der Gemeinde beziehungsweise dem Zweckverband wäre Bohren auch lieber, so Herbert. Man liege da im Clinch mit dem Architekten. Wir klären das, versprach Herbert.

Die Druckleitung von Alitzheim her, die Sache der Gemeinde Sulzheim ist, verläuft entlang der Kreisstraße bis zum Gänsesee im Osten von Herlheim, antworte das Gemeindeoberhaupt auf eine Frage von Hermann Kopp. Danach werde der Seehausbach unterquert und es geht an diesem Bach entlang bis zum Anwesen Full. Dort führe die Leitung wieder unter dem Bach durch und dann zur Pumpstation im Westen von Herlheim.

Auf der Trasse aus Richtung Alitzheim wird auch ein Radweg gebaut. Dieser biegt dann allerdings auf den bestehenden Feldweg in der Nähe des Lämmerwaldes ab nach Süden und später wieder nach Westen. Die dazwischen liegende geschotterte Wegstrecke werde auf ganzer Breite asphaltiert, antwortete Herbert auf eine Frage von Ralf Schmitt.

Ob der Wiedereinstieg von Mönchstockheim in den Abwasserzweckverband ein Kostenvorteil für die Gemeinde Kolitzheim sei, wollte letzterer wissen. Ja, antwortete hier Bürgermeister Herbert. Er rechne mit 250 000 bis 300 000 Euro weniger für die Kommune. Außerdem werde es auch einen Vorteil bei den Betriebskosten geben.

Zusammen mit den Druckleitungen werden auch Leerrohre für Glasfaserkabel eingezogen. Über sie sollen Gernach, Herlheim und Zeilitzheim mit schnellem Internet versorgt werden. Die Orte sollen bis Ende des Jahres angeschlossen sein, hatte Bürgermeister Horst Herbert im ersten Teil der Bürgerversammlung versprochen. Anton Bedenk wollte wissen, von welcher Kapazität man ausgehen könne. Die Telekom installiere Anlagen mit einer Leistung von 50 Megabit pro Sekunde, lautete die Antwort. Da allerdings die Kupferkabel in den Orten als Bremse wirkten und auch die Entfernung vom Verteilerkasten eine Rolle spiele, würde er nur mit rund 30 Megabit pro Sekunden rechnen, so Herbert.

Das Gelände auf dem Pumpstation und Mischwasserbehandlungsanlage gebaut werden, liegt tiefer als der Weg daneben. Er befürchte, dass dieser Weg bei den Bauarbeiten abbricht, gab Norbert Fledering zu Bedenken. Die Baufirma müsse den Weg wieder ordentlich herrichten. „Wir haben dafür die Gewährleistung“, antwortete der Bürgermeister.

Das Schutzdach über dem maroden Dach des 400 Jahre alten Wohnstallhauses mitten in Herlheim sei mittlerweile eine Lachnummer, kritisierte Hermann Kopp. Er habe ja nichts dagegen dass das Haus hergerichtet werde. Das müsse allerdings schneller gehen. Es könne doch nicht sein, dass das Gerüst ewig auf öffentlichem Grund stehe. Nach acht Wochen müsste die Gemeinde dafür Miete verlangen, so Kopp.

Er bemängelte auch den Wildwuchs vor dem Haus. Erwin Pfister hält das Notdach, das nur auf ein Gerüst aufgelegt ist, sogar für gefährlich. Es sei sehr schwer hier etwas zu unternehmen, sagte Bürgermeister Herbert. Er will schauen, was er machen kann, zeigte sich Herbert hier recht hilflos.

Auch auf das Windrad, das die Gärtnerei Gernert zwischen Oberspiesheim und Herlheim errichten will, ging das Gemeindeoberhaupt ein. Offiziell habe er noch keine Information. Es solle 100 Meter hoch werden und einen guten Kilometer von Herlheim entfernt stehen. Schattenwurf werde es keinen geben und Geräusche würden, wenn überhaupt zu hören, dann nur sehr leise, ging er auf die Frage von Peter Götz ein, der wissen wollte ob man dies akzeptieren müsse.

Gemeindezentrum muss warten

Erwin Wiesmann findet es ungerecht, dass bei den Friedhofspflegegebühren für ein großes Grab mehr berechnet werde als für eine kleine Ruhestätte. Die Arbeit sei doch die gleiche. Es gebe hiefür eine Rechtsprechung, lautete die Antwort. Hermann Kopp würde lieber auch die Grabpflegegebühren gleich für 25 Jahre bezahlen. Dann sei man aus dem Schneider, so seine Aussage. Dies sei machbar, allerdings nicht das Ziel, so das Gemeindeoberhaupt.

Nach dem Zeitpunkt des Abbruchs der alten Schule und dem vorgesehenen Neubau eines Gemeindezentrums fragten Erwin Pfister und Ewald Kopp. Wenn die Finanzierung der Kläranlage bis etwa Mitte 2016 abgeschlossen sei, werde man sich über dieses Thema Gedanken machen, lautete die Antwort Herberts. Im Moment sei die Gemeinde finanziell wie personell ausgereizt.

Noch viele weitere Themen wie die Flexibus-Pläne, über die Herbert auch nur aus der Presse informiert ist, und das Gemeindeblatt für alle Haushalte, dessen Verteilung in Herlheim nicht zuverlässig klappt, wurden in der Versammlung angesprochen.

Brigitte Pfister

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