Archäologische Ausgrabungen in Kolitzheim: länger und teurer als geplant

19.05.2018

Mainpost 22.05.2018

KOLITZHEIM

Archäologische Ausgrabungen in Kolitzheim: länger und teurer als geplant

Am nordöstlichen Ortsrand von Kolitzheim, im Bereich der alten Kläranlage, befindet sich ein im bayerischen Denkmal-Atlas eingetragenes Bodendenkmal (Siedlung der Urnenfelderzeit). Bei derzeit dort stattfindenden archäologischen Ausgrabungen konnten bereits fast 70 Befunde festgestellt werden. Ausgeführt werden die Grabungsarbeiten einschließlich der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Dokumentation von der Firma Specht aus Schwebheim, die für derartige Projekte spezialisiert ist.

Notwendig wurden die Ausgrabungen durch den Willen der Gemeinde, in diesem Bereich ein neues Baugebiet mit bis zu 25 Bauplätzen zu realisieren. Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes „Am Auweg“ wurden im Rahmen der Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange Einwände gegen die Planung vorgetragen, die sich auf das Bodendenkmal bezogen hatten, erklärte Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert. Der Forderung der Fachbehörden, diese Untersuchungen auf eigene Kosten durchführen zu lassen, komme die Gemeinde nun nach, um den Bebauungsplan anschließend aufstellen zu können.

Bereits nach wenigen Tagen der Grabungen musste jedoch konstatiert werden, dass wesentlich mehr Befunde vorhanden sind, als bisher aufgrund der archäologisch qualifizierten Voruntersuchung, durchgeführt durch Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege, angenommen wurde. Nun werde in enger Abstimmung mit der Fachbehörde der Untersuchungsbereich soweit ausgedehnt, solange Befunde entdeckt würden, so Herbert. Da es sich hier um eine sehr komplexe Angelegenheit handele, sei die Gemeinde auf die fachliche Kompetenz der Firma und vor allem die Begleitung durch das Landesamt für Denkmalpflege angewiesen.

Ein breitflächiger Oberbodenabtrag sei auf Anraten der Experten nicht sinnvoll, da der Unterboden dadurch austrocknet und die Grabungsarbeiten, welche ohnehin in Handarbeit ausgeführt werden müssen, wesentlich erschwert. Daher gehe es nur Stück für Stück weiter, sagte der Bürgermeister weiter, der von einer Verlängerung der Arbeiten von ursprünglich 15 auf 40 bis 45 Tagen ausgeht. Damit einher geht natürlich auch eine Steigerung der Kosten von den ursprünglich veranschlagten knapp 30 000 Euro auf bis zu 60 0000.

Inzwischen ist ein Drittel der Gesamtfläche (circa 2000 Quadratmeter) bereits untersucht, spektakuläre Funde waren nicht dabei, nahm Philipp Eichelbrönner von der Firma Specht, dem Bürgermeister bereits die Hoffnung auf eine Sensation. Zumeist waren es Pfostengruben, die zum Vorschein kamen. Die Umrisse eines Grubenhauses aus dem 7. Jahrhundert nach Christus, der Zeit der fränkischen Landnahme, sind deutlich an den dunklen Verfärbungen der Erde zu erkennen. Insgesamt konnten bisher fünf Gebäude gefunden werden, zwei größere und zwei Vier-Pfosten-Speichergruben.

Der älteste Fund stammt aus der Urnenfelderzeit um 1000 vor Christus, wie Philipp Eichelbrönner auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilte. Als außergewöhnlich bezeichnete er jedoch, dass auf dieser Fläche Befunde aus drei verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte nebeneinander festgestellt wurden.

Die Vorgehensweise der Archäologen beinhaltet mehrere Schritte. Nachdem die Fläche aufgezogen ist, folgt die Aufnahme des Planums, ehe die Mitarbeiter der Fachfirma die Befunde schneiden, um so einen Querschnitt zu sehen. Fotos und Zeichnungen werden zahlreich erstellt. Hausausgenommenes Material wird zur Einlagerung zum Landesamt für Denkmalpflege gesandt. Letztendlich wird die Erde dann wieder verfüllt. So hofft man bei der Gemeinde, dass aus denkmalschutzrechtlicher Sicht bald alles getan ist, um dort in den nächsten Jahren die Bagger und Baumaschinen ein zweites Mal anrollen lassen zu können. Dann aber für die Erschließung des neuen Baugebietes.

 

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