Aus Böhmens Hain und Flur

21.06.2021

Mainpost 27.06.2021

Zeilitzheim

Aus Böhmens Hain und Flur

Das diesjährige Sommerfestival auf Schloss Zeilitzheim trägt den Untertitel "Begegnung mit Böhmen". Der Zeilitzheimer Sommer vom 25. bis 27. Juni findet in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin a.D. statt. Das Programm trägt der alten Verbindung Deutschlands mit Böhmen Rechnung, heißt es in einer Pressemitteilung von Schloss Zeilitzheim.

Am Freitag, 25. Juni, beginnt es mit einem Konzert "Vom böhmischen Musikantentum". Eva Wengoborski-Sohni und Rudolf Ramming spielen Werke von Smetana, Dvorak, Suk und Janácek am 25. Juni um 19.30 Uhr auf Schloss Zeilitzheim.

Eva Wengoborski-Sohni, langjähriges Mitglied der Bamberger Symphoniker, viele Jahre geschult an deren romantisch–böhmischer Klangtradition und Rudolf Ramming, Klavierdozent an der Musikhochschule Würzburg, spielen vier Werke der größten Meister tschechischer Musik.

Romantische Melodien mit slawischen Tanzelementen

Diese Musik begeistert durch tief empfundene, romantische Melodien aus Böhmen, gepaart mit Virtuosität und schwungvollen slawischen Tanzelementen.

Bei einem Komponisten, der durch den sinfonischen Zyklus „Mein Vaterland“ berühmt wurde, ist es kaum verwunderlich, dass er Huldigungen an seine Heimat auch in kammermusikalischer Form verfasste. Von den Schönheiten tschechischer Landschaften und der unverfälschten Musikalität ihrer Bewohner erzählt Bedrich Smetana (1824 – 1884) in seinem zweiteiligen Duo für Violine und Klavier „Zdomoviny“ („Aus der Heimat“). Es sind idyllische, zwischen Melancholie und Volkston die Waage haltende Stimmungsbilder.

Dem Komponisten Leoš Janácek (1854 – 1928) begegnen die deutschen Konzertbesucher eher selten, meist in seinen Opern „Jenufa“ und „Katia Kabanova“ und seinen beiden Streichquartetten „Kreutzersonate“ bzw. „Intime Briefe“.

Violinsonate eroberte internationale Konzertpodien

Janácek schuf im Spannungsverhältnis zwischen traditionellen klassischen Modellen, romantischem Nationalismus und Moderne einen spezifisch tschechischen Nationalstil. Die Entstehung seiner grandiosen Violinsonate verdanken wir den politischen Zeitumständen im Jahre 1914: Janácek war slawischer Patriot und nahm die Siege der russischen Truppen über die Österreicher kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges begeistert zur Kenntnis. Die Freude über diesen militärischen Triumph währte nur kurz, aber Janáceks Violinsonate eroberte sich nach und nach die großen internationalen Konzertpodien.

Antonín Dvoráks vier „Romantische Stücke op. 75“ sind sozusagen den Böhmen direkt aus dem Herzen gesprochen, wunderbare Stimmungsbilder aus der tschechischen Natur und Volksseele.

Josef Suk (geb.1874 in Prag) war der Schwiegersohn A. Dvoráks und galt als begnadeter Geiger. In seinen beliebten und virtuosen Vier Stücken op. 17 nimmt er Bezug auf den schwelgerischen Geist des böhmisch – tschechischen Nationalstils.

Lesung mit deutscher und tschechischer Literatur

Am Samstag, 26. Juni, um 19.30 Uhr liest Martin Neubauer vom Brentano-Theater Bamberg aus tschechischer und deutscher Literatur. Der Titel ist ein Zitat von Rilke: "Mich rührt so sehr böhmischen Volkes Weise". Rilke, Max Brod, Karel Capek, Franz Kafka und viele andere zeigen die Vielstimmigkeit Böhmens. Der Solotubist der Bamberger Symphoniker, Heiko Triebener, unterstützt die Lesung musikalisch.

Am Sonntag, 27. Juni, um 11 Uhr liest Hildegunt Kirschner aus Erlangen heitere, menschlich so berührende Texte von Jarolav Hašek: "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". Sharina Niedermeyer, gebürtige Zeilitzheimerin, spielt dazu auf der Querflöte.

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