Aus Zwetschgen wird Schnaps

11.09.2008
Mainpost 11.09.2008

LINDACH

Aus Zwetschgen wird Schnaps

Üppig bis mager: Die Obsternte fiel dieses Jahr je nach Sorte unterschiedlich aus

Der Obstbau hat Tradition in der Familie Bedenk in Lindach. „Schon mein Großvater Alfred betrieb ihn“, sagt Reinhold Bedenk vom gleichnamigen Früchtehof. Auf etwa sieben Hektar baut er Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden, Pfirsiche, Birnen und Äpfel an. Am Ende der Obstsaison zieht er Bilanz zur heurigen Ernte.

Kirschen wachsen bei Familie Bedenk auf einem halben Hektar. Bei den Früh- und Mittelkirschen war der Behang schlecht. Die Spätkirschen, die Anfang Juli reif waren, haben dagegen sehr gut getragen. Das glich den Verlust aus und so war die Menge in der Summe in Ordnung. Einige Probleme gab es mit der Kirschfruchtfliege, aber sie hielten sich in Grenzen. Als „sehr mager“ bezeichnete er die „Ausbeute“ bei den Mirabellen. Die etwa 70 Bäume trugen so wenig, dass nur zehn Körbe damit gefüllt werden konnten.

Unzufrieden ist Reinhold Bedenk auch mit den Zwetschgen. Der Ertrag lag etwa 30 Prozent unter dem des vergangenen Jahres. „Während der Blüte im April war es zu regnerisch“, führt er aus. Noch schlechter wäre das Ergebnis ausgefallen, hätte er nicht zwei Monate lang bewässert. So stimmte zumindest die Qualität.

 

„Der Großhandel verlangt eine bestimmte Größe. Normal bei Zwetschgen sind zwischen 30 und 35 Millimeter im Schnitt, bei den Hauszwetschgen sind es im Schnitt 28 Millimeter und mehr. Der Preis ist gut und gleicht das aus, was an Menge fehlt“, erläutert er. Die Zwetschgen, die er nicht mit zusätzlichem Wasser versorgt hat, sind klein geblieben. Sie kann er nicht auf dem Großmarkt verkaufen. „Sie werden zu Schnaps gebrannt“, informiert der gelernte Gärtner mit Fachgebiet Obstbau.

 

Großen Druck, mehr als sonst, habe es dieses Jahr mit den Pflaumenwicklern gegeben. „Es war im wahrsten Sinn des Wortes der Wurm drin“, teilt Reinhold Bedenk mit, der als versierter Obstbauer der Frucht schon von außen ansieht, wie es in ihrem Inneren aussieht. Noch etwa zwei Wochen brauchen die Hauszwetschgen. Sie sind Frischmarktware. Insgesamt baut Reinhold Bedenk 20 Zwetschgensorten an. „Sie tragen zu unterschiedlichen Zeiten. So kann ich von Anfang Juli bis Ende September Zwetschgen liefern“, sagt er.

 

Bei den Birnen hängen noch bis zu 70 Prozent der Früchte an den Bäumen. Hauptsorte ist Williams-Christ. Sie werden diese oder nächste Wochen abgeleert. Es ist hauptsächlich Brennware. „Der Behang ist super“, erläutert der Obstbauer. Wie er ausführt, blühten die Bäume zwei bis drei Wochen später als im Vorjahr. Durch den langen Behang steigt der Zuckergehalt bei den Birnen. Das gibt mehr Schnaps. Probleme mit Krankheiten gab es bei den Birnen nicht.

 

Sehr schön seien die Äpfel. Diese habe er mit Wasser aus dem Brunnen im Feld bewässert. „Ohne hätte es nicht funktioniert“, betont er. Damit die Früchte die richtige Größe erreichen, macht er bei Überbehang Handausdünnung. Die Sorten – zum Beispiel Gala, Jona Gold, Boskop, Topas, Elstar – sind Ende September bis Mitte Oktober reif. „Das wird eine gute Ernte und die Qualität stimmt auch“, sagt er. Bei Elstar habe er mit dem Ableeren bereits begonnen. „Die Äpfel, die außen am Baum sind, können runter. Die, die innen hängen, bleiben so lange dran bis sie rote Backen bekommen“, informiert Reinhold Bedenk.

 

Die Früchte werden in dem Familienbetrieb von Hand gepflückt. Maschinen kommen nicht zum Einsatz. „Konservenware kann man vom Baum schütteln, Frischmarktware nicht“, kommentiert er und erläutert, dass mit den Obstbäumen viel Arbeit verbunden sei, was viele nicht wüssten. Zum Beispiel müssen die Fahrgassen frei gehalten und die Baumreihen vom Unkraut befreit werden.

 

Zeitaufwendig ist auch der Baumschnitt. Er beginnt jedes Jahr Mitte Oktober, gleich nach der Apfelernte. Er ist wichtig, damit die Bäume nicht vergreisen und genug Licht und Luft bekommen, damit der Fruchtbehang nicht zu groß wird und die Bäume nicht zu hoch werden. Zeitintensiv sind außerdem die Büroarbeiten. Seit der Obstbaubetrieb vor zwei Jahren nach QS-GAP zertifiziert wurde, nahm sie zu, denn er muss seine Arbeit akribisch dokumentieren. „Der Großhandel verlangt das Zertifikat. Der Verbraucher kann lückenlos zurückverfolgen, woher das Obst kommt“, erklärt Reinhold Bedenk.

 

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