BBV warnt vor Risiken und Haftungsproblem

05.02.2007

Mainpost 5.2.2007

 

BBV warnt vor Risiken und Haftungsproblem

 

DONNERSDORF/KOLITZHEIM „Ich bin erschrocken, als ich beim Autofahren im Radio die Meldung hörte. In unserem Sinn ist das nicht! Wir warnen vor den Risiken und vor allem vor Problemen, die sich aus der Haftungsregelung ergeben“, sagt Bauernverbands-Kreisvorsitzender Bernhard Weiler (Fuchsstadt) zum geplanten Anbau von Genmais auch im Landkreis Schweinfurt.

 

 

Die Gegner des Genmais-Anbaus formierte sich schnell. Per Mail- und Mundpropaganda trommelten Biolandverbände, der Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands, Öko-Landwirte, die gentechnikfreie Gemeinde Schwebheim, der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen, die Grüne Jugend und der Kreisverband im Bund Naturschutz rund 200 Teilnehmer für eine Kundgebung auf dem Marktplatz von Unterspiesheim zusammen. Im Anschluss an die Kundgebung bewegte sich gestern Nachmittag ein Protestmarsch zu dem Feld, auf dem manipulierter Mais angebaut werden soll (wir berichten ausführlich in unserer morgigen Ausgabe).

Dass heuer in Unterfranken in den Gemeinden Donnersdorf, Kolitzheim und Kleinlangheim Genmais-Anbau durch private Landwirte auf insgesamt 5,64 Hektar geplant ist, das hatte, wie am Donnerstag auf der Franken-Seite dieser Zeitung berichtet, der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Mütze kritisiert. Dies sei vor dem Hintergrund der bayerischen Forschungsergebnisse zum Gentechnik-Monitoring (Erkennung und Dokumentation der ökologischen Folgewirkungen gentechnisch veränderter Kulturpflanzen, d. Red.) völlig unverständlich und eine Provokation aller Landwirte – sowohl der konventionell wirtschaftenden als auch der Ökobauern.

Schlecht für Insekten

„Die bisher bekannten Ergebnisse des Monitoring zeigen alarmierende Auswirkungen auf die Umwelt: So gibt es deutliche negative Effekte bei nützlichen Insekten. Zudem lassen sich Maispollen noch bis zu 600 Meter weit vom Feld in Pollensammlern finden; das heißt, die Pollen werden durch Wind in höhere Schichten verfrachtet. Ein gentechnikfreier Anbau wäre daher in der Region praktisch unmöglich“, mahnt Thomas Mütze.

„Wir empfehlen unseren Mitgliedern, keine gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen“, sagt Bauernverbandsvorsitzender Bernhard Weiler. „Wir wollen eine friedliche Koexistenz mit den Bio-Landwirten und nicht, dass ihnen durch Gentechnikeinsatz der Markt kaputt gemacht wird“, sagt Weiler. Außerdem gebe es noch viele Probleme, die gelöst werden müssten, zum Beispiel die Technik oder die Abstandsflächen betreffend, aber auch rechtliche Fragen wie Patentschutz auf Sorten.

Auch das Amt für Landwirtschaft und Forsten rät Landwirten, die sich für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen interessieren, sehr zurückhaltend zu sein, sagt Joachim Dömling. Der Pflanzenbauberater und Gentechnikbeauftragter des Amtes nennt als Hauptgrund die derzeitige Haftungsregelung. Wenn ein Landwirt Genmais anbaut und auf einem Nachbarfeld Mais eines Biobauern durch Pollenflug genetisch verunreinigt wird, sein Mais also nicht als Bio-Erzeugnis verkauft werden kann, haftet der Verursacher. „Wir weisen die Landwirte auf diese Probleme hin. Doch für die Genehmigung des Anbaues sind wir nicht zuständig“, sagt Dömling.

Standortregister

Wer gentechnisch veränderte Lebensmittel erzeugen will, muss sich direkt an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit Hauptsitz in Braunschweig und Dienstsitzen in Bonn und Berlin wenden. Jeder Antrag wird in einem Standortregister eingetragen, das durch EU-Richtlinien vorgeschrieben und im Internet für die Öffentlichkeit einsehbar ist: auf der Seite www.bvl.bund.de (über die Untertitel Gentechnik und Standortregister).

Im öffentlichen Teil des Standortregisters wird die genaue Lage von Flächen der Freisetzung oder des Anbaues von genttechnisch veränderten Organismen aufgelistet. So ist auf Seite 20 ersichtlich, dass es sich bei den beiden Flächen im Landkreis Schweinfurt um 1000 Quadratmeter in der Gemarkung Kleinrheinfeld (Flur-Nummer 217) und um 44 400 Quadratmeter in der Gemarkung Unterspiesheim (Flur-Nummern 1007, 1031 und 1091 in den Flurstücken „Lämmerwasen“, „Ochsenwerde“ und „Lange Länge“) handelt. Auf allen Fläche ist beantragt, Genmais der Sorte Mon 810 anzubauen, in die ein Bodenbakterium eingebaut ist, das die Resistenz gegenüber Krankheiten oder Parasiten, zum Beispiel Maiswurzelbohrer oder Mainzünsler, erhöht.

Gesät ist der Mais noch nicht. Und Bernhard Weiler hofft, dass er auf die Antragsteller, deren Namen er noch nicht kennt, Einfluss nehmen kann, ihre Erlaubnis nicht in Anspruch zu nehmen.

Unterfranken scheine heuer vom Gen-Saatguthersteller Monsanto zum Testgebiet auserkoren zu sein, meint der unterfränkische ödp-Bezirksvorsitzende Steffen Scholz. Er kündigt entschiedenen Widerstand an, wie diese Zeitung im Franken-Teil vom Samstag berichtete.

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