Bekenntnis zur Präsenz in der Fläche

08.06.2006

Mainpost 8.6.2006

 

Bekenntnis zur Präsenz in der Fläche

 

GEROLZHOFEN Die Raiffeisen-Bewegung war zunächst nur eine Angelegenheit kleinerer Dörfer. 125-jähriges Bestehen kann die heutige Raiffeisen-Volksbank Gerolzhofen-Unterspiesheim nur deshalb feiern, weil ihre Wiege 1881 in Donnersdorf stand. In Gerolzhofen gibt es die Bank dagegen erst seit 1925.

 

Die Anfänge in der Bezirksamtsstadt waren wegen ständiger Ortswechsel turbulent. Gerolzhofen hatte sich damals zu einer Behördenstadt entwickelt mit Landratsamt, Amtsgericht, Finanzamt, Landwirtschaftsamt, Gesundheitsamt und Polizei. Die erste Raiffeisenbank ist in der Salzstraße bei der Familie Bildstein untergebracht (heute Bäckerei Schwab). Nächstes Domizil ist Familie Herold in der Marktstraße. Von da wechselt die Bank in die Schuhstraße zur Familie Geheb, dann geht die Wanderschaft weiter in die Grabenstraße.

Zuerst geringer Geschäftsumfang

Die ersten gut drei Jahrzehnte bleibt der Geschäftsumfang der neuen Bank noch recht gering. 1957 kommt es zur Fusion mit der Raiffeisenbank Volkach, die 1958 in der Rügshöfer Straße eine Niederlassung eröffnet.

Der erste bekannte Name der neueren Raiffeisen-Geschichte lautet Adolf Oswald. 1963 übernimmt er die Geschäfte in Gerolzhofen; wirtschaftlicher Erfolg stellt sich ein. Die "Raiba" bleibt jetzt auch einmal eine Weile ortsfest. Bis zur zweiten "Selbständigkeit" im Jahr 1972 besteht die Adresse in der Rügshöfer Straße. Die Volkacher Bank gibt in diesem Jahr ihre Filiale Gerolzhofen an die Raiffeisenkasse Oberschwarzach unter Leitung von Wilhelm Heilmann ab. Die Dingolshäuser und Frankenwinheimer Raiffeisen-Genossen lehnen zuvor eine Übernahme des Geschäftsvolumens der Gerolzhöfer Mitglieder ab.

Maßgeblich an der Entstehung des neuen Bankengebildes ist der Gerolzhöfer Andreas Wächter, der erst vor kurzem im Alter von 95 Jahren starb. Wächter ist Anfang der 70er unterfränkischer Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbandes und zieht die Fäden auch für die neue Raiffeisenbank Gerolzhofen und Umgebung. Bis 1983 bleibt er im ehrenamtlichen Vorstand der Bank.

1973 wird der Neubau in der Breslauer Straße fertig. Im gleiche Jahr kommt die Raiffeisenkasse Mönchstockheim, 1977 Dingolshausen, 1979 Michelau, 1988 Donnersdorf dazu. Der hauptamtliche Vorstand wird 1987 um Direktor Theo Kaeuffer erweitert.

Eine nochmals erweiterte Form erhält die Bank 1992 durch die Fusion mit der Raiffeisenbank Unterspiesheim. Der Führung dieser Bank durch Kurt Pretscher war bis zur Fusion eine prächtige Entwicklung zu verdanken. Im Jahr 1962 wird der erste Büroanbau an das bestehende Lagerhaus. 1977 folgt ein für diese Zeit typischer Flachdachbau. Nach und nach kommen ab 1963 die Oberspiesheimer, Gernacher (1969), Kolitzheimer, Zeilitzheimer (1970) und Herlheimer (1973) zu Unterspiesheim.

Nach diesem Fusionsreigen bauen die Unterspiesheimer 1975 als einzige Bank in der Region ein eigenes Getreide-Hochsilo und zwei Jahre später eine Lose-Dünger-Lager. das Warengeschäft mit Sitz in Unterspiesheim wird noch heute betrieben und soll nach dem Willen der Bankleitung auch in Zukunft bestehen.

Zwischen 1985 und 1989 ist die Zeit des Umbaus und der Renovierung aller Zweigstellen. Die Bilanzsumme der Unterspiesheimer betrug zum Zeitpunkt der Fusion 83 Millionen Mark.

Im Jahr 1994 übernimmt die Raiffeisenbank schließlich auch noch die Volksbank Gerolzhofen. Diese wird bereits 1877 mit 84 Mitgliedern als "Vorschußverein Gerolzhofen" gegründet und gilt als älteste Bank überhaupt in der Stadt. 1925, als die Raiffeisenbank als Mitbewerber dazu kam, hat die Volksbank 546 Mitglieder. 1961 erwirbt die Volksbank ein Anwesen, das Salzstraße und Marktstraße verbindet. Zehn Jahre später fusioniert man mit der Volksbank Würzburg. Die Geschäfte werden zuletzt bis zur Fusion von Robert Schmitt geleitet.

Zehnthof umgestaltet

1992 kauft die Bank den Zehnthof und baut ihn zu einem ansehnlichen, stadtbildprägenden Gebäude um. In Unterspiesheim wird weiter in das Warengeschäft investiert. So entsteht 1995 eine weitere Lagerhalle und 2004 eine Tankstelle.

Die heute 18 Geschäftsstellen sind alle mit einem Bankautomaten ausgestattet. Die Bank bekennt sich zur Präsenz in der Fläche und denkt keineswegs an Schließung von Filialen in kleineren Orten. Im Jubiläumsjahr beschäftigt die Bank 65 Mitarbeiter, davon acht Auszubildende. Die Leitung haben die Direktoren Klaus Henneberger und Hubert Zinkl. Vorsitzender des Vorstands ist Robert Wächter, des Aufsichtsrates Horst Herbert.

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