Blödsinn, der ankommt, bleibt im Stück

22.01.2015

Mainpost 22.01.2015

LINDACH
Blödsinn, der ankommt, bleibt im Stück

Improvisationstalent ist das Erfolgsrezept der Dorfbühne Lindach

508 Einwohner hat Lindach, der kleine Ortsteil der Großgemeinde Kolitzheim. An den fünf Wochenenden vor Ostern allerdings strömen weit über 1000 Besucher in den Ort. Sie haben ein Ziel: das Sportheim. Dort tritt wieder einmal die Dorfbühne in Aktion, und die hat sich in den vergangenen 24 Jahren einen großen Fanclub zusammengespielt.

Dabei begann alles ganz harmlos, erinnern sich Hannelore Wiederer und Elisabeth Dägele. Bei einer Geburtstagsfeier, „aus einer Laune heraus“, kam eine Clique von sechs Pärchen auf die Idee: „Wir könnten doch mal Theater spielen.“ Das war vor 25 Jahren. „Da haben uns auch viele belächelt“, erinnert sich Dägele, und Wiederer erinnert sich: „Da haben wir Handzettel geschrieben, so richtig mit der Hand, und sie an alle Haushalte verteilt.“ 1991 gab es dann eine erste Aufführung im Saalbau Schön, die gleich ein solcher Erfolg war, dass sie am kommenden Tag noch einmal wiederholt werden musste. Damals holte sich die Gruppe „den Lehrer“ dazu. Kurt Albert sagte spontan ja und übernahm lange Jahre die Leitung. Heute spielt die Dorfbühne im Sportheim und die Zahl der Aufführungen ist inzwischen auf zehn angestiegen.

Theaterunterricht, Workshops oder den Anschluss an einen Verband, alles das braucht die Lindacher Dorfbühne nicht, aber woher kommt dann der große Erfolg? Gudrun Rieger ist sich sicher, das kommt von der Kunst der Improvisation: „Die improvisieren so arg, dass du als Schauspielerin Probleme hast, weil einfach was anderes kommt, als du denkst.“ Regisseur Rainer Feulner verrät das Geheimnis der Theatergruppe: „Wenn jemandem da oben auf der Bühne ein Blödsinn einfällt und zehn Leute lachen, dann bleibt's drin.“

Er erinnert sich an einen Auftritt als Bürgermeister. Plötzlich ist seiner „Putzfrau“ ihr Text nicht mehr eingefallen. „Und dann hat die gesagt, sie müsse jetzt den Abfalleimer ausleeren, und ist verschwunden, da stand ich dann alleine auf der Bühne.“

Auch Jürgen Hellert, ein Mann der ersten Stunde, erinnert sich an einen Zwischenfall. Es war in dem Stück „Aphrodites Zimmer“, da hatte er sich so in der Zudecke verfangen, dass er statt im Bett neben dem Bett auf den Boden geknallt ist. „Die Leut‘ haben gebrüllt vor Lachen und das hätt ich dann jedes Mal machen sollen, aber das wollt ich nicht“, erzählt er; so ganz schmerzfrei war die Aktion eben doch nicht.

Dass so viel improvisiert werden kann, hat seine Gründe, meint der Vorsitzende Christian Hellert. Im November beginnen nämlich schon die Vorbereitungen. Rund 40 Proben, wovon jede drei bis vier Stunden dauert, hat die Theatergruppe hinter sich, bevor das Stück in den Wochen vor Ostern aufgeführt wird.

Außerdem nehme man normalerweise pro Jahr nur einen neuen Schauspieler, „damit wir nicht absacken“, so Feulner. Einen Anfänger könne man abfangen, aber darüber hinaus werde es schwierig, gerade bei einer Gruppe, die so viel improvisiert. Heuer aber haben sich die Spieler dennoch auf zwei Neue eingelassen. Der eine, Thomas Schön, war im vergangenen Jahr für die Technik hinter der Bühne zuständig.

„Da hab ich Blut geleckt und wollte auch mal vorn stehen“, erklärt er. Er habe sich in dem „verrückten Haufen“ sofort wohlgefühlt. Felix Dittmann wurde von seinem Onkel, dem Vorsitzenden, „überredet“, weil ein Darsteller heuer ausfällt. „Jetzt ist es noch okay“, erklärt er und denkt: „Da wird sich nicht viel ändern.“

Das Stück „Stress im Schampus-Express“, das heuer auf die Bühne kommt, habe sehr viele kleine Rollen, von denen man eigentlich laut Drehbuch zwei durch einen einzigen Schauspieler ersetzen könnte. „Aber sowas mach ich ned“, betont Feulner, „da wer‘n mir ja die Leut‘ verrückt, wenn derselbe Darsteller am Anfang Radfahrer und am Schluss Polizist ist.“

Auch für die große weite Welt wurden die Lindacher schon entdeckt. 2014 traten sie beim Fendt Feldtag in Wadenbrunn auf. Feulners Augen beginnen zu strahlen. „Da kommen 60 000 Leute aus aller Welt. Uns hat eine Agentur aus dem Allgäu angerufen, weil sie Statisten brauchten“, erzählt er. Natürlich sagte die Dorfbühne zu und spielte eine deutsche und eine Schweizer Gruppe auf den Fendttagen.

„Mit 22 Leuten sind wir da rüber“, erzählt Feulner, einschließlich der Kinder. „Wir sind auf derselben Veranstaltung aufgetreten wie die Troglauer Buam“, erzählt Feulner stolz. Ein besonderer Höhepunkt: Sowohl der Berufsschauspieler, mit dem sie auftraten, als auch der Regisseur wollen heuer zu ihrer Aufführung nach Lindach kommen.

Die Dorfbühne Lindach spielt „Stress im Schampus-Express“ im Sportheimsaal des 1. FC Lindach jeweils samstags und sonntags, vom 28. Februar bis zum 29. März.

Der Kartenvorverkauf beginnt am Samstag, 31. Januar, ausschließlich telefonisch, bei Martina und Thorsten Wehner, Tel. (01 62) 8 18 38 82. Weitere Infos unter www.kulturverein-lindach.de/theatergruppe

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