Bricht wieder eine Hauptschule weg?

12.05.2009

Mainpost 12.05.2009

KOLITZHEIM

Bricht wieder eine Hauptschule weg?

Sinkende Schülerzahl in Kolitzheim lässt geringe Hoffnung auf dauerhaftes Überleben

Die Tage der Hauptschule Kolitzheim in Unterspiesheim scheinen gezählt. Im Schuljahr 2009/10 werden noch einmal im besten Fall 86 Hauptschüler den Unterricht aufnehmen, doch das ist der niedrigste Stand seit Bestehen der Schule. Für Bürgermeister Horst Herbert ist deshalb die Schule auch „unser größtes Sorgenkind.“ Schon 2010/11 könnte der Vorhang für immer fallen, meint er. Aber solange es die Möglichkeit gibt, wird die Schule in Absprache mit Regierung, Schulamt und Gemeinde aufrechterhalten.

Besonders am „Nachwuchs“ mangelt es. Die Hauptschule Kolitzheim verzeichnet seit Jahren einen großen Rückgang von Schülern. Gründe sind die geburtenschwache Jahrgänge in der Großgemeinde Kolitzheim und das Schulsystem in Bayern mit den Übertritten an Realschule und Gymnasium nach der 4. Klasse.

Für die fünfte Klasse in Kolitzheim sind so für das kommende Schuljahr gerade mal 13 bis 15 Schüler gemeldet. Wie viele es genau sein werden, hängt davon ab, wie der Probeunterricht bei zwei Schülern ausfällt.

In die sechste Klasse werden 16 Schüler gehen, in die siebte 19 bis 21 (zwei ebenfalls im Probeunterricht), in die achte und neunte je 17. Die Schließung droht, wenn in mindestens zwei Jahrgangsstufen weniger als 15 Schüler zusammenkommen.

Wie soll es weitergehen, wenn es in den nächsten Jahren doch zum Aus für die Hauptschule Kolitzheim kommt? Diese Situation tritt ein, wenn eine Jahrgangsstufe nicht gebildet werden kann. Geplant ist für diesen Fall, dass dann die Schule noch das folgende Schuljahr durchzieht, um in Ruhe für einen „sanften Übergang“ zu sorgen. Dies ist im Moment noch nicht notwendig. Nach augenblicklichem Stand ist der Unterrichtsbetrieb im Schuljahr 2009/2010 gesichert. Wie es dann weiter geht, darüber ist derzeit keine definitive Aussage möglich, sagt Schulamtsdirektor Günther Hartlieb vom Staatlichen Schulamt Schweinfurt.

„Optimale Möglichkeiten“

Bürgermeister Herbert spricht sich indes schon heute klar für eine Zukunft der Hauptschüler aus der Großgemeinde Kolitzheim in Gerolzhofen aus, wenn denn die Zeit gekommen ist, darüber zu entscheiden. „Dort bestehen optimale Möglichkeiten“, sagt Herbert und meint damit den dreizügigen Ausbau, das Vorhandensein aller Schulprofile, den bestehenden M-Zug zur Erlangung der Mittleren Reife und die Ganztagsklasse als Alternative zur Normalklasse.

Grundsätzlich in Frage kämen auch die benachbarten Hauptschulen in Volkach, Bergrheinfeld oder Gochsheim, die aber bei den Vorteilen in den Augen von Horst Herbert nicht mit Gerolzhofen konkurrieren können. Außerdem legt der Landkreis Wert darauf, dass die Schüler im eigenen Kreis bleiben.

Auf der Kippe

Dass die Schule auf der Kippe steht, sei seit drei Jahren bekannt, sagt Schulleiter Elmar Walter. Der Rektor steht seit dem Schuljahr 1995/96 kommissarisch und seit März 1997 offiziell an der Spitze der Hauptschule Kolitzheim. Sie wird in diesem Schuljahr 40 Jahre alt, doch nach Feiern war laut Walter niemandem so recht zumute.

Der Rektor bekennt, dass er sehr an „seiner“ Schule hängt, die durch ihre Überschaubarkeit auch viele Vorteile hat. „Wir können sehr individuell auf jeden einzelnen eingehen und Probleme wie an anderen Schulen sind bei uns nicht bekannt“, sagt Walter. Auch die Qualität der Unterrichtsarbeit stimmt für ihn. Der Beleg: Alle Unterspiesheimer Hauptschüler, die die den M-Zweig an der Hauptschule in Gerolzhofen besuchen, hätten sich dort sehr gut geschlagen. „Kein einziger ist bis jetzt zurückgekommen, weil er es nicht packte.“ In diesem Schuljahr sind sechs Schüler in den M-Zweig nach Gerolzhofen abgewandert.

Natürlich werde sich die Gemeinde Kolitzheim auch bei den Eltern über bestehende Tendenzen erkundigen, ist sich Elmar Walter sicher. „Da könnte es schon zu Diskussionen kommen, denn es ist gut vorstellbar, dass die Herlheimer oder Zeilitzheimer eher nach Gerolzhofen, die Stammheimer oder Lindacher aber lieber nach Volkach wollen“, prophezeit der Rektor.

In Gerolzhofen wäre Platz

Die Johannes-Cuspinian-Hauptschule ist übrigens die letzte im Landkreis, die ausschließlich von Schülern aus einer einzigen Großgemeinde besucht wird.

Die Hauptschule Gerolzhofen hätte grundsätzlich die Kapazität, die Schüler aus Unterspiesheim aufzunehmen, sagt der Gerolzhöfer Rektor Alfred Bauer. Die Situation in Unterspiesheim sei nicht ganz neu, deswegen sei man vorbereitet. Bei den Schülern des M-Zweigs bestehe ja schon ein Verbund mit Unterspiesheim. Auch die Schülerbeförderung wäre einfacher, denn es gibt bereits Schulbuslinien aus der Gemeinde Kolitzheim nach Gerolzhofen.

In ihrem Bestand gesichert ist im Gegensatz zur Hauptschule die Grundschule Kolitzheim mit ihren Standorten in Zeilitzheim (zwei Klassen), Herlheim (drei Klassen) und Stammheim (drei Klassen). Im neuen Schuljahr werden 191 Schüler die Grundschule besuchen, darunter 42 Erstklässler. Damit liegt die Kinderzahl in der Großgemeinde Kolitzheim etwa auf dem Niveau der Vorjahre.

Das Stichwort

Hauptschule Kolitzheim

Der Unterricht an der Hauptschule Kolitzheim begann am 9. September 1968 mit 282 Schülern in sieben Klassen. Das entsprach einem Klassendurchschnitt von gut 40 (!) Schülern. 1973/74 hatte die Schülerzahl mit 433 ihren Höhepunkt erreicht. Im laufenden Schuljahr lernen nur noch 100 Jugendliche in fünf Klassen in Unterspiesheim. Die Klassenstärke hat sich gegenüber der Anfangszeit halbiert.

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