Bundeswehr-Übung: Die KOFOR ist nicht überall willkommen

22.07.2009

 

Mainpost 22.07.2009

 

KOLITZHEIM

Bundeswehr-Übung: Die KOFOR ist nicht überall willkommen

 

Ein Besuch bei der Kolitzheim-Force während der Übung der Patenkompanie auf dem Gemeindegebiet

„Wir haben auch etwas mitgebracht: Hass!“ steht auf den über Nacht aufgetauchten Schildern. Oder: „KOFOR raus“. Es soll wie im richtigen Auslandseinsatz sein. Die KOFOR (Kolitzheim-Force) ist nicht immer und überall willkommen. Seit Montag hat sie im Rahmen einer groß angelegten Übung den Auftrag, noch bis einschließlich Donnerstagmittag als Schutztruppe rund um die Uhr im gesamten Gemeindegebiet die Sicherheit zu gewährleisten.

Hinter der KOFOR steckt die 5. Kompanie des Logistikbataillons 467, die Patenkompanie der Gemeinde Kolitzheim aus der Mainfranken-Kaserne in Volkach. Der Kompaniechef, Hauptmann Steffen Engel, hatte die Idee, auf diese Weise Patenschaftsarbeit und Einsatzausbildung zu verbinden. Und das vor einem ernsten Hintergrund: Immer wieder werden auch Soldaten dieser Einheit für den Auslandseinsatz, etwa im Rahmen der internationalen KFOR (Kosovo-Force), abgestellt.

Im Hauptquartier in Herlheim

Die Männer müssen deshalb gerade das Patrouillieren beherrschen und auf die Angriffe und Anschläge in der Umgebung sowie in Ortschaften und Städten als Ausgangs- und Brennpunkt von Unruhen vorbereitet sein, auch wenn es ihre eigentliche Aufgabe ist, für die Instandhaltung und Wiederherstellung von militärischem Gerät zu sorgen.

Wir befinden uns im Kompaniegefechtsstand, dem im Sportheim in Herlheim eingerichteten Hauptquartier der rund 120 Soldaten starken KOFOR. Hier laufen die Funkgeräte und Laptops heiß, während die einzelnen Einsatz-Lagen und Situationen in dem in vier Sektoren aufgeteilten Gemeindegebiet durch einen Koordinator von der Kaserne aus geplant und durchgeführt werden.

Im Lagezentrum in Herlheim treffen bei Hauptmann Steffen Engel die Meldungen der drei in den Sportheimen in Gernach, Zeilitzheim und Stammheim untergebrachten Sicherungszüge ein. Anhand der regelmäßigen Auswertung der Funksprüche mit den Zugführern entsteht an der großen Lagekarte das einheitliche und ständig aktualisierte Lagebild, das Aufschluss darüber gibt, wo sich was im Übungsbereich tut und wie darauf reagiert werden muss.

Die große Lagekarte

Auf der Karte sind unter anderem die Wege der Fahrzeug- und Fußpatrouillen eingezeichnet. Besondere Vorkommnisse werden rot markiert. Viel läuft heute aber über moderne Technik, sprich die per kabellosem Netzwerk verbundenen Laptops und Computer.

Ziel ist es einerseits, einen Überblick über den Einsatz der eigenen Kräfte zu gewinnen und andererseits die Absicht des Gegners zu erkennen, wo und wann eventuell ein Angriff oder Anschlag stattfinden könnte, aber auch, wo noch Reserven sind, um damit andere Teile der Einheit zu unterstützen.

Das umfangreiche Szenario reicht von Patrouillen und der Kontrolle verdächtiger Personen, Angriffen und Anschlägen auf KOFOR und wichtige Versorgungseinrichtungen, bis zur Ergreifung eines untergetauchten Kriegsverbrechers oder, als weiteres Beispiel, dass eine Patrouille in einen Hinterhalt gerät.

Neben den Waldgebieten, in denen sich Untergrundkämpfer und Kriminelle verstecken könnten, müssen vor allem das Waffenlager (Militärmuseum) in Stammheim, das Schloss in Zeilitzheim als schützenswertes Kulturgut, der Wasserbehälter bei Herlheim sowie Solaranlagen besonders kontrolliert werden.

Besorgte Anrufe bei der Polizei

Im Kompaniegefechtstand laufen aber auch die Anrufe der Polizei ein, wenn, wie vor allem zu Beginn der Übung, besorgte Bürger bewaffnete Personen in Kampfanzügen oder andere verdächtige Personen im Gemeindegebiet melden, die ihre Rollen zum Beispiel als Untergrundkämpfer oder als Wasserbomben werfende Rädelsführer so täuschend echt spielen, dass etwa im Fall eines vermeintlichen zivilen Unfalls, selbst eigene Soldaten den regulären Notruf absetzen wollten.

Die Verbindung des Kompaniegefechtsstands mit den Soldaten draußen wird per Funk aufrechterhalten. Der Sprechfunkverkehr ist allerdings chiffriert, also verschlüsselt. Dafür werden alle 24 Stunden wechselnde Deckwörter verwendet.

Im Nebenraum sind die sogenannten Alarmstühle aufgestellt, ein Organisationsmittel, um die Gefechtsausrüstung des Soldaten jederzeit griffbereit zu haben, falls er ausrücken muss. Im Hof des Hauptquartiers stehen ...

KOLITZHEIM

Bundeswehr-Übung: Die KOFOR ist nicht überall willkommen

Ein Besuch bei der Kolitzheim-Force während der Übung der Patenkompanie auf dem Gemeindegebiet

„Wir haben auch etwas mitgebracht: Hass!“ steht auf den über Nacht aufgetauchten Schildern. Oder: „KOFOR raus“. Es soll wie im richtigen Auslandseinsatz sein. Die KOFOR (Kolitzheim-Force) ist nicht immer und überall willkommen. Seit Montag hat sie im Rahmen einer groß angelegten Übung den Auftrag, noch bis einschließlich Donnerstagmittag als Schutztruppe rund um die Uhr im gesamten Gemeindegebiet die Sicherheit zu gewährleisten.

... derweil die mit KOFOR gekennzeichneten Fahrzeuge schon in Richtung Ausfahrt geparkt. Geruht wird jeweils in Schichten.

Jedes Fahrzeug ist immer mit mindestens zwei Mann besetzt. Geht es auf Patrouille, dann setzen sich zwei oder mehr Fahrzeuge zusammen in Bewegung, um nicht allein in einen Hinterhalt zu geraten.

Gibt es Probleme mit der Bevölkerung, etwa wenn in der Nacht der Hof des Sportheims voll ausgeleuchtet wird und der Lärmpegel steigt, weil der den KOFOR-Gegner spielende Mann die Truppe lautstark beschimpft, dann wird umgehend das Gespräch mit den Anwohnern gesucht.

Und immer wieder kommt es zu unvorhergesehenen Situationen. So soll vor dem Zeitungsreporter, der mit dem Kompaniechef eintrifft, schon ein anderer da gewesen sein. Hier handelte es sich offenbar um eine Fehlinformation. Denn der vermeintliche Zeitungsmann war ein Angehöriger des Stabs des Logistikbataillons 467 aus der Mainfranken-Kaserne, um Bilder für die Planung von künftigen Ausbildungsvorhaben zu machen. Wenn es jemanden in der Tat aber gelingen sollte, sich auf diese Art und Weise in eine Bundeswehr-Unterkunft einzuschleichen, kann es hoch brisant werden.

Sicherheitslücken

Doch Hauptmann Steffen Engel entdeckt auf der Rundfahrt zu den Zügen noch andere Sicherheitslücken, etwa in Stammheim, wo der Zugang zum Sportheim vom Parkplatz her unzureichend gesichert ist, so dass sich ein Angreifer im Schutz der Dunkelheit anpirschen könnte. Umgehend macht sich der Zugführer daran, diese Lücke wirksam zu schließen.

Doch nicht nur der Gegner hat es im Übrigen bei der Übung auf die KOFOR abgesehen. Zuweilen befinden sich die 23 Soldaten im Hauptquartier nämlich im Kampf mit den zahllosen Mücken, die durch offene Türen und Fenster eindringen.
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