Das Corona-Virus zerstört die Sternenträume

07.11.2020

Mainpost 07.11.2020

Stammheim

Das Corona-Virus zerstört die Sternenträume

Über 500 Holz-Sterne hat der Rentner Adolf Weissenseel seit Februar gebastelt, um sie für den guten Zweck zu verkaufen. Die Pandemie bringt seine Spendenaktion ins Wanken.

Große Holzsterne auf einem filigranen Sockel oder schmucke Wechselexemplare mit Stern und Herz für die Zeit nach Weihnachten: In seinem Ideenreichtum und Tatendrang ist der Stammheimer Rentner Adolf Weissenseel nicht zu stoppen. Über 500 Schmuckstücke hat er seit dem Februar wieder für einen guten Zweck gebastelt. Jetzt, sieben Wochen vor Weihnachten, ist er unruhig und traurig zugleich. Denn die Corona-Pandemie hat seine Spendenaktion ins Wanken gebracht - und in seiner Garage lagern die Geschenke für Weihnachten stapelweise.

In den vergangenen zwölf Jahren war immer Mitte November großer Verkaufstag bei den Weissenseels. Und jetzt Corona: ein großes emotionales Problem für den 86-Jährigen und seine ein Jahr jüngere Frau Maria. Seit Monaten hat er jeweils drei Tage in der Woche hart gearbeitet, um die Gegenstände herzustellen. Den Erlös aus dem Verkauf der Weihnachtssterne wollte er wieder einem guten Zweck zuführen. Seit dem Startschuss im Jahr 2008 konnten aus dem Verkauf der Sterne schon insgesamt 142 000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen verteilt werden. Allein im vergangenen Winter gingen 17 760 Euro ein, die der Sternenbastler und seine Helfer zu gleichen Teilen an die Lebenshilfe Schweinfurt, die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder in Würzburg und die Mainfränkischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Kitzingen spendeten.

Der Verkauf wird schwierig

Ob es auch in diesem Jahr wieder zu einer Spendenübergabe kommen wird, steht wahrlich in den Corona-Sternen. Einerseits liegen die hölzernen Himmelskörper in Weissenseels Werkstatt zum Verkauf bereit, andererseits gibt es das Problem der Pandemie. Ohne Freunde und Familie kann das Rentnerehepaar einen Verkaufstag nicht bewältigen. Weil aber Familienangehörige zur Risikogruppe zählen oder andere beruflich bereits viele Kontakte haben, können sie die Verkaufsaktion diesmal nicht unterstützen.

Die Weihnachtssterne bis zur Zeit "nach Corona" – vielleicht im kommenden Jahr - liegen zu lassen, bricht Adolf Weissenseel das Herz. Das aufwändige Schreinern für den guten Zweck erfüllt sein Leben im Alter. Damit hat er eine neue Lebensaufgabe gefunden. Soll diese jetzt wegbrechen? "Nein", sagt der Ruheständler. Mit dem Schweinfurter Gesundheitsamt hat er bereits Kontakt aufgenommen. Mit Erfolg. Zwei Kunden gleichzeitig in der Garage unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Corona-Regeln wurden ihm genehmigt, berichtet er.

Hygienestation an der Werkstatt

Am Eingang zu seiner Garagenwerkstatt hat Weissenseel eine Hygienestation errichtet. Käufer müssen sich in eine Liste eintragen mit Namen, Wohnort und Telefonnummer, damit eventuelle Ansteckungsketten verfolgt werden können. Eine Plastikflasche mit Desinfektionsmittel steht auf einem Tisch bereit und eine Tafel weist darauf hin, dass die Garage nur mit Mund-Nasenschutz betreten werden darf.

Adolf Weissenseel und seine Frau Maria hatten eigentlich den Plan geschmiedet, den Vertrieb der 500 Sterne bewältigen zu können, wenn Interessenten bei den Weissenseels anrufen und einen Termin zur Übergabe vereinbaren. "Das schaffen wir", war der Rentner die ganze Zeit noch zuversichtlich gewesen. Adolf Weissenseel ist Optimist - und vergisst dabei manchmal sein hohes Alter und den Umstand, dass er selbst ebenfalls zur Risikogruppe gehört. Seine Kinder raten ihm deshalb ab, eine Verkaufsaktion in Corona-Zeiten durchzuführen, ebenso die Vertreter der in den Vorjahren begünstigten Spendenempfänger.

Gedanken an der Sternen-Ruhestand

Handwerker Weissenseel ist hin- und hergerissen zwischen dem privaten Kleinverkauf und dem Umstand, dass auch er und seine Frau sich vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen müssen. "Ich werde den Verkauf dann doch wohl absagen", sagte er noch vergangene Woche. Für ihn ist das Durcheinander dank Corona absolutes Neuland. Im kommenden Jahr will er diese Aufregung dann wohl nicht mehr auf sich nehmen, er denkt er an den Sternen-Ruhestand.

Wer den früheren Zimmerermeister kennt, will aber nicht so recht an diese Entscheidung glauben. Denn Weissenseels Bestreben, Menschen in Not zu helfen, wird auch nach Corona noch so aktuell sein wie vor 13 Jahren, als er seine beispiellose Sternenaktion im kleinen Rahmen startete. 

Adolf Weissenseel bietet nun doch, wie er der Redaktion am Donnerstag mitgeteilt hat, einen Sternenverkauf an, allerdings nur nach telefonischer Voranmeldung unter der Telefonnummer (09381) 3866.

Zu den News