Das Fahrrad des Glaubens

30.05.2016

Mainpost, 30.05.2016

 

STAMMHEIM

Das Fahrrad des Glaubens

Draußen stehen die Fahrräder in Reih' und Glied, drinnen im kleinen Festzelt an der Mainlände sitzen ihre Fahrer an den Bierzeltgarnituren. Die Stammheimer Musikkapelle stimmt „Lobe den Herren“ an. Es ist Fahrradgottesdienst am Eselsberg, ein spirituelles Angebot zum Auftakt des Autofreien Sonntags im fränkischen Weinland.

„Wir bringen Straßenverkehr und Kirche zusammen“, sagt Pfarrer Andreas Engert. Deshalb sei man hinausgegangen die Natur – zum einen, um den Menschen die Schönheit der Schöpfung Gottes vor Augen zu führen, zum anderen auch, um den Auftrag, sie zu bewahren, anzumahnen.

Oben auf der autofreien Straße durch's Maintal sind nun immer mehr Radler unterwegs. Und immer wieder biegen Radler ab, kommen herunter ans Zelt, stellen ihre Räder zu den anderen und gesellen sich zur Gemeinde. In seiner Predigt betätigt sich Pfarrer Engert als verbaler Fahrradmonteur. Stück für Stück nimmt er das „Fahrrad des Glaubens“ auseinander und bringt die Einzelteile in Verbindung mit dem Christsein.

Zunächst nimmt er sich die beiden Räder vor. Das Vorderrad stehe für die individuelle Beziehung des Menschen zu Gott: Beten, die Bibel lesen, Gottesdienste besuchen. Das Hinterrad symbolisiere die Gemeinschaft mit anderen. „Beide Räder gehören zusammen“, betont Engert: „Wer an Gott glaubt, aber die Mitmenschen sind ihm egal, der kommt nicht weit.“ Wer zwar hilfsbereit sei, den Herrgott aber einen guten Mann sein lasse, mahnt er, „bleibt auch nicht lange im Sattel.“

Ein Licht gibt es am Fahrrad des Glaubens natürlich auch. Es sei die Botschaft Gottes, die Licht in manchen Schatten des Leben bringe. Und die Beziehung eines Menschen zu Gott gebe dem Dasein eine Richtung – wie der Lenker. Blieben noch die Bremsen. Engert vergleicht sie mit den zehn Geboten. Die ersten drei greifen am Vorderrad, also am Verhältnis zu Gott. Die anderen sieben am Hinterrad, also am Zusammenleben in einer Gemeinschaft. „Ein Radfahrer, der bremst, verhindert Unfälle“, sagt Engert. Das Gleiche wollten die Gebote erreichen.

Nur ein Teil sollte am Fahrrad des Glaubens besser ungenutzt bleiben, meint der Geistliche – der Fahrradständer. „Wir sollten es nicht in der Ecke stehen und verrotten lassen“, gibt Engert zu bedenken: „Gott wartet darauf, dass wir uns in den Sattel schwingen, losfahren und bei ihm ankommen.“

Damit die Fahrt auf dem Rad des Glaubens ebenso unfallfrei vonstatten geht wie die auf Mountainbike, Kinder-, City-, Touren- oder Rennrad, erteilt Pfarrer Engert schließlich Mensch und Maschine den Segen, bevor es für viele weitergeht in den autofreien Sonntag.

Zu den News