Das "Haus der Gemeinschaft" gefeiert

16.10.2020

Mainpost 16.10.2020

Zeilitzheim

Das "Haus der Gemeinschaft" gefeiert

Vor vierzig Jahren wurde das Gotteshaus der katholischen Kirchengemeinde in Zeilitzheim vom damaligen Bischof der Diözese Würzburg, Dr. Paul-Werner Scheele, geweiht. Sie ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Jetzt kam sein Nachfolger, Bischof emeritus Dr. Friedhelm Hofmann, nach Zeilitzheim, um das vierzigjährige Jubiläum dieser Weihe mit den Zeilitzheimer Gläubigen zu feiern.

Coronabedingt musste die Feier in kleinerem Rahmen stattfinden, als sich die Verantwortlichen in Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat und sicher auch viele Gläubige gewünscht hätten. Bürgermeister Horst Herbert mit seiner Gattin, Pfarrerin Victoria Fleck, Gemeindereferent André Christof und natürlich die Mitglieder von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung waren zu diesem Fest gekommen.

Mit besonderer Freude werden Rosalinde Seuferling und Roman Götz am Festgottesdienst teilgenommen haben: Rosalinde Seuferling sei die "gute Seele" dieser Kirche, wie sie Bürgermeister Horst Herbert in seiner kurzen Ansprache bezeichnete. Sie sei von Anfang an dabei gewesen, immer ansprechbar, wenn es um "ihre Kirche" ging. Roman Götz (91), damals Mitglied im Pfarrgemeinderat, hat beim Bau der Kirche mitgeholfen, auch ihm galt ein besonderer Gruß.

Immer unterwegs

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Arno Pohli hatte den hohen Gast empfangen und ihn zur Sakristei begleitet. Pfarrvikar Damian Emeka Ikejiama begrüßte den Bischof nach dem Einzug in das Gotteshaus. In seiner Erwiderung auf das Grußwort des Pfarrvikars erinnerte Bischof Friedhelm daran, dass 40 Jahre in der Geschichte der Kirche eine kurze Zeit seien, dass aber alle Gotteshäuser, wie auch dieses noch junge Gotteshaus ein Ort der Gemeinschaft und eine Begegnungsstätte mit Gott sein wollen.

Seine Predigt begann der ehemalige Oberhirte der Diözese Würzburg mit dem Gedanken an den Sonntag: "Am Sonntag feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Der Glaube an die Auferstehung eröffnet uns eine neue Perspektive auf unser Leben." Bischof Paul-Werner Scheele habe in seiner Predigt bei der Einweihung die Kirche, die der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht ist, als ein "Haus der Gemeinschaft" bezeichnet. Der Bau der Kirche sei als Zelt gestaltet. Ein Zelt ist nicht für die Ewigkeit gebaut, es wird auch wieder abgebaut und woanders aufgebaut. So stelle uns diese Kirche immer wieder vor Augen, dass wir unterwegs sind auf ein großes Ziel hin, ein Ziel, das der Apostel Johannes als "himmlisches Jerusalem" geschildert habe.

Das Evangelium habe vom Hochzeitsmahl berichtet, zu dem Jesus eingeladen hatte. Viele hatten Ausreden, um nicht zu kommen. Der Gegenwind, der der Kirche zur Zeit ins Gesicht bläst, mache es nicht leicht, diese Einladung anzunehmen; aber zumindest in den Zeiten vor Corona hätten viele Menschen die Einladung zum sonntäglichen Gottesdienst angenommen – "mehr als drei-oder viermal so viel, als die Fußballstadien an jedem Wochenende besuchen." Durch die Missbrauchskandale habe die Kirche viel Vertrauen verloren, und dies sei eine Katastrophe für die Kirche. "Wir müssen vieles verändern" – so die Feststellung von Bischof Friedhelm.

Es gelte aber auch den Blick darauf zu richten, was durch die christliche Botschaft schon an Gutem in der Welt geschehen sei: Das Grundgesetz und die Charta der Vereinten Nationen seien auch durch die Mitwirkung überzeugter Christen entstanden. Die Christen hätten – trotz aller Fehler und Mängel der Kirche – die Aufgabe, "Sauerteig in der Welt" zu sein, den Glauben in der Gesellschaft und Öffentlichkeit zu vertreten. Die Kraft daraus könne man aus dem Gottesdienst gewinnen – hier im Gotteshaus als Haus der Gemeinschaft, in dem man erfahren könne, dass man von Gott geliebt sei.

"Lebendige Steine"

"Ich hoffe, dass Sie hier noch viele Jahre in Gemeinschaft Gottesdienst feiern können, mit Blick auf die Vision des himmlischen Jerusalems, auf das hin wir alle unterwegs sind", war der Wunsch des Bischofs für die Gemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Arno Pohli bedankte sich bei Bischof Friedhelm für seinen Besuch. Die Kirche sei von der vorherigen Generation gebaut worden. Die Gemeinde bestehe aber aus "lebendigen Steinen"; Frauen, Männer und Kinder sorgen dafür, dass die Kirche, die Gemeinde lebt. "Würzburg ist weit – Würzburg kann uns nicht helfen" – so Arno Pohli. "Wir müssen uns selbst helfen, wir sind gefordert, Kirche zu leben.

Kirchenpfleger Stefan Braun informierte, dass Pfarrer Andreas Engert nicht anwesend sein konnte, da er coronabedingt in Quarantäne bleiben muss: Bei einem seelsorgerlichen Gespräch sei er mit einer Person in Kontakt gekommen, die später positiv getestet wurde. Er selbst wurde negativ getestet, und kann am Dienstag die Quarantäne beenden. Er bedankte sich bei Bischof Friedhelm mit einem Weinpräsent für den Gottesdienst.

Bürgermeister Horst Herbert als gebürtiger Zeilitzheimer, dessen Elternhaus direkt neben dem Schloss stand, in dessen Kirche die Katholiken ihren Gottesdienst feierten, berichtete aus seiner Kindheit, dass er zwar die Kirche sah, als er aus dem Fenster schaute, aber als evangelischer Christ diese Kirche nie besucht habe. In den siebziger Jahren habe das Schloss einen neuen Besitzer bekommen, der kein Interesse hatte, dass die Katholiken in der Schlosskirche weiter ihren Gottesdienst feiern konnten. So musste sich die Kirchengemeinde um ein Grundstück bemühen, um ein Gotteshaus und ein Pfarrzentrum bauen zu können, was dank des Entgegenkommens von Lorenz Hümmer gelang. Die katholische Kirchengemeinde sei ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in Zeilitzheim. Sein Wunsch für die Zukunft: "Dass wir es nicht erleben müssen, dass die Kirche abgerissen wird, und dass die Gläubigen noch viele Gottesdienste hier feiern können."

Der Gottesdienst wurde musikalisch begleitet von Stefan Meusert (Orgel), Alexandra Meusert (Kantorin, Querflöte), Elisabeth Meusert (Violine) und Isabel Wemhöner (Viola). Anschließend waren geladene Gäste noch zur Begegnung mit Bischof Friedhelm ins Pfarrzentrum eingeladen.

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