Das Kirschenpflücken ist Chef-Sache

01.07.2006

Mainpost 1.7.2006

 

Das Kirschenpflücken ist Chef-Sache

 

LINDACH Seit einer Woche pflückt Albert Bedenk seine Kirschen. Und er wird noch zwei bis drei Wochen brauchen, bis seine 25 Bäume abgeerntet sind. "Es gibt heuer eine gute Ernte", sagt er. In anderen unterfränkischen Kirschengebieten sieht es zum Teil anders aus. In den Schwerpunktbereichen Sommerhausen und Landkreis Miltenberg - dort wachsen etwa 80 Prozent der unterfränkischen Kirschen - sei die Ernte "sehr unterschiedlich, die Qualität aber, je nach Behang, gut", sagt der für Unterfranken und auch Oberfranken (außer Lkr. Forchheim) zuständige Obstbau-Fachberater Thomas Riehl vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen.

 

Bei manchen Sorten, so Thomas Riehl, sei noch im Juni zum Teil starker Fruchtfall im Reife-Stadium aufgetreten. Außerdem habe es im Kirschen-Hauptanbaugebiet Sommerhausen, aber auch am Unter-Main, vor einigen Wochen gebietsweise starke Hagelschäden gegeben. Wer aber davon verschont blieb, der habe gute Aussichten auf eine zufrieden stellende Ernte. Die Qualität sei überall dort, wo nicht zu viele Früchte an den Bäumen hängen, gut, denn in der frühen Reifezeit regnete es genug, und seit es vor etwa drei Wochen heiß wurde, nahm auch die Süße wie gewünscht zu, sagt der Fachberater.

In Unterfranken, so Thomas Riehl, werden auf einer Gesamt-Fläche von etwa 200 Hektar Kirschen angebaut. Der Bereich Mainschleife, zu dem Lindach zu rechnen ist, sei hauptsächlich ein Zwetschgengebiet. Bei Kirschen spiele das Gebiet nur eine Nebenrolle. Größere Bestände gebe es aber vor allem noch in Lindach und Fahr.

"Eher ein Hobby"

Als Einkommens-Faktor haben die Kirschen auch für den landwirtschaftlichen Betrieb von Albert Bedenk nur wenig Bedeutung. Auf über 90 Hektar Fläche bauen die Bedenks in erster Linie Getreide, Raps, Zuckerrüben und Sonnenblumen an. Fünf Hektar der Fläche sind Sonderkulturen: 1,2 Hektar Spargel, vier Hektar Obstfläche. Von den rund 1600 Obstbäumen sind der größte Teil Pflaumen- und Zwetschgenbäume. Mit deutlichem Abstand kommen dann Mirabellen, die Kirschen und einige Apfelbäume.

"Die Kirschen sind eher ein Hobby. Aber es gehört einfach zu unserem Betrieb dazu, auch Kirschen zu haben", sagt Albert Bedenk. Das Pflücken dieser Steinobst-Gattung ist in seinem Betrieb, notgedrungen, "Chef-Sache", denn seine Frau Anita, die den ganzen Sommer über wochenlang zusammen mit ihrem Mann und zwei Arbeitern mit dem Ernten vieler Zentner Zwetschgen, Pflaumen oder Mirabellen beschäftigt ist und pro Saison einige hundert Körbe füllt, überlässt die Kirschenernte voll und ganz ihrem Mann.

"Das ist einfach keine Arbeit für mich. Man bringt nichts zusammen. Das nervt", sagt sie. Denn die Kirschen könne man nicht einfach so pflücken wie Zwetschgen oder Apfel, sondern man müsse sie mit Stiel pflücken und jede genau begutachten, ob sie schön reif ist und keine Flecken hat, bevor man sie pflückt und in den Behälter legt. "Es ist ein Geduldspiel, bis ein Plastikbehälter mit fünf Kilo voll mit schönen Kirschen ist."

Fast nur auf Vorbestellung

Auch Albert Bedenk stellt sich nicht den ganzen Tag auf die Leiter, um Kirschen zu ernten. Wenn das Wetter gut ist, geht er früh einige Stunden auf einen der acht Obst-Äcker und erntet ungefähr so viel wie bestellt ist. Drei bis vier Plastik-Kästchen mit fünf bis sechs Kilo schafft er in etwa zwei Stunden. Wenn er mehr braucht, als er alleine ernten kann, oder wenn die Kirschen auf einigen Bäumen so reif sind, dass sie dringend geerntet werden müssen, nimmt er einen Arbeiter mit.

Den größten Teil seiner Süßkirschen pflückt der 55-jährige Landwirt auf Vorbestellung. Nur wenn größere Mengen geerntet sind, liefert er auch an einen Händler in Schwarzach. Und ein- oder zweimal pro Saison fährt er abends Kirschen aus - zu langjährigen Kunden im Raum Kolitzheim, Sulzheim und Donnersdorf. "Das macht er hauptsächlich, um ein wenig zu Ratschen", verrät seine Frau.

Mit seinen Kirschen hat Albert Bedenk heuer bis jetzt Freude. "Es gibt eine gute Ernte, im Gegensatz zum Vorjahr. Die Kirschen sind schön, schmecken gut und sind nicht aufgeplatzt". Und er hofft, dass das in der restlichen Erntezeit so bleibt. Denn schlechtes Wetter oder auch die Stare machen in manchen Jahren einen Strich durch die Rechnung.

"Wenn es hagelt oder zu lange regnet, dann kannst du die Kirschen vergessen. Dann platzen sie auf und faulen. Und wenn ein Schwarm Stare in die Bäume einfällt ebenfalls. Dann ist alles verklebt und angehackt. Deshalb kann ich Leuten, die fragen, ob es Kirschen gibt, immer erst mit Ja antworten, wenn die Kirschen im Korb sind."

"Fast jeder hat ein paar Bäume"

Dass es in Lindach auch weiterhin Kirschen gibt, liegt Albert Bedenk auch als langjährigem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins am Herzen. Einen Vollerwerbsbetrieb mit Obstbau gebe es im Ort nicht, aber fast jeder in Lindach habe ein paar Kirschbäume. Bei der Flurbereinigung (1976 bis 1993) seien viele Bäume gerodet worden, aber auch viele neue Anlagen geschaffen worden. Der Obstbau sei in Lindach zwar mittlerweile eher ein Hobby als eine bedeutende Einkommensquelle, aber es bestehe erfreulicherweise noch immer großes Interesse am Obstbau. Das zeige sich auch daran, dass zu den Baumschnittkursen immer 25 bis 30 Obstbaumbesitzer, meist allerdings ältere, kommen.

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