Das Leben in Gernach mit geprägt

03.05.2016

Mainpost 03.05.2016

GERNACH

Das Leben in Gernach mit geprägt

Ihre Diamantene Hochzeit haben am 2. Mai Erna und Lothar Weilhöfer gefeiert. Dankbar blickten sie auf ein erfülltes, arbeitsreiches Leben zurück. Mit ihnen feierten ihre vier Kinder, acht Enkelkinder und drei Urenkel.
Kennengelernt haben sich die beiden bei der Katholischen Jugend: Er war in der Vorstandschaft, und hatte Erna wohl durch seine Tatkraft und Ideen imponiert. Beim Bau des Jugendheims in Gernach war er sehr aktiv, und auch beim Theaterspiel war er immer dabei – zeitweise hatte er sogar die Regie übernommen und Stücke einstudiert.
Genug Zeit, sich kennenzulernen, hatten sie, denn beide stammen aus Gernach. Erna, 1934 geboren, war das dritte von sieben Kindern des Ehepaares Ludwig und Antonia Pohli. Schon bald musste sie im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern mithelfen, und ihr Berufswunsch Friseuse konnte deshalb nicht Wirklichkeit werden.
Lothar, Jahrgang 1929, war das älteste von vier Geschwistern. Sein Vater Anton war schwer krank 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und konnte nur noch eingeschränkt den landwirtschaftliche Betrieb führen. Seine Mutter Klara war sehbehindert. So stellte sich dem Ältesten schon mit 15 Jahren die Aufgabe, den Betrieb mit Milchkühen, Jungvieh und Ochsen zu leiten.
Erna erinnert sich gerne an die Tanzmusik im Dorf, zu der ihr die Eltern den Eintritt bezahlten; mehr war nicht „drin“. Ihr erstes Fahrrad habe sie sich mit Kräutermachen verdient. Und Lothar ist ganz stolz, dass er mit fünf Mark, die er damals jeden Sonntag von seiner Mutter bekam, sein Mädchen habe ausführen können, das Benzin für das Motorrad gekauft habe, und noch geraucht habe.
Erna erwarb auch bald den Führerschein für das Auto und den Traktor – für eine Frau damals sicher keine Selbstverständlichkeit.

Erna und Lothar waren auch in das öffentliche und politische Leben eingebunden. Schon kurz nach ihrer Heirat übernahm Erna das Amt der Ortsbäuerin, das sie 33 Jahre, bis zum Ende der 1980er Jahre ausübte. Sie initiierte Vorträge zu hauswirtschaftlichen Themen, lud zu Ausflügen ein, war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Landfrauenchores. Auch das alljährliche Schmücken des Gernacher Osterbrunnens geht auf ihre Initiative zurück.

Lothar war von 1952 bis 1966 Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. 1953 wurde er in den Aufsichtsrat der Raiffeisenbank gewählt. Das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleidete er bis 1994 auch nach den Fusionen mit Unterspiesheim und mit Gerolzhofen. Für seine Verdienste erhielt er die Goldene Raiffeisenmedaille. Geehrt wurde er auch für weitere Tätigkeiten, etwa als Hagelschätzer in ganz Bayern oder als Verkehrswertschätzer landwirtschaftlicher Anwesen. Besonders stolz ist Lothar Weilhöfer auf sein Bundesverdienstkreuz.

1966 wurde Lothar Weilhöfer Bürgermeister von Gernach. Die Erschließung eines neuen Siedlungsgebietes und die Umlegung des Friedhofs sind zwei wichtige „Marksteine“ seiner Amtszeit. Mit Flexibilität und Kreativität bewältigte Erna die neuen Belastungen, die vielseitigen und vielfältigen Arbeiten, die der landwirtschaftliche Betrieb, die Erziehung der vier Kinder und nicht zuletzt die Pflege der Tante, die nach dem Tod ihres Mannes aus Kolitzheim nach Gernach umzog.
Es ist zu spüren, wie dankbar die beiden auf die vergangenen 60 Jahre, die gemeinsam gelebte Zeit zurückschauen. Begeistert erzählen die Beiden von ihrer Reise nach Namibia. Dort besuchten sie das Grab von Onkel Gregor Weilhöfer, der Ende der 1920er Jahre als Gründer der Missionsstation Tondora dort an Malaria gestorben war.

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