Das Tanzcenter Kuhn war das Mekka der Tanzwütigen

05.05.2015

Mainpost, 05.05.2015

 

UNTERSPIESHEIM
Das Tanzcenter Kuhn war das Mekka der Tanzwütigen

Der Saal in Unterspiesheim brummte bis Anfang der 80er an jedem Wochenende

(lmü/fi) Arnold Mark ist einer, der die guten Zeiten im ehemaligen Tanzpalast Kuhn miterlebt hat. Sechs Jahre lang hat er zwischen 1977 und 1983 im Wechsel mit anderen DJs die Musik aufgelegt. „Als ich 16 war, durfte ich schon mal in den Tanzpalast reinschauen“, erinnert er sich an seine erste Begegnung mit seinem künftigen Arbeitsplatz. Von der Größe her sei der Saal schon beeindruckend gewesen.

Für die damalige Jugend war viel geboten. Im Erdgeschoss gab es Kassenspielautomaten. In einem anderen Raum wurden Videofilme gezeigt. Eine breite Treppe führte hinauf in den Tanzsaal. Als die Zeit der Live-Bands vorüber war, stattete alfred Kuhn die Bühne mit zusätzlichen Sitzplätzen aus.

In der Anfangszeit stand Arnold Mark neben keinem Geringeren als dem langjährigen Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Karl-Heinz Schmitt, am Pult. Schmitt ist erst vor Kurzem bei der Polizei in Ruhestand getreten. Er war es, der den jungen Arnold letztlich zum Auflegen animierte.

„Herr Kuhn war zufrieden mit meiner Arbeit und die Gäste scheinbar auch. Und ich hatte meinen Spaß“, blickt der Unterspiesheimer auf alte Zeiten zurück. Die Gäste im Tanzpalast bezeichnet er als große und vor allem friedliche Familie. Jeder kannte jeden. Der Tanzpalast hatte ein großes Einzugsgebiet; die Tanzwütigen kamen vor allem aus dem ländlichen Raum.

Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag war der Tanzpalast geöffnet, am Samstag bis 1 Uhr, am Sonntag nur bis 23.30 Uhr. In Marks Zeit lagen vor allem Disco-Fox, Country, Neue Deutsche Welle und Hard Rock auf dem Plattenteller. Samstags spielte anfangs noch eine Live-Band.

Mark zum Grund, warum das später nicht mehr so war: „Vielleicht wurden Bands wie die Shades oder Kleeblatt irgendwann mal zu teuer.“ Dann habe Kuhn noch eine Zeit lang unbekanntere Gruppen engagiert, die eher experimentell waren. Diese Bands waren zwar günstig, kamen beim Publikum aber nicht so an.

Der Anfang des Niedergangs könnte im Jahr 1983 liegen, schätzt Mark. Da habe Alfred Kuhn einen Geschäftsführer eingestellt, der eventuell nicht so gut gewirtschaftet habe. Etwa zwei Jahre später hat das Tanzcenter dann geschlossen.

Den lange Zeit sehr erfolgreichen Alfred Kuhn beschreibt Mark als einen Menschen, der immer versucht habe, in seinem Tanzsaal auf der Höhe der Zeit zu sein. So schuf er eine „Saturday Night“-Atmosphäre, baute eine Disco-Kugel und Lightshows ein. Kuhn sei ein Unterspiesheimer Urgewächs gewesen und habe trotz der Erfolge nie Starallüren gezeigt. „Alfred Kuhn war eigentlich ein sehr umgänglicher Mensch, vor allem, wenn der Laden gebrummt hat. Wenn nicht viel los war, konnte er aber auch mal ein bisschen ruppig sein“, sagt Mark. Warum Kuhn nach Australien auswanderte, kann Mark heute noch nicht so recht verstehen. Danach riss der Kontakt zu ihm ab.

Mark selbst hat mit dem Platten-Auflegen Schluss gemacht, als sein Vater mahnte: „Daheim ist ein Geschäft, kümmer dich darum.“ So begann er eine Metzgerlehre. Bereits 1984 hatte er den Meisterbrief. Trotzdem ist eins geblieben. Musik begleitet immer noch sein Leben.

Norbert Finster

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