Der Kerner ist ihre Jugendliebe

02.05.2006

Der Kerner ist ihre Jugendliebe

 

Zeilitzheim Ein Schloss hat Zeilitzheim schon seit Jahrhunderten. Seit Freitag residieren am "Heiligenberg" nun sogar zwei gekrönte Häupter. Denn die Fränkische Weinkönigin Jennifer Herbert reichte ihre Krone als örtliche Weinprinzessin an die 18-jährige Winzertochter Johanna Mößlein weiter.

 

Jenny bekommt, was sie will. Bürgermeister Horst Herbert weiß ein Lied davon zu singen. Er, der als Vorsitzender des SC zusammen mit Winzerchef Gerhard Herbert Prinzessinnen-Werber im "Heiligenberg"-Weinort ist. Man schrieb das Jahr 2003. Eine Nicole Then brillierte als Deutsche Weinkönigin und wurde, so Horst Herbert, zum "Sinnbild eines neuen Weinverständnisses."

In Zeilitzheim suchte man indes eine neue Weinprinzessin. Schnell hatte man ein Auge auf Jennifer Herbert geworfen. Sie war sportlich, elegant, charmant, eloquent, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen.

Sie bekam die neue Krone

Man fühlte vor. Jennifer zeigte Interesse, hatte aber einen Wunsch. Sie wollte eine neue Krone. Nicht das schwere, wuchtige Teil, das zwei Jahre zuvor ihre Schwester Jessica trug und das zu dieser Zeit das Haupt von Bettina Plempel zierte. Sie bekam die Krone. Und machte die Prinzessin.

Am 7. Mai 2004 setzte man ihr die Krone auf. "Auf einmal war man nicht mehr Irgendjemand", erinnert sie sich zurück an das, was sie einen "lebensverändernden Eingriff in das Leben von Jennifer Herbert" nennt. Denn vor zwei Jahren habe sie höchstens ahnen können, was sie alles erwartet.

Jennifer stieß Veränderungen an. Veränderungen, so Horst Herbert in seiner Laudatio, die sein müssen, "wenn wir im Konzert der neuen Weinfeste erfolgreich mitspielen wollen." So stellte sie zum Beispiel den überdimensionierten Weinprinzessinnen-Römer in die Ecke und griff statt dessen zum Stielglas. Schnell wurde sie als Kandidatin für das Amt der Fränkischen Weinkönigin gehandelt. Auch Jenny selbst konnte sich mehr und mehr mit einer Kandidatur anfreunden.

Mit ihrem Vorbereitungsteam büffelte sie Fachwissen. Sie wurde so gedrillt, dass sie sich nun, bei ihrer Verabschiedung als örtliche Weinprinzessin, eine kleine Retourkutsche nicht verkneifen kann. Jenny dreht den Spieß um. Nun ist sie es, die die Fragen stellt. Und die Mitglieder ihres Kompetenzteams geraten ins Schwitzen.

Im März dieses Jahr griff sie nach der Krone. Erfolgreich. Jenny bekommt eben, was sie will. "Sie hat den Olymp des Frankenweins erklommen", so Horst Herbert, "und hat Zeilitzheim in einen Freudentaumel gestürzt. Sie ist und bleibt aber immer eine von uns." Und so hält sich die Wehmut beim Abschied in Grenzen. Schließlich ist Jennys Amtszeit noch jung, und sie bleibt den Zeilitzheimern und dem Frankenwein erhalten. Mit Krone.

Erste Dosis in der Muttermilch

Das örtliche Diadem trägt nun eine andere. Johanna Mößlein, 18 Jahre alt, Gymnasiastin im vorabituriellen Stress mit dem Berufsziel Fremdsprachen-Korrespondentin und Tochter einer renommierten Zeilitzheimer Winzerfamilie. Sie ist eine, so stellt Gerhard Herbert sie vor, "die schon mit der Muttermilch erste Dosen Zeilitzheimer Wein zu sich genommen hat." Zudem sei sie unkompliziert, intelligent, selbstbewusst, immer gut drauf und könne bestens mit Menschen umgehen. In einem Satz: "Sie ist die richtige Frau am richtigen Platz."

Sieben Jahre alt war sie, so erzählt Johanna, als sie ihre Verbindung mit dem Frankenwein eingegangen ist. Das Objekt ihrer kindlichen Begierde war der Kerner, den ihre Eltern als Proviant nebst der Tochter mit in den Weinberg genommen hatten. Johanna naschte heimlich von den verbotenen Tropfen. Mit zwei Konsequenzen. "Nach zwei Stunden mussten meine Eltern ihre weinselige Tochter nach Hause fahren", verrät sie den Gästen im vollbesetzten Pfarrheim: "Und seitdem weiß ich, dass Verbotenes so lecker schmeckt." Ihre Beziehung mit ihrer Jugendliebe Kerner hält bis heute. Da wundert es nicht, dass auch ihr Krönungswein ein solcher ist.

Auch Weinkönigin Jenny ist vom ersten Auftritt der "Neuen" sichtlich angetan. "Ich bin mir sicher, Du wirst das keck und mit Bravour meistern", attestiert sie der Nachfolgerin.

Feste Beziehung

Der Schlusspunkt unter einen stilvollen Abend, moderiert von Diana Graf und Martin Mößlein und musikalisch vom Männerchor "Frohsinn" sowie dem Gesangsduo Lorenz Makowski und Herbert Kleinhenz gestaltet, ist Landrat Harald Leitherer vorbehalten. Er müsse sich schon wundern über sein Zeilitzheim, "wo man im zarten Alter von sieben Jahren schon feste Beziehungen hat, und das noch mit dem Alkohol", witzelt er.

Und von Jenny, nein, da möchte er sich an diesem Abend noch nicht so richtig verabschieden: "Das machen wir dann, wenn Du als Fränkische Weinkönigin verabschiedet und als Deutsche eingeführt wirst." Die deutsche Krone - damit liebäugelt der Landkreis, damit liebäugelt Zeilitzheim. Und wie gesagt: Jenny bekommt, was sie will.

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