Der langwierige Einzug von DSL

01.12.2008

Mainpost, 01.12.2008

 

KOLITZHEIM

Der langwierige Einzug von DSL

 

Herlheimer verärgert über Telekom – Schon im August sollte Anschluss fertig sein

 

Bisher vergeblich gewartet haben die Herlheimer auf ihre DSL-Anschlüsse, weil sie sich auf die Deutsche Telekom verlassen haben. In Sachen Breitband-Internetzugang über Telefonleitungen hinkt deshalb Herlheim hinter den anderen Kolitzheimer Ortsteilen her. Die meisten Haushalte dieser Gemeindeteile haben nämlich ihren Anschluss inzwischen über die „Schnell-im-Netz“ GmbH, eine Tochter des Stadtwerks Haßfurt, die auf dem Zabelstein eine Funkeinrichtung betreibt.

Als erste hatten das DSL-Privileg Kolitzheim und Lindach, weil eine Telekom-Vermittlungsstelle mitten in Kolitzheim liegt. Für alle anderen Ortsteile war DSL nur teilweise oder überhaupt nicht möglich, am wenigsten in Stammheim. Dort griffen die Bürger nach Auskunft von Bürgermeister Horst Herbert zur Selbsthilfe. Sie sammelten 43 000 Euro und stellen mit diesem Geld den Deckungsbetrag für den Bau einer Leitung bereit, der momentan im Gang ist. Ende des Jahres soll der Breitband-Internetzugang verfügbar sein.

Das Thema DSL war deshalb bereits im Frühjahr Diskussionspunkt der Bürgerversammlungen, erinnert sich Bürgermeister Horst Herbert. Bei einer Info-Veranstaltung des Haßfurter Anbieters „Schnell im Netz“ zeichnete sich dann eine Lösung für die meisten Haushalte im Bereich der Großgemeinde ab. Voraussetzung war nur eine Sichtverbindung der Anwesen zum Zabelstein, über dessen Funkanlage der Anbieter den schnellen Internetzugang bereitstellt. Für die meisten Haushalte im flachen Vorsteigerwald besteht diese Verbindung; kleinere Anwesen, die von ihrer Nachbarschaft überragt werden, haben allerdings Pech.

Ein anderer Weg schien sich für Herlheim abzuzeichnen. Die Telekom schrieb die Haushalte am 13. März 2008 an, sagte eine neue Verkabelung mit bis zu 6000 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) aus Richtung Gerolzhofen zu und bat die Haushalte, sich bei Interesse vormerken zu lassen, schildert Bürgermeister Horst Herbert die Vorgeschichte. Schon ab August 2008 sollte DSL in Herlheim flächendeckend verfügbar sein. So steht es auch schwarz auf weiß im Schreiben der Deutsche Telekom Kundenservice GmbH in Würzburg.

Dem Gemeinderat lagen die Pläne für den Leitungsbau vor. Der verweigerte allerdings seine Zustimmung, weil lediglich eine Kupferleitung anstelle einer leistungsfähigeren Glasfaserleitung geplant war. Dahinter vermutet Herbert, dass die Telekom eher das Telefon-Festnetz sichern wollte als in DSL einzusteigen. Im Vergleich zur Glasfaser dämpft Kupfer vor allem über längere Strecken die Datenübertragung erheblich.

Immerhin sicherte die Telekom zu, beim Verlegen des Kupferkabels wenigstens gleich ein Leerrohr mitlaufen zu lassen, um später doch noch ein Glasfaserkabel einziehen zu können.

Passiert ist bisher aber noch wenig. Erst berief sich die Telekom auf die Brutzeit von Vögeln, berichtet Herbert. Was ihn jetzt besonders ärgert, ist, dass sich die Telekom gegenüber Beschwerdeführern behauptet, die Blockade liege bei der Gemeinde.

Nach alledem stehen die Herlheimer nun dumm da, denn sie haben im Vertrauen auf die Telekom keine Verträge mit der „Schnell im Netz“ GmbH abgeschlossen. So groß wie das Interesse der Herlheimer nach dem Anschreiben der Telekom war, so groß sei jetzt ihre Verärgerung über den Anbieter, sagt der örtliche Gemeinderat Walter Wiegand.

Die Telekom indes kann die Aussage, dass bis heute nichts geschehen sei, nicht nachvollziehen. Für die Deutsche Telekom Kundenservice GmbH in Würzburg erklären Hubert Engelhardt und Holger Benz in einer knappen Pressemitteilung, die vorliegenden Kundenaufträge seien einzeln geprüft worden und bis auf vier erfolgreich geschaltet worden. Bei allen Interessenten erfolge eine individuelle Prüfung. Über das Ergebnis, ob DSL funktioniert oder nicht, werden die Kunden informiert, so Engelhardt und Benz.

 

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