Der schönste Tag im Leben

05.09.2008

 

Mainpost 5.9.2008
 
KOLITZHEIM
Der schönste Tag im Leben
Ausstellung „Hochzeitsbräuche in Franken“ im alten Rathaus in Kolitzheim ab Samstag
 
Für viele ist er der schönste Tag im Leben, der Hochzeitstag. Seit jeher gilt er als ein zentraler Punkt im Lebenslauf. Welche Bräuche sich zum Hochzeitstag gebildet haben, darauf geht die Ausstellung „Hochzeitsbräuche in Unterfranken“ ein. Sie zeichnet den Weg der Brautleute während der Vorbereitungsphase der Hochzeit bis zum Abschluss der Feierlichkeiten am Abend nach der Trauung nach. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 6. September, 17 Uhr, im alten Rathaus in Kolitzheim.
Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Bürgermeister Horst Herbert und Christine Bender werden die Ausstellung offiziell eröffnen. Musikalisch umrahmt die Eröffnung die Fränkische Musik Kolitzheim unter Leitung von Peter Häusner.
Konzipiert hat die Ausstellung Bezirksheimatpfleger Klaus Reder. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Unterfranken, dem archäologischen Museum Bad Königshofen, der Stadt Bad Königshofen und dem Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld. 2002 wurde sie erstmals gezeigt. Da das Interesse so groß war, ging sie danach auf Wanderschaft, erläutert Christiane Landgraf, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken.
Meistens Leihgaben
Den Großteil der Exponate stellte der Bezirk zur Verfügung, der Rest sind Leihgaben von Privatpersonen aus dem Landkreis Rhön Grabfeld sowie aus der Gemeinde Kolitzheim.
Der Schwerpunkt der etwa 150 Ausstellungsstücke liegt auf der Hochzeitskleidung und den dazugehörigen Accessoires. „Viele Teile weisen auf bestimmte Bräuche hin“, erläuterte Christiane Landgraf, die beim Aufbau der Ausstellung mit dabei war. Unterstützt wurde sie unter anderem von Christine Bender und Arbeitern der Gemeinde Kolitzheim, die auch die Räume zur Verfügung stellt.
Schwarze Brautkleider bis 1940
Das Spektrum der Textilien ist breit gefächert. Es reicht von modischer Kleidung bis hin zu traditioneller Kleidung wie Trachten. Beide existierten und existieren nebeneinander. „Die Ausstellung bietet einen Überblick über die Modeentwicklung und den Wandel der Kleidungsgewohnheiten an der Hochzeit in den letzten 100 Jahren. Wegen der Empfindlichkeit der Materialien und der Farben dürfen diese Textilien nicht lange und nicht oft im Licht der Öffentlichkeit stehen und können daher nur sehr selten ausgestellt werden“, informiert Christiane Landgraf. Wie sie ausführt, war das schwarze Brautkleid noch bis etwa 1940 üblich. Es wurde meist zur Vermählung neu gekauft und diente später als Sonntags oder Festgewand.
Anstelle des Myrtenkranzes – einige Exemplare davon werden in der Ausstellung gezeigt – trug die Braut im 20. Jahrhundert immer häufiger einen weißen Schleier als Zeichen ihrer Unschuld. In Gebieten, in denen sich Regionaltrachten entwickelt hatten, diente die Festtracht auch als Hochzeitsausstattung. Nachdem das weiße Brautkleid anfänglich nur in den gehobenen Gesellschaftsschichten verbreitet war, etablierte es sich nach und nach auch in den einfachen Kreisen.
Ende des 19. Jahrhunderts kam die standesamtliche Trauung auf. Sie fand im Rathaus oder im Haus des Bürgermeisters statt. Danach ging es in die Kirche. Die gängigsten Hochzeitstage waren Dienstag oder Donnerstag. „Zeremonie wie Fest waren relativ einfach. Die Leute sind früh und abends in den Stall gegangen, dazwischen wurde, meist daheim, gefeiert.
Hochzeitstafel und Trauszene
Bis in die 20er Jahre hinein fanden die standesamtliche und die kirchliche Trauung am selben Tag statt. In den 50er Jahren erfolgte die Anpassung vom Land an die Stadt, informiert Christiane Landgraf. Sie weist auch darauf hin, dass die Objekte anhand von Texten erläutert werden, darunter auch Quellenzitate. Außerdem ist eine Hochzeitstafel, die eingedeckt ist mit Geschirr aus den 50er Jahren, zu sehen sowie eine nachgestellte Trauszene in der Kirche.
Auf die Idee, die Ausstellung nach Kolitzheim zu holen, kam Christine Bender, als sie den diesjährigen Bauernmarkt mit vorbereitete. Er findet am 14. September in Kolitzheim statt und er steht unter dem Motto: „Liebe, Herz, Hochzeit“. Eröffnet wird er um 10 Uhr. Um 11 Uhr ist Landwirtschaftsminister Josef Miller zu Gast.
„Für mich war klar, zu diesem Thema machen wir eine Ausstellung. Ich schaute mich im Internet um und stieß auf die Ausstellung des Bezirks. Ich kontaktierte Christiane Landgraf und reservierte die Ausstellung“, schildert Christine Bender.
Geöffnet ist die Ausstellung am 6. September ab 17 Uhr, am 7. September von 15 bis 18 Uhr, am 14. September von 10 bis 18 Uhr, am 21. September von 15 bis 18 Uhr, am 27. September von 11 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Absprache Tel. (01 73) 8 63 74 82.
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