Der Schwur begleitet bis ins Grab

18.05.2015

Mainpost, 18.05.2015

 

LINDACH
Der Schwur begleitet bis ins Grab

Jahrestagung der Feldgeschworenen in Lindach

 

Die Feldgeschworenen des Kreises „Schweinfurt Süd“ haben ihre Jahrestagung in Lindach abgehalten. Dieser Siebenerkreis umfasst die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen und die Einzelorte der Gemeinde Kolitzheim.

Vorbereitet wurde die Veranstaltung vom Team des örtlichen Siebenerobmanns Klaus Wiederer in Zusammenarbeit mit dem Kreisobmann Erhard Rückert aus Sulzheim. Für den musikalischen Rahmen des Festes sorgte der gemischte Chor des örtlichen Kulturvereins. Außerdem begleitete die örtliche Blaskapelle unter der Leitung von Walter Strauß den sehenswerten bunten Festzug, den die etwa zweihundert Siebenerkollegen aus dem ganzen Umland bildeten, der durch die Straßen des festlich geschmückten Dorfes zur Kirche und anschließend zum Tagungslokal ging. Eine Lindacher Schülergruppe zeigte mit dem Theaterstück „Der frevelhafte Grenzsteinversetzer zu Lindach“ die szenische Umsetzung einer örtlichen Sage, die der Ortschronist Kurt Albert schrieb und einstudierte.

Der Festzug wurde von der Siebenerkrone angeführt, die mit bunten Bändern geschmückt war, von Martin Wiederer getragen und von Ehrendamen begleitet wurde.

Den Festgottesdienst zelebrierten die beiden Pfarrer Andreas Engert und sein evangelischer Kollege Georg Salzbrenner. In seiner Predigt stellte Engert die alttestamentliche Geschichte Abrahams und seines Vetters Lot in den Mittelpunkt der geistlichen Betrachtungen. Als sich die bekannten biblischen Repräsentanten nach ihrem jahrelangen Marsch endlich im Gelobten Land niederlassen konnten, mussten sie gemeinsam territoriale Grenzen festlegen, um Grenzstreitigkeiten aus dem Weg gehen zu können. Diese Grenzen galt es nun, von beiden Parteien zu achten. Engert spannte nun den Bogen seiner theologischen Betrachtungen über die Lebenswirklichkeit der heutigen Menschen. Auch hier gäbe es Grenzen moralischer und gesellschaftlicher Art zu beachten, um die Mitmenschlichkeit in den Mittelpunkt christlicher Werte zu stellen.

Im Rahmen des Festgottesdienstes wurden acht Neusiebener von der stellvertretenden Landrätin Christine Bender vereidigt. Bender würdigte die Tätigkeit eines Feldgeschworenen als ein wichtiges Ehrenamt im Dorfleben, das auch in der heutigen Zeit noch gebraucht werde und das in Franken auf eine über fünfhundertjährige Tradition blicken könne. Siebener legten einen Schwur unter christlichen Gesichtspunkten ab, der sie bis ins Grab begleite und der sie kraft ihres Amtes zu Wächtern über Flurstücksgrenzen setze, der sie zu Mediatoren bei Grenzstreitigkeiten, aber auch zu unbestechlichen Entscheidern in diesen Angelegenheiten mache.

Als Neusiebener wurden feierlich vereidigt: Matthias Grünewald, Kleinrheinfeld, Richard Sendner, Frankenwinheim, Udo Klüpfel, Stammheim, Matthias Nöth, Unterspiesheim, Karl Fuchs, Martin Kram und Joachim Weigand – alle aus Altmannsdorf – und Martin Dürrfuß aus Schöneich. Johannes Pfister aus Kammerforst war an der Teilnahme verhindert.

Zur Fortsetzung der Tagung traf man sich nun im Sportheim. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Kreisobmann begrüßte der stellvertretende Bürgermeister Martin Mack die Ehrengäste im Namen der Gemeinde Kolitzheim, unter anderem die stellvertretende Landrätin Christine Bender, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber, den Leiter des Vermessungsamtes Schweinfurt, Gerhard Hartmann, den Vertreter des Flurbereinigungsamtes Würzburg, Gerald Groll, den Leiter des Landwirtschaftsamtes Herbert Lang, die Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes sowie seine Bürgermeisterkollegen aus den umliegenden Gemeinden.

Mack stellte die Gemeinde Kolitzheim mit ihren acht Gemeindeteilen den Gästen vor. Dabei würdigte er das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger. Durch Maßnahmen wie Dorferneuerung, Flurbereinigung und Finanzhilfen für junge Familien würden Strukturen geschaffen, die das Leben auf dem Lande lebenswert machen. Mack verhehlte allerdings nicht, dass man durch die Ansiedelung einer rechten Gruppierung innerhalb der Gemeinde auch etwas Sorge habe.

Im fachlichen Teil wurde informiert, dass bei der Arbeit der Siebener vor Ort nun auch digitale Medien und Programme eingesetzt werden sollen.

Für 25-jährige Siebenertätigkeit geehrt wurden: Josef Ebert, Vögnitz, Heinz Rock, Lindach. Für 40-jährige Tätigkeit: Edgar Rippstein, Unterspiesheim, Arnold Zehner, Ober-schwarzach, und Hermann Grob, Sulzheim. Für 50-jährige Tätigkeit : Justin Schmitt, Stammheim, und Erwin Ölschleger, Wiebelsberg.

Zum Schluss gab Kreisobmann Rückert bekannt, dass die folgenden Siebenertagungen 2016 in Oberschwarzach und 2017 in Dingolshausen stattfänden.

Karl-Heinz Körblein

 

Zu den News