Der „Stern“ gehört nun Immobilienhändlern

29.04.2016

Mainpost 29.04.2016

UNTERSPIESHEIM/SCHWEINFURT

 

Der „Stern“ gehört nun Immobilienhändlern

Jahrelang war das Wirtshaus „Zum Stern“ in Unterspiesheims Dorfmitte in einen Dornröschenschlaf versunken und verfiel immer mehr. Am Donnerstag schließlich war das Anwesen in der Hauptstraße 29 innerhalb einer knappen Stunde unter dem Hammer.

Aber es kam anders, als sich die meisten wohl gedacht hatten. Dass im Gegensatz zur ersten Zwangsversteigerung diesmal Interessenten aus der Region vorhanden waren, war bekannt. Wie aus heiterem Himmel trat dann jedoch eine Bieterin der Immobilienfirma Aventura GmbH aus Hameln auf den Plan am Amtsgericht Schweinfurt und ersteigerte das Objekt für 28 000 Euro. Sie bot damit am Ende mehr als zwei Mitbieter aus der lokalen Ebene.

Die Firma aus Niedersachsen ist auf den Handel mit Immobilien und die Verwaltung von Immobilien aller Art fokussiert. Sie hat die Unterspiesheimer Liegenschaft wohl als Schnäppchen erkannt. Es dürfte nicht allzu spekulativ sein, zu prophezeien, dass die Aventura selbst nichts aus dem Grundstück machen wird, sondern es gegen Gewinn weiterverkaufen wird. Das erwartet auch Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert, der dem Verfahren beiwohnte.
Die 1950 Quadratmeter große Immobilie, auf der sogar noch ein Schäfereirecht liegt, war seit den 70er Jahren bis fast in die Gegenwart hinein mit mehreren Grundschulden bei der VR-Bank Gerolzhofen belastet. Die Bank hatte auch diese zweite Zwangsversteigerung beantragt. Entscheidend für den Versteigerungsvorgang war die Aussage von Direktor Hubert Zinkl, sein Haus erwarte einen Versteigerungserlös von mindestens 20 000 Euro. Insofern hatte die Bank die Hand auf dem Verfahren. Da diese Summe deutlich überboten worden ist, wird der Eigentumsübergang an Aventura zustande kommen.
Als Verkehrswert und damit als geringstes Gebot legte die das Versteigerungsverfahren leitende Rechtspflegerin den Betrag von 1649,52 Euro fest, der den Kosten des Verfahrens entspricht.
Ein Vorteil ist, dass die Immobilie zur lastenfreien Versteigerung stand, denn die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) verzichtet auf ihr bisheriges Recht auf eine Trafo-Station auf dem Gelände.
Das Verfahren verlief durchaus spannend. Zunächst war niemand bereit, das erste Gebot anzusagen. Nach dem Gesetz darf zwischen der Aufforderung, ein Gebot abzugeben und dem ersten Gebot eine halbe Stunde vergehen. Erst dann kann die Verfahrensleitung die Sitzung beenden. So saßen die späteren Bieter erst einmal mit Zocker-Mine da und die Rechtspflegerin nutzte die Zeit, einer anwesenden Schulklasse die Hintergrunde eines Zwangsversteigerungsverfahrens zu erklären und beantwortete auch Fragen.

Das erste Gebot lautete dann auf 2000 Euro. Die von der Bank geforderte Summe war erst nach etlichen Stationen erreicht, bis dann der Zuschlag bei 28 000 Euro erfolgte.
Im Vorfeld hatte der Bürgermeister von drei Anfragen berichtet, die sich auf das Grundstück und die Bebauungsmöglichkeiten bezogen. Nur zwei der Fragesteller waren zum Termin erschienen, mit Aventura hatte niemand gerechnet.
Wie berichtet, kam der „Stern“ unter denn Hammer, weil sein Besitzer Alfons Kuhn im Ausland verstorben war und niemand das belastete Erbe antreten wollte. Weil der Eigentümer im Ausland verstorben war, musste der Bund und nicht das Land (wie bei einem Ableben im Inland) die Liegenschaft übernehmen.
Grundsätzlich kommt es zu einer Zwangsversteigerung auf Antrag eines Gläubigers (zum Beispiel einer Bank oder Sparkasse), wenn der Eigentümer eine Schuld nicht mehr zurückzahlen kann.

 

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