Deutschunterricht für Flüchtlinge im Rathaus

02.06.2016

Mainpost, 02.06.2016

 

KOLITZHEIM

Deutschunterricht für Flüchtlinge im Rathaus

„Sprache öffnet Türen“, diesem Slogan haben sich zahlreiche Ehrenamtliche unter der Federführung von Ingrid Holzheid aus Kolitzheim verschrieben.

Vier Flüchtlingsfamilien sind seit Anfang des Jahres in der Gemeinde Kolitzheim untergebracht. Zentraler Ansatzpunkt zur Integration dieser Menschen war seit der ersten Stunde das Erlernen und Erweitern der deutschen Sprache. Bürgermeister Horst Herbert hatte die Ukrainer und Syrer bei ihrer Ankunft in Kolitzheim und Lindach begrüßt und festgestellt, dass Deutschkenntnisse lediglich bei einer Person vorhanden waren. Selbst Englisch beherrschten die Flüchtlinge nur bruchstückhaft.

Helferkreis gegründet

Innerhalb kürzester Zeit kümmerte sich ein Helferkreis um die Neuankömmlinge in der Gemeinde. Er organisierte Lehrkräfte und stellte auf ehrenamtlicher Basis einen Deutschkurs auf die Beine. Seit Ende Januar wird an vier Tagen die Woche, je eineinhalb Stunden am Nachmittag, gepaukt. Im Wechsel waren immer vier Lehrkräfte im Einsatz: Andrea Heimerl, Marina von Halem, Viktor Metzner und Franziska Eisenmann. Letztere wurde durch ihre studienbedingte Abwesenheit seit Ostern durch Petra Murr ersetzt. Ebenso unterstützte Hannah Kiesel die Lehrkräfte.

 „In den Kursen geht es vor allem darum, Grundzüge der deutschen Sprache so beizubringen, dass sich die Asylbewerber in alltäglichen Situationen zurechtfinden“, berichtet Andrea Heimerl. Inhaltlich wird je Lerneinheit ein bestimmtes Themengebiet wie Uhrzeit, Lebensmittel und Wegbeschreibungen, behandelt. In diesem Zusammenhang werden gleich praktische Situationen nachgestellt: Der tägliche Einkauf beim Bäcker sowie der Besuch beim Arzt oder in der Apotheke. Wichtige Begriffe werden dazu notiert, Texte gelesen und leichte Dialoge von den Schülern selbst formuliert. Aus sechs bis acht Personen besteht die Gruppe, sodass die Lehrkräfte individuell auf Einzelne eingehen können.

Auf der Suche nach einer Räumlichkeit für den Unterricht kam Bürgermeister Herbert den Initiatoren des Sprachkurses zur Hilfe. Das Gemeindeoberhaupt habe nicht gezögert und bereitwillig den kleinen Sitzungssaal im Kolitzheimer Rathaus zur Verfügung gestellt, betonte Ingrid Holzheid. In der ersten Zeit betreuten ehrenamtliche Helfer sogar die Kinder der Flüchtlingsfamilien, damit die Eltern am Deutschunterricht teilnehmen konnten. Denn die Suche nach einem Kindergartenplatz gestaltete sich recht schwierig. Das Kolitzheimer Montessori-Kinderhaus hatte längst die Obergrenze an Kindern erreicht, sodass hier die ukrainischen und syrischen Kinder nicht aufgenommen werden konnten. Schließlich fand sich aber in den Kindergärten in Oberspiesheim beziehungsweise Lindach Platz. Die Schulkinder besuchen die Grundschule in Stammheim beziehungsweise Herlheim. Die Eltern nehmen inzwischen auch an einer Maßnahme der Arbeitsagentur teil, die den Flüchtlingen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt verschaffen soll.

Besonders erfreut waren die Verantwortlichen über einen Zuschuss der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen Agenturen / Freiwilligen Zentren / Koordinierungszentren Bürgerschaftlichen Engagements (kurz: lagfa bayern e.V.) in Höhe von 500 Euro. Das Geld verwendeten die Leiter der Deutschkurse zur Anschaffung von Unterrichtsmaterialien und Büchern für die Asylbewerber.

Erste Erfolge

Insbesondere durch ihre ständige Teilnahme am Deutschunterricht aber auch durch ihre freundliche und umgängliche Art bringen die Flüchtlinge ihren Dank und ihre Wertschätzung den aktiven Helfern gegenüber zum Ausdruck, ist zu hören. Und der Unterricht trägt Früchte: Viele der Asylbewerber besuchen die dörflichen Feste und Veranstaltungen und sind teilweise auch in den Sportvereinen aktiv. Zwei Männer sind sogar im Rahmen einer gemeinnützigen Arbeit halbtags im Bauhof der Gemeinde Kolitzheim beschäftigt. Dort packen sie kräftig mit an, aber immer nur vormittags. Denn am Nachmittag steht wieder Deutschunterricht auf dem Stundenplan.

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