Die Amis kehren zurück: im Militärmuseum Stammheim

04.03.2015

Mainpost, 04.03.2015

 

STAMMHEIM
Die Amis kehren zurück: im Militärmuseum Stammheim

Militärmuseum Stammheim: Der Museumsfrühling steht ganz im Zeichen des Kriegsendes vor 70 Jahren.

Lauscht man Museumsleiter Günter Weißenseel und seinen engsten Mitarbeitern während der Mittagspause im Museumsgasthof „Zur Schmiede“, stellt man schnell fest: Noch bevor der traditionelle Museumsfrühling in Stammheim über die Bühne gegangen ist, macht man sich schon Gedanken über den nächsten.

Doch steht jetzt erst einmal der Museumsfrühling 2015 an. Unter dem Motto „Die Amis kumma“ wird am Wochenende 28./29. März an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren und den Einmarsch der Amerikaner erinnert.

Das durch seine spektakulären Live-Vorführungen bekannte zweitägige Fest eröffnet alljährlich die Saison in Deutschlands größtem privaten Museum für Militär- und Zeitgeschichte an der Mainschleife. Dabei ist es Tradition, dass Museumsleiter Günter Weißenseel und seine Museums-Mannschaft ein großes, zeitgeschichtliches Ereignis aufgreifen und mit viel Mühe über mehrere Wochen hinweg aufarbeiten, um es in den Museumshallen und dem Freigelände lebendig darzustellen. Im Mittelpunkt stehen jeweils die große Sonderausstellung und ein buntes Rahmenprogramm.

Besiegt oder befreit?

„Die Amis kumma!“ – Diese Nachricht ging vor 70 Jahren Anfang April wie ein Lauffeuer durchs Land zwischen Main und Steigerwald. Das Kriegsende war nahe. Die US-Truppen nahmen auf ihrem Vormarsch eine Ortschaft nach der anderen ein.

Mit einer großen Sonderausstellung erinnert das Museum an das schreckliche Leid und die Zerstörungen, die dieser Krieg über die Menschen brachte. Sie ist mit der Frage „Besiegt oder befreit?“ überschrieben und soll den Zwiespalt im deutschen Volk dokumentieren.

Auf der einen Seite standen jene, die noch an den Endsieg und die Kraft von Wunderwaffen oder den zumeist aus alten Männern gebildeten Volkssturm glaubten, auf der anderen Seite diejenigen, die die Nase vom Krieg und den Nationalsozialisten gestrichen voll hatten und kriegsmüde geworden waren.

In der oberen Etage der großen Museumshalle wird in Form der in vielen Vitrinen ausgestellten Original-Gegenstände, Dokumente und Bilder der damaligen Zeit auf diesen Krieg eingegangen.

Dabei wird auf die ersten schweren Bombenangriffe auf Schweinfurt ab 1943 und den folgenden Luftkrieg gegen deutsche Städte genauso zurückgeblendet wie auf das Schicksal der nach Deutschland verschleppten Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen, die Bodenkämpfe ab 1945, den letzten deutschen Widerstand, die anschließende Zeit unter der US-Besatzungsmacht sowie Flucht und Vertreibung.

Ein großes Landschaftsmodell vermittelt zum Beispiel einen bildhaften Eindruck vom Vorrücken der US-Einheiten und ihrer Übermacht. Zusätzlich zu der Dokumentation mit dem umfangreichen Informations- und Anschauungsmaterial wird das Kriegsende mit der Vorführung von Original-Filmmaterial vom Einmarsch der Amerikaner in Unterfranken beleuchtet.

Als besondere Attraktion im Außengelände wird eine Original-Holzbaracke des Reichsarbeitsdienstes (RAD) zu bestaunen sein. Sie soll am Ende als Feldlazarett in Ochsenfurt gedient haben. Teile davon fanden nach dem Krieg Verwendung beim Bau eines Schweinestalls in Marktbreit, der Rest war eingelagert worden. Günter Weißenseel ist in diesem Zusammenhang für alle weiteren Hinweise dankbar.

Höhepunkt des Museumsfrühlings wird aber auch diesmal wieder die Live-Vorführung sein, wenn in lebendiger Darstellung mit originalen Panzern und Fahrzeugen der Einmarsch der Amerikaner in Stammheim nachvollzogen wird. Nachdem der Konvoi vom südlichen Dorfeingang durch die Hauptstraße gezogen ist, wird am Schluss das Museumsgelände besetzt.

Die Böllerkanone „Long Tom“

Hierzu wird auch exemplarisch der letzte Widerstand durch Volkssturm und die Errichtung von Panzersperren inszeniert, obwohl er so in Stammheim selbst nicht stattgefunden hat. Auf der Museumswiese ist ein großes US-Camp angesagt. Für das Riesenspektakel haben sich über 100 Darsteller aus ganz Deutschland und der Schweiz angemeldet.

Kostenlose Schulspeisungen für Kinder durch die museumseigenen Rot-Kreuz-Schwestern am Samstag und Sonntag erinnern an die schlechte Ernährungs- und Versorgungslage in jenen Kriegsjahren.

Weitere Vorführungen, darunter die der weltgrößten Böllerkanone „Long Tom", beleben das umfangreiche Rahmenprogramm, aus dem der Tanzabend mit American GIs und German Frauleins am Samstagabend bei freiem Eintritt heraussticht. In die Zeit passende Kleidung ist erwünscht, aber kein Muss.

Die Schirmherrschaft über den Museumsfrühling hat diesmal der CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (Goldkronach) übernommen. Er ist seit 8. Januar 2014 Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

Museumsfrühling 2015

Das Programm im Überblick:

Samstag, 28. März: 10 Uhr Eröffnungsveranstaltung und Festakt; 12.30 Uhr Eröffnung der Sonderausstellung; 13.30 Uhr Einmarsch der Amerikaner; 19 Uhr Tanzabend mit American Gls und German Frauleins (der Eintritt ist frei).

Sonntag, 29. März: 10 Uhr Weißwurstfrühstück und Frühschoppen; 13.30 Uhr Einmarsch der Amerikaner; 17 Uhr großer Rückmarsch.

An beiden Tagen: Sonderausstellung, US-Camp auf der Museumswiese, Panzerfahren, Fahrzeugvorführungen, Essen aus Feldküche und Feldbäckerei, kostenlose Schulspeisung, Film- und Modell-Vorführungen.

Kontakt: Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim bei Volkach, Tel. (0 93 81) 92 55, E-Mail-Adresse:

info@museum-stammheim.de

Zeitzeugen gesucht

Im Vorgriff auf den großen Museumsfrühling im Museum für Militär- und Zeitgeschichte am 28. und 29. März findet am Samstag, 7. März, um 15 Uhr im Museumsgasthof „Zur Schmiede“ in Stammheim ein Nachmittag statt, zu dem alle interessierten Zeitzeugen zu Kaffee und Kuchen eingeladen sind. Man sei sehr auf ihre Schilderungen und Erlebnisse aus der damaligen Kriegszeit aus der Gegend gespannt, betont Museumsleiter Günter Weißenseel. Auch wer Bilder aus dieser Zeit besitze, soll diese mitbringen.

Die Zeit dränge angesichts immer weniger noch lebender Zeitzeugen, so Günter Weißenseel. Gerade beim Einmarsch der Amerikaner sei es auch im hiesigen Bereich zu Erschießungen und Vergewaltigungen gekommen, was zeige, dass jeder Krieg grausam sei. Daran gelte es zu erinnern.

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