Die "religiöse Olympiamedaille" errungen

12.09.2015

Mainpost, 12.09.2015

 

HERLHEIM

Die „religiöse Olympiamedaille“ errungen

Unvergessen bleiben wird für Fred Krauß und seine Söhne Steffen und Sven der August 2015: 17 Tag lang waren sie an heißen Sommertagen mit ihren Fahrrädern zu einer Wallfahrt nach Rom unterwegs und bewältigten dabei im Schnitt täglich 70 bis 120 Kilometer. Damit hatten sie am Ende ihre persönliche „religiöse Olympiamedaille“, das Testimonium, errungen.

Mit 90 Kilogramm Gepäck auf ihren Rädern und einem Fahrradanhänger verteilt machten sich die drei Herlheimer um die Mittagszeit des 1. Augusts auf ins Abenteuer. Nach der ersten Übernachtung in Rothenburg ob der Tauber ging es weiter über Nördlingen und Augsburg.

Viele schöne Landschaften durchquerten Sven, Steffen und Fred Krauß auf ihrer Rad-Wallfahrt nach Rom, so wie auf dem ...

Am vierten Tag erreichten sie das Kloster Ettal, wo sie übernachten durften. Deutschland verließen die Radpilger am Folgetag und reisten in Österreich ein. In einer Jugendherberge in Innsbruck mussten sie dann wegen eines Felgenbruches an Freds Rad und der nötigen Reparatur eine Zwangspause von zwei Tagen einlegen.

Ausgeruht und voller Energie konnten der 49-jährige Vater und seine 15- und 16-jährigen Söhne dann über die alte Brenner-Bundesstraße den Brennerpass in Angriff nehmen.

 „Ihr spinnt doch!“, riefen ihnen zu Beginn ihrer Bergfahrt entgegenkommende Rennradfahrer zu. Trotzdem schafften sie ohne große Probleme die 44 Kilometer in fünf Stunden und waren damit in Italien angekommen.

Nun ging es bergab nach Brixen, Trento, an den Gardasee und schließlich an Bologna vorbei. Als die härteste Strecke bezeichnet Steffen die Etappe zwischen Bologna und Florenz. In zwei Tagen hatten sie bei Temperaturen um die 40 Grad mehrere Pässe, teilweise mehr als 900 Meter hoch, zu bewältigten. Am Abend waren sie dann völlig erschöpft und am zweiten Tag brauchten sie zur Regeneration einen Mittagschlaf.

Weiter ging es dann über Siena und andere schöne, kleine Städte nach Rom, wo sie nach der Bewältigung von 1521 Kilometern am Abend des 17. Augusts ankamen. Ein richtiges Gänsehautgefühl habe er bekommen, als sie dann auf dem Petersplatz standen, berichtet Fred.

Nicht nur Pilger-, sondern auch Abenteuerreise war das Unternehmen. Denn, bis aufs Kleinste hatten die Herlheimer die Strecke nicht geplant und vorher auch keine Unterkunft gebucht. So wussten sie oft abends um 18 Uhr noch nicht, wo sie übernachten würden, erzählt Fred.

Unterwegs auf ihrer Rad-Wallfahrt nach Rom legten Sven, Fred und Steffen Krauß auch Stopps an Kirchen ein, so wie im ...

Meist fand sich dann eine Jugendherberge oder ein Gasthaus, so dass sie, drei Abende ausgenommen, nach der Tagesanstrengung nicht auch noch ihr Zelt aufbauen mussten. Zwei Mal wurden sie auch in Klöstern, in Ettal und dem Benediktinerkloster in Brixen willkommen geheißen und aufs Beste bewirtet. Wie auch bei weiteren Gelegenheiten sei hier das umgehängte Pilgerkreuz der Generalschlüssel gewesen der so manches Tor öffnete, so Fred.

Manche wunderschöne Begegnungen mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen hatten sie sicherlich ebenfalls dem Kreuz zu verdanken. Als netten unbekannten Engel bezeichnen sie beispielsweise einen Österreicher, der nach Freds Felgenbruch unentgeltlich viele Kilometer mit und für sie zurücklegte, bis sie letztendlich in der Jugendherberge in Innsbruck eine Unterkunft fanden. So manches Mal wurden ihnen auch Getränke oder andere Hilfeleistungen und Gefälligkeiten angeboten.

Bis zum Gardasee bezeichnet Steffen die Fahrradwege als Traum. Danach wurde es allerdings schwieriger. Den Radpilgern blieb oft nur der schmale Streifen auf einer ganz normalen, oft mehrspurigen Straße den die linke Begrenzungsmarkierung und das Ende der Teerschicht bildeten. Die anderen Verkehrsteilnehmer nahmen hier keine große Rücksicht auf die Zweiradfahrer.

Die Idee der Pilgerfahrt war in der Familie Krauß über mehrere Jahre gereift. Der Beginn war der Kauf von Fahrrädern nach der Kommunion der Söhne. Diese versprachen ihrem Vater, regelmäßig mit ihm auf Tour zu gehen. Mit den Jahren wurden die Strecken immer länger. Bei ihrer Fahrt nach Ostfriesland im vergangenen Jahr bestritten die Herlheimer schließlich 900 Kilometer. In diesem Jahr sollte dann also die 1000er-Marke geknackt werden.

Da die drei Radfahrer auch in jedem Jahr an der Radwallfahrt der Gernacher Gläubigen nach Vierzehnheiligen teilnehmen, war die logische Konsequenz nun Rom.

Als Grundlage für die Anerkennung als Pilgerreise benötigten die Herlheimer einen Pilgerpass, in dem die Tagesetappen bestätigt werden. Diesen, mit dem ersten Stempel versehen, erhielten sie von der Sankt-Jakobus-Bruderschaft aus Trier.

Zu Beginn der großen Reise segnete Pfarrer Andres Engert die Wallfahrer und versah das Dokument mit dem zweiten Stempel, dem dann täglich ein weiterer folgte. Dank dieses Passes wurden Fred, Steffen und Sven Krauß dann in Rom mit dem Testimonium, der Pilgerurkunde, als wahre Pilger bestätigt Höhepunkt der Reise war für die drei Herlheimer die Papst-Audienz bei der der Heilige Vater die Gläubigen in den unterschiedlichsten Sprachen begrüßte sowie der anschließende Gottesdienst. Ein ganz besonderes Erlebnis war auch die Beichte im prächtigen Petersdom, so Fred.

Unvergessen werden für die Radpilger auch die wunderschönen Landschaften bleiben, die sie während ihrer 17-tägigen Reise durchquerten. Dabei genoss besonders Sven den Anblick der Berge, Hügel und Seen. Viel reizvoller als die großen Städte fanden sie auch die zahlreichen kleinen Orte, die sie passierten. Für ein kurzes Gebet legten die Radfahrer auch an so mancher Kirche oder einem Wegkreuz einen Stopp ein.

Viele schöne Landschaften durchquerten Sven, Steffen und Fred Krauß auf ihrer Rad-Wallfahrt nach Rom, so wie auf dem ...

Als recht schwierig gestaltete sich letztendlich die Heimreise der Pilger. Die Mitarbeiter der italienischen Zuggesellschaft waren sich uneinig über die Mitnahme der Fahrräder. Nach fünf Stunden am Bahnhof in Rom – mit Fragen, Erkundigungen und Suchen – war die Fahrt dann bis Bologna möglich. Hier holte sie Ehefrau und Mutter Edel Krauß mit ihrem Auto mitten in der Nacht am Bahnhof ab.

Nach weiteren 13 Stunden trafen sie dann nach 20 Tagen wieder zu Hause ein. „Das Schönste war nicht die Ankunft in Rom, sondern wieder daheim zu sein, ohne jeden Morgen geweckt zu werden und seine Fahrradtaschen richten zu müssen“, lautet das Resümee von Steffen nach der abenteuerlichen Reise.

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