Die verkannten Kraftpakete

08.09.2007

Mainpost 8.9.2007

 

KOLITZHEIM

Die verkannten Kraftpakete

 

„Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ – wer kennt ihn nicht, diesen bekannten Satz aus dem Grimm'schen Märchen vom Aschenputtel. Doch nicht nur in Aschenputtel, auch in anderen Märchen spielen Erbsen, Bohnen, Linsen und Co. eine Rolle. Und so dürfen die Hülsenfrüchte beim Höhepunkt des Kolitzheimer Dorffestes, dem Bauernmarkt am Sonntag unter dem Motto „Es war einmal“, natürlich nicht fehlen.

Klein, aber oho. So könne man die Hülsenfrüchte zurecht beschreiben, meint die Mitorganisatorin des Bauernmarktes, Christine Bender. Denn Erbsen, Linsen und Bohnen machen nicht nur satt, sie sind auch ausgesprochen gesund. „Hülsenfrüchte“, so Bender, „sind gesunde Kraftpakete.“ Mit rund 20 Prozent hochwertigem Eiweiß zählen sie zu den eiweißreichsten pflanzlichen Lebensmitteln.

Die Qualität des Eiweißes lässt sich noch erhöhen, wenn die Hülsenfrüchte mit Getreide, Milch oder Eiern kombiniert werden. Zudem liefen Hülsenfrüchte zahlreiche Vitamine – besonders B1, B2 und A – sowie Mineralstoffe wie Eisen und Calcium. Da sie wenig Fett, dafür aber viele Ballaststoffe enthalten, bringen sie auch den Darm in Schwung.

Dennoch werden die Qualitäten der Hülsenfrüchte in der deutschen Küche oft verkannt. Sie sind weitgehend in Vergessenheit geraten – sehr zum Bedauern von Christine Bender. Linseneintopf und Erbsenbrei brächten viele eher mit Arme-Leute-Essen in Verbindung als mit einem kulinarischen Geschmackserlebnis. Aus Hülsenfrüchten lassen sich jedoch viele raffinierte und exotische Gerichte zubereiten. Ob in der mexikanischen oder indischen Küche, ob im Orient oder in Griechenland – die Hülsenfrüchte haben dort Tradition und liegen, schmackhaft zubereitet, ganz im Trend.

Bohnen, Erbsen und Linsen sind die reifen, getrockneten Samen aus den Hülsen von Schmetterlingsblütlern, auch Leguminosen genannt. Sie zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Ihr Ursprung liegt in den Ländern des mittleren Ostens, in Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien und China. Durch ihren hohen Proteingehalt gehören sie in vielen Ländern der so genannten „Dritten Welt“ zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. In den westlichen Industrieländern ging der Verbrauch jedoch mit zunehmendem Wohlstand immer weiter zurück.

Ein Grund, weshalb manch einer die Hülsenfrüchte meidet, ist laut Bender deren Eigenschaft, Blähungen hervorzurufen. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen.“ Der Grund dafür, so erklärt Christine Bender, ist deren hoher Anteil an unverdaulichen Kohlenhydraten. Diese werden im Dickdarm von Bakterien abgebaut, und dadurch entstehen Gase.

Doch gelte als Faustregel: Je kleiner die Hülsenfrüchte, desto geringer die hervorgerufenen Blähungen. Geschält sind sie zudem leichter verdaulich. Durch ausreichendes Einweichen und gutes Weichkochen werden sie bekömmlicher, und die Verwendung von Kräutern und Gewürzen wie Kümmel, Ingwer, Fenchel, Rosmarin und Thymian hilft ebenso bei der Verdauung.

Eine Besonderheit aus Schwaben, so Christine Bender, sei die Monstranzbohne. Ordensschwestern haben diese zufällig entdeckt, als sie aus Angst vor den anrückenden Schweden die Monstranz und die Kirchenschätze des Klosters Kühbach vergraben haben. Die Zeichnung auf diesen Bohnen hat in der Tat Ähnlichkeit mit einer Monstranz, daher werden die Bohnen von vielen Katholiken zu Rosenkränzen verarbeitet, erzählt Bender.

Neben den Märchen bestimmen also am Sonntag die Hülsenfrüchte das Bild beim großen Bauernmarkt. Alle Kolitzheimer haben in ihren Gärten Stangenbohnen angebaut, insgesamt zwölf verschiedene Sorten. Derzeit blühen die Feuerbohnen, die Ernte läuft. Natürlich besteht beim Dorfmarkt auch die Gelegenheit, sich selbst vom guten Geschmack und der kulinarischen Vielseitigkeit von Erbsen, Linsen und Bohnen ein Bild zu machen. So bereichern etwa verschiedene Brotaufstriche aus Hülsenfrüchten, „Gebrüder Grimms bunter Bohnenkernsalat“ oder „Cinderellas Linseneintopf“ die Speisekarte.

Der „Märchenhafte Bauernmarkt“ beginnt am Sonntag um 10 Uhr. Direktvermarkter und Kunsthandwerker bieten ihre Waren feil. Im „Museum auf dem Bauernhof“ der Familie Pfaff zeigt unter anderem Peter Spengler seine Mühlensammlung. Für Kinder gibt es einen Streichelzoo bei Familie Günther, eine Strohhüpfburg und Stockbrot backen im Pfarrgarten. Brigitte Klinkel erzählt Märchen.

Im Künstlerhof „ARTenreich“ stellen Jan Petersen, Franz Frindt, Thomas Stahl, Annette Memmel und Irma Stahl ihre Werke aus. Dietmar Amrhein zeigt fotografische Impressionen und Diavorträge aus den Kolitzheimer Partnergemeinden Saint Remy du Val und Neufchatel. Agnes Ress präsentiert ihre Sammlung von etwa 40 Pop-Up-Märchenbüchern.

Ab 11 Uhr wird im Festzelt Fränkisches Hochzeitsessen zum Mittagstisch gereicht. Die Kinder- und Erwachsenentanzgruppe zeigt, begleitet von der Fränkischen Musik Kolitzheim, auf der kleinen Showbühne fränkische Rundtänze. Nach Ende des Marktes herrscht ab 18 Uhr im Zelt Festbetrieb mit der Musikkapelle Gernach.

Am Montag ab 18 Uhr klingt das Dorffest beim Kesselfleischessen zu den Klängen des Musikvereins Kolitzheim aus. Und wer heute bereits in den Dorfmarkt hinein feiern will, kann dies ab 20 Uhr tun. Dann ist, bei freiem Eintritt, zum großen Musik- und Tanzabend mit Moderator Jens Hübner von „Radio PrimaTon“ eingeladen.

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