Die Zwetschgenernte lässt sich gut an

14.08.2006

Mainpost 9.8.2006

 

Die Zwetschgenernte lässt sich gut an

 

STAMMHEIM Viele Früchte hängen an den Bäumen, aber dort, wo es in den letzten Wochen kaum regnete oder wo nicht bewässert wurde, fallen sie nur so groß aus, dass sie knapp oder nicht für die höchste Qualitätsstufe ausreichen. Das ist die erste Bilanz der diesjährigen Zwetschgenernte, die Anfang Juli mit der Ernte von Pflaumen und Frühzwetschgen-Sorten begann und die dank altbewährter Sorten und Neuzüchtungen bis weit in den September hinein dauert.

 

Manfred Greubel ist einer von noch etwa 30 Obstbauern in Stammheim. Mit seiner Frau Gerda sowie mit Unterstützung des 20-jährigen Berufsschülers Dominik Götz (Stammheim) und der 15-jährigen Enkelin Vanessa Habenstein (Karbach/Lkr. Main-Spessart) als Ferienarbeiter pflückt er auf einem großen Feld am Maintal-Hang zwischen Stammheim und Öttershausen Frühzwetschgen der Sorte Katinka. Es ist bereits die dritte Sorte, die die Greubels ernten. In den nächsten beiden Wochen geht es mit den mittelfrühen Sorten Ersinger und Bühler weiter. Crudimer, von denen die Greubels viele haben, sind Ende August oder Anfang September an der Reihe, bevor Anfang Oktober die spät reifenden Sorten - die bekannteste ist die Fränkische Hauszwetschge - den Abschluss bilden.

Ausreichend für A-Ware

Vor gut drei Wochen begann die Zwetschgenernte bei den Greubels mit den Sorten Ruth-Gerstetter und Hermann. Außergewöhnlich viele Früchte hingen an den Ästen, die Qualität war trotz der Trockenheit gut. Die meisten Früchte erreichten einen Durchmesser von 30 bis 32 Millimeter, noch genug für die Handelsklasse A. Im vorigen Jahr war die Qualität ein wenig besser bei geringerer Menge. "2004 gab es so viele Zwetschgen, dass man sie fast nicht mehr losbrachte", sagt Manfred Greubel. Im Trockenjahr 2003 fiel die Ernte ganz schlecht aus.

Dass die in dieser Saison geernteten Frühzwetschen trotz des starken Behangs relativ groß sind, führt Manfred Greubel darauf zurück, dass es im Frühjahr viel regnete. Und er bewässerte seine Bäume mit einem Tankfass Wasser, das er auf den Acker fuhr.

Zusammen mit seinem Sohn Stefan, Nebenerwerbswinzer und Besitzer von etwa 500 Obstbäumen, besitzt Manfred Greubel eine Beregnungsanlage. Die beiden verzichteten aber darauf, sie aufzubauen. Der Einsatz der Anlage würde viel Arbeit machen. Bis zum Acker müsste eine Rohrleitung von über einem Kilometer Länge verlegt werden. Dazu käme eine Gebühr für die Wasser-Entnahme aus dem Main und die derzeit nicht gerade billigen Treibstoffkosten für das Pumpen. Der Aufwand würde sich nicht lohnten, meint der 64-jährige Nebenerwerbs-Winzer und Obstbauer, der selbst etwa einen halben Hektar Rebfläche und rund 300 Obstbäume - fast ausschließlich Zwetschgen und Mirabellen - besitzt. Zusammen mit seiner Frau Gerda und den beiden Ferienarbeitern Dominik Götz und Vanessa Habenstein hilft er auch tüchtig bei der Ernte der Obstäcker des Sohnes. Wenn es in den nächsten Tagen und Wochen genug regnet, erledigt sich das Thema von selbst.

"Beregnen kostet viel Geld. Man muss genau rechnen, ob sich das lohnt", sagt Manfred Greubel. Und zum Rechnen fehlt ihm ein wichtiger Bezugswert: Der Preis, den die Ware bringt. Greubel liefert seit einigen Jahren sein Obst an den Schwarzacher Obsthändler Albin Filbig. Was er für das Obst bekommt, weiß er erst, wenn im Oktober/November abgerechnet wird. "Die Bäume hängen sehr voll. Da muss man mit niedrigen Preisen rechnen", meint Gerda Greubel. Mit dem Obstbau sei schon seit Jahren "kaum etwas zu verdienen, denn zu viel Obst kommt aus dem Ausland herein", sagt ihr Mann.

Preise noch in Ordnung

Obsthändler Albin Filbig sagt zur bisherigen Pflaumen- und Zwetschgenernte, die Qualität sei dort, wo bewässert wurde und die Bäume auf schweren Böden wachsen, gut. "Auch die Preise gehen noch". Etwa 90 Prozent der Frühzwetschgen werden als Frischobst verkauft, der Rest, die kleineren Früchte, für industrielle Weiterverarbeitung. Wenn es in den nächsten Tagen und Wochen aber genügend regnet - 30 bis 40 Millimeter - sieht Filbig bei den Preisen schwarz. Denn wenn die Früchte dann größer werden, nimmt auch die gesamte Handelsmenge erheblich zu und das drückt den Preis, zumal auch in den anderen großen Anbaugebieten große Erntemengen zu erwarten seien.

Der Bereich der Mainschleife, zu dem Stammheim zählt, ist eines der großen Zwetschgen-Anbaugebiete Deutschlands, in Bayern das größte. Laut Thomas Riehl, Fachberater für Obstbau am Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen und zuständig für Unterfranken und Oberfranken (außer Lkr. Forchheim), wachsen rund 60 Prozent aller bayerischen Zwetschgen im Raum Volkach. In Unterfranken gibt es noch etwa 380 Hektar Zwetschgen-Anbaufläche. Zehn bis 15 Prozent entfallen auf die Frühzwetschgen.

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