Edgar Kleinhenz: der Herr der Zeit

28.03.2020

Mainpost 28.03.2020

Herlheim

Edgar Kleinhenz: der Herr der Zeit

In der Nacht auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Hoch oben im Kirchturm der Herlheimer Kirche geschieht dies noch aufwändig per Hand.

Trotz der Corona-Pandemie gibt es auch noch ein Stück Normalität. So werden an diesem Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Uhren um eine Stunde vorgestellt und es beginnt die Sommerzeit. Dies geht nicht immer automatisch. Viele kleine und größere mechanische Uhren müssen jetzt per Hand umgestellt werden.

So auch die Kirchturmuhr in Herlheim. Hier steigt Edgar Kleinhenz an diesem Samstag gegen 18 Uhr die 80 Treppenstufen des Kirchturms, auch "Dicker Michel" genannt, hoch bis zum Standort des großen Uhrwerks. Nach Beendigung des Läutens zum Abendgebet beginnt er dann mit der Umstellung der mehr als 100 Jahre alten Maschinerie. Dabei ist es aber nicht damit getan, einfach einen Hebel umzulegen. Der Uhr- und Glockenwart löst zunächst ein Zahnrad, stellt das Uhrwerk eine Stunde vor und befestigt das Zahnrad wieder. Die nun ruhende Uhr setzt er dann, zur nächsten vollen Stunde, also Punkt 19 Uhr, durch das Anschieben des großen Pendels wieder in Bewegung.

Zeitschaltuhr wird geändert

Etwas einfacher ist übrigens im Herbst die Rückstellung. Dann muss das Uhrwerk einfach angehalten und bei der nächsten vollen Stunde wieder angeworfen werden. Auch die Zeitschaltuhr für das Geläute, das sich direkt über dem großen Uhrwerkkasten befindet, muss Kleinhenz ändern. Im Sommerhalbjahr wird um 19 Uhr, im Winterhalbjahr um 18 Uhr zum Abendgebet gerufen. Die anderen Zeiten bleiben unverändert.

Vor mehr als 30 Jahren wurde Edgar Kleinhenz vom damaligen Herlheimer Gemeinderat und Zweiten Bürgermeister der Gemeinde Kolitzheim, Ferdinand Wächter, zum Uhr- und Glockenwart bestellt. Nicht ungern hat er diese Aufgabe übernommen. Denn bereits in seiner Kindheit vor zirka 60 Jahren hatte der 73-Jährige erste Einblicke in diese faszinierende Maschinerie erhalten. Eine Firma aus Ulm zerlegte das Uhrwerk damals bei einer Überholung in der Schmiedewerkstatt seines Vaters in seine Einzelteile und baute sie hier auch wieder zusammen, ehe sie an ihren neuen Standort im Kirchturm wieder aufgestellt wurde.     

In der Nacht auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Hoch oben im Kirchturm der Herlheimer Kirche geschieht dies noch aufwändig per Hand.

Trotz der Corona-Pandemie gibt es auch noch ein Stück Normalität. So werden an diesem Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Uhren um eine Stunde vorgestellt und es beginnt die Sommerzeit. Dies geht nicht immer automatisch. Viele kleine und größere mechanische Uhren müssen jetzt per Hand umgestellt werden.

So auch die Kirchturmuhr in Herlheim. Hier steigt Edgar Kleinhenz an diesem Samstag gegen 18 Uhr die 80 Treppenstufen des Kirchturms, auch "Dicker Michel" genannt, hoch bis zum Standort des großen Uhrwerks. Nach Beendigung des Läutens zum Abendgebet beginnt er dann mit der Umstellung der mehr als 100 Jahre alten Maschinerie. Dabei ist es aber nicht damit getan, einfach einen Hebel umzulegen. Der Uhr- und Glockenwart löst zunächst ein Zahnrad, stellt das Uhrwerk eine Stunde vor und befestigt das Zahnrad wieder. Die nun ruhende Uhr setzt er dann, zur nächsten vollen Stunde, also Punkt 19 Uhr, durch das Anschieben des großen Pendels wieder in Bewegung.

Motor zieht Gewichte

So war Kleinhenz, auch durch seine handwerklichen Fähigkeiten als gelernter Schmied, qualifiziert, diese Aufgabe zu übernehmen.  Seitdem hegt und pflegt er diese alte mechanische Maschine mit großer Leidenschaft. Er kennt nicht nur das Innenleben mit den vielen Zahnrädern bestens, sondern auch die weiteren Apparaturen, die für die Funktion von Uhr und Glocken notwendig sind. So zieht ein Motor die Gewichte, die das Uhrwerk antreiben, zweimal täglich hoch. Ein Gestänge führt zum Ziffernblatt an den Außenseiten des Turms und regelt die Bewegungen der großen Zeiger.

Dreimal im Monat nimmt der rüstige Rentner den Aufstieg in den Kirchturm auf sich, um diese Funktionen zu überprüfen. So berichtigt er beispielsweise über das große Pendel die Uhrzeit, wenn diese sich um einige Minuten verschoben hat. Auch weitere 17 Stufen höher schaut er auch bei den drei Glocken regelmäßig nach dem Rechten. Nachdem die große Glocke 1942 zu Einschmelzen für Kriegszwecke entfernt wurde, ersetzte sie die Gemeinde Herlheim im Jahre 1950, kann Kleinhenz hierzu berichten.

Stahlseile statt Drähte

Als Edgar Kleinhenz mit seiner Tätigkeit als Uhr- und Glockenwart begann, beschäftigte er sich zunächst ausgiebig mit der Funktion von Uhrwerk und den dazu gehörenden Einrichtungen und war so in der Lage so einiges zu optimieren. So reinigte und ölte er die Zahnräder und lernte die Maschinerie kennen. Weiter wechselte er dünne und leicht brechende Drähte gegen stabile Stahlseile aus. Auch für elektrische Beleuchtung im Turm sorgte er. Einmal im Jahr ist auch die Versorgung der Maschinerie mit Öl angesagt.

Dank der hervorragenden Pflege durch den Uhr- und Glockenwart können sich die Herlheimer beinahe immer darauf verlassen, dass ihre Kirchturmuhr funktioniert und die Glocken rechtzeitig läuten. Kommt es hier doch zu Problemen, wie vor einigen Jahren mal geschehen, dann ist klar: Der Edgar ist nicht da.

 
Zu den News