Eigenheimer auf heimatkundlicher Exkursion

15.01.2019

Mainpost 15.01.2019

Lindach

Eigenheimer auf heimatkundlicher Exkursion

Ziel der diesjährigen Winterwanderung des Eigenheimer – Vereins war das Kloster Heidenfeld. Trotz regnerischen Wetters begrüßte Vorsitzender Martin Schmitt etwa 70 Wanderer, die den sieben-Kilometer-langen Fußmarsch in die Nachbarortschaft auf sich nahmen. Bunt gemischt war das wandernde Publikum. Erfreulicherweise nahmen neben Erwachsenen aller Altersgruppen auch Kinder und Jugendliche recht zahlreich teil. Das Interesse an der Klosterführung durch Marianne Mann vom historischen Verein Heidenfeld war bei den Teilnehmern deutlich spürbar, was auch der Referentin sehr angenehm auffiel.

Zum Kloster Heidenfeld hatte das Dorf Lindach in der Vergangenheit vielfältige enge Beziehungen, die die Führerin den Wanderern kompetent, anschaulich und kurzweilig näher brachte. Beim Rundgang durch die Außen- und Innenanlagen des prächtigen Barockbaus staunten die Lindacher nicht schlecht über die imposante Anlage. Nach mehreren Zerstörungen der früheren Anlagen infolge von Kriegen und zwischenzeitlichen radikalen Umbaumaßnahmen durch neue weltliche Besitzer erhielt nun im Jahre 1723 der berühmte Würzburger Hofbaumeisters Balthasar Neumann den Auftrag, ein neues Konventgebäude zu bauen, das 1732 seine Vollendung erfuhr und das man heute noch bewundern kann.

Trotz räumlicher Nähe der beiden Nachbarorte Heidenfeld und Lindach nahm so mancher Lindacher Wanderer die verschiedenen Details des eindrucksvollen Sakralbaus erst jetzt so richtig wahr. In ihren Erklärungen ging die Führerin auf die wechselvolle Geschichte des Klosters ein, wobei sie immer wieder auf die augenfällig schön gestaltete Architektur des riesigen Gebäudekomplexes und dessen fein gestaltete bauliche Anlagen wie beispielsweise die freitragende Treppe verwies.

Ein Kloster für den Sohn erbaut

In den weiteren Ausführungen war zu hören, dass das Kloster „Mariahilf“ 1069 erstmals urkundliche Erwähnung fand. Zur Klostergründung kam es, weil die damalige Markgräfin Alberada ihren adeligen Grundbesitz in Heidenfeld dem Hochstift Würzburg, unter dem damaligen Fürstbischof Adalbero (1045 bis 1090), übereignete, mit der Maßgabe hier ein Kloster zu bauen. Der Grund dafür war das Gelübde der adeligen Dame, das sie angesichts des Unfalltods ihres zehnjährigen Sohnes Konrad ablegte, ein Kloster an der Stelle bauen zu lassen, wo die Leiche ihres Kindes gefunden würde. Dieses Vorhaben setzte sie in die Tat um.

Einen ähnlichen Verlauf nahm die Geschichte des katholischen Märtyrerpriesters Liborius Wagner. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde er von schwedischen Soldaten wegen seiner Glaubenstreue entsetzlich gemartert. Danach warf man seine Leiche bei Mainberg in den Main. Auch sie landete bei Heidenfeld am Mainufer. Zunächst wurde sie in der Klosterkirche bestattet. Später, nach dem Neubau der Heidenfelder Dorfkirche im Jahre 1906, wurden die Gebeine des seligen Priesters auf Betreiben des späteren Kardinals Faulhaber, einem Sohn Heidenfelds, hierhin feierlich überführt. Da kann man sie heute noch in einem Reliquienschrein sehen.

Unwiederbringlich zerstört

Die vielfältigen Beziehungen des Klosters zu Lindach reichen bis in ganz frühe Zeiten zurück. Das Kloster übte von 1141 bis 1613, immerhin 472 Jahre lang, im Auftrag des Würzburger Hochstifts, der Hohen Pforte, die Dorfherrschaft in Lindach aus. Dies ist folgendermaßen zu verstehen: Der jeweilige Würzburger Fürstbischof betraute den jeweiligen Heidenfelder Fürstpropst hier mit der so genannten niederen Gerichtsbarkeit. Auch seelsorgerisch und in der Krankenpflege wurde der Ort von den Chorherren versorgt.

Von der ursprünglichen aus der Gründerzeit stammenden Klosteranlage kann man in der heutigen Zeit nicht mehr viel sehen, denn das Kloster wurde im Bauernkrieg 1525, im Markgräflerkrieg 1554 und im Dreißigjährigen Krieg von den marodierenden Soldaten schwer beschädigt. So manche Bausubstanz und die bedeutenden Schätze der reichhaltigen Bibliothek wurden auch infolge von einigen Besitzerwechseln unwiederbringlich zerstört, wie die Führerin zu berichten wusste. Zwischenzeitlich diente das Kloster als Krankenhaus. Heute dient es den Erlöserschwestern als Altersheim, wo sich die etwa 80 Ordensschwestern sichtlich wohl fühlen.

Gefangen von den schönen Eindrücken und versehen mit vielen Informationen, trat die Wandergruppe nach einer kurzen Rast mit entsprechender Stärkung den Heimweg an, wo man sich im Dorfgasthaus zu einem Schlusshock traf.

 

Zu den News