Ein Jahr noch bleibt alles beim Alten

18.02.2006

Mainpost 18.2.2006

 

Ein Jahr noch bleibt alles beim Alten

 

Gernach (es) Die Zukunft des St. Franziskus-Kindergartens in Gernach war das Hauptthema der Jahreshauptversammlung des Johannisvereins. Die Mitglieder des Trägervereins plädieren dafür, den Kindergarten noch ein Jahr aufzulassen und die aufgrund der geringen Kinderzahl nicht gedeckten Zuschüsse aus dem Vereinsvermögen zu finanzieren.

Vorsitzende Sandra Dotzel konnte zu der Versammlung auch Bürgermeister Horst Herbert und den örtlichen Gemeinderat Wolfgang Friedrich begrüßen. Sie beleuchteten das Thema aus der Sicht der Gemeinde.

Sorgen macht der Vorstandschaft des Kindergartens die sinkende Kinderzahl. Man rechnet, dass ab September 2006 nur noch acht bis zehn Kinder den Gernacher Kindergarten besuchen werden. Die Vorstandschaft stellte die Frage an die Mitglieder, ob es sinnvoll sei, bei dieser geringen Kinderzahl den Kindergarten offenzuhalten, da die Zuschüsse bei weitem nicht ausreichen, die Personalkosten zu decken. Nach dem Kindergartenfördergesetz wäre die Förderung einer Kindergartengruppe mit sechs bis zehn Kindern möglich, allerdings nur mit einer Erzieherin und einer Mutter, die auf Dauer unterstützend im Kindergarten mitarbeiten müsste.

Bürgermeister Horst Herbert gab dann einen Überblick über die Situation der Kinderzahlen in den Kindergärten der einzelnen Ortsteile. Mit Ausnahme von Kolitzheim sind in allen Kindergärten noch Plätze frei. Aufgrund der sinkenden Kinderzahlen komme man auf Dauer nicht daran vorbei, über Kooperationen der Kindergärten in verschiedenen Ortsteilen nachzudenken.

Überlegenswert sei auch das Modell, dass bei Kinderzahlen unter zehn und mehr als sechs in einer Gruppe eine pädagogische Fachkraft gefördert wird, wenn ein Elternteil regelmäßig mitarbeitet. Da in Unterspiesheim von den 50 möglichen Plätzen nur 35 belegt sind, wäre hier eine Möglichkeit der Kooperation; auch über eine Zusammenarbeit mit Lindach wäre nachzudenken. Herlheim wäre aufgrund der Entfernung wohl ungünstiger, so die Einschätzung des Gemeindeoberhaupts.

Horst Herbert informierte weiter, dass er interessiert sei, dazu beizutragen, dass die Kindergartenkinder einen Platz in einem Kindergarten der eigenen Gemeinde bekämen, da dann die Förderung in der Gemeinde bleibe, und vor allem, dass nicht noch mehr Kindergärten schließen müssten.

Vor diesem Hintergrund sprach Gemeinderat Wolfgang Friedrich aus, was sich in der Diskussion als Mehrheitsvotum der Versammlung abzeichnete: Man sollte den Kindergarten ein Jahr weiterführen, und die fehlenden Zuschüsse aus Eigenmitteln ergänzen. Nach einem Jahr könne man weitersehen.

Sandra Dotzel stellte diesen Vorschlag zur Abstimmung, er wurde mit einer Enthaltung angenommen. Überlegenswert wäre auch, so Wolfgang Friedrich weiter, den Eltern, die später einmal ihre Kinder in Nachbarortschaften in den Kindergarten bringen müssten, wenn der Gernacher Kindergarten nicht mehr zu halten sei, Fahrtkostenzuschüsse aus dem Vereinsvermögen zu gewähren, und zwar so lange, bis es aufgebraucht sei.

Erhard Scholl hatte in der Diskussion darauf aufmerksam gemacht, dass man diese Diskussion auf lokaler Ebene so führen müsse, weil die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen trotz gegenteiliger Beteuerungen der Politiker für Familien ungünstig seien: Einbußen bei der Rente, wenn man zeitweise auf Berufstätigkeit verzichten müsse, Mehrausgaben für die Kinder im Vergleich mit kinderlosen Paaren, das damit verbundene finanzielle Risiko, der stetig steigende Leistungsdruck und die Krise der Schule seien Argumente, die junge Paare davon Abstand nehmen ließen, sich für Kinder zu entscheiden, sagte Scholl.

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