Ein Maibaum steht für Toleranz

04.05.2017

Mainpost 04.05.2017

STAMMHEIM

Ein Maibaum steht für Toleranz

 

 „Maibaum für Toleranz“, unter diesem Motto stand die Aufstellung des Maibaums in diesem Jahr in Stammheim. Diese Idee des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, ein Zeichen gegen Radikalismus jeder Art zu setzen griffen die Stammheimer auf.

Es soll deutlich werden, dass man allen selbstbewusst entgegentritt, die mit extremistischen, rassistischen und antiislamischen Ideen das Zusammenleben und die Demokratie gefährden. Bei vielen ist die Erinnerung noch wach, als im Jahr 2015 die Partei „Die Rechte“ ihre Landesgeschäftsstelle in Stammheim eröffnete.

Die Stammheimer hatten schon im Vorfeld dieses Vorhabens das Bündnis „Stammheim ist bunt“ gegründet. In diesem hatten sich viele Bürger, die demokratischen Parteien, die Kirchen sowie Verbände und Vereine, auch aus dem Landkreis und der Stadt Schweinfurt zusammengeschlossen.

Martin Becher, der Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, hatte Burkhard Krapf und Gerhard Völk als Vertreter von „Stammheim ist bunt“ angesprochen, ob sie bei der Aktion „Maibaum für Toleranz“ mitmachen wollten. Bayernweit taten das etwa 30 Gemeinden.

Die beiden waren sofort einverstanden, und auch die Vereine aus Stammheim, die dem Bündnis angehören, und die Aufstellung des Maibaums sonst organisieren, waren bereit mitzumachen.

Kinder legten Hand an

Unter den Klängen der Musikkapelle Stammheim, dirigiert von Andreas Johnke, wurde der Maibaum in die Dorfmitte gebracht, begleitet von den Fahnenabordnungen der Stammheimer Vereine. Bevor der Maibaum aufgestellt wurde, durften Kinder und Erwachsene farbige Abdrücke ihrer Hände am weißen Stamm der Birke verewigen, eine Aktion, die die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Stammheim vorbereitet hatte, und die vor allem den Kindern viel Spaß machte.

Der Maibaum war von beachtlicher Größe. Die gelegentlichen Windböen machten es den Maibaumburschen daher nicht leicht, den Baum in die Senkrechte zu bringen. Mit vereinten Kräften und unter den anfeuernden Klängen der Musikkapelle Stammheim fand der Baum aber, fest verkeilt, einen sicheren Stand.

Gerhard Völk, Pressesprecher von „Stammheim ist bunt“, stellte die Redner vor. Mit großen Beifall wurde Barbara Stamm, die Präsidentin des Bayerischen Landtags begrüßt.

Sie dankte allen, die in den vergangenen Jahren in Stammheim deutlich gemacht haben, um was es geht: „Wir erteilen all denen eine klare Absage, die mit Extremismus jeder Form unterwegs sind.“

Sie gab ihrer Freude Ausdruck, dass sich auch viele junge Menschen gegen Extremismus wenden. Die bayerische Staatsregierung sei Gründungsmitglied im Bündnis für Toleranz und unterstütze dessen Einsatz für Demokratie und menschliches Miteinander.

Sie hob hervor, dass der Bundesvorsitzende der KLJB, Stephan Barthelme, aus Stammheim komme, und Christina Kornell, die Landesvorsitzende, aus dem benachbarten Volkach. Dies sei ein Beleg dafür, dass die Jugend sich aktiv für eine menschliche Gesellschaft einsetze.

Stammheimer Weg

Der stellvertretende Bürgermeister Martin Mack erinnerte an den ökumenischen Gottesdienst vor zwei Jahren. In Stammheim habe sich gezeigt, welche Kraft in einer guten dörflichen Gemeinschaft stecke. In vielen Vorträgen und Aktionen habe man Zeichen gesetzt gegen die Ausgrenzung von Fremden. Der „Stammheimer Weg“ sei ein fester Begriff für den friedlichen Widerstand gegen rechts. Sein Dank galt Burkard Krapf und Gerd Völk als Vertretern des Bündnisses „Stammheim ist bunt“, aber auch der KLJB und allen anderen Vereinen, die sich aktiv an dem Bündnis beteiligen.

Landrat Florian Töpper, der vom Gemeindefest in Kolitzheim gekommen war, dankte den Stammheimern für ihren Einsatz für die Demokratie im Landkreis. „Demokratie ist manchmal anstrengend“, so der Landrat. Man könne in Stammheim stolz sein auf das Erreichte, „auf das, was jetzt nicht mehr hier ist“.

Die Fränkische Weinkönigin Silena Werner, die in Stammheim lebt, zitierte den Dichter Johann Georg Seume: „Wo man trinkt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Sie lobte den Zusammenhalt der Stammheimer und schilderte ihre Erfahrung, dass bei einem guten Glas Wein schon manche gute Idee entstanden sei.

Auch Weinprinzessin Annika Moller zeigte sich stolz auf den Zusammenhalt in Stammheim. „Das können wir wirklich feiern“, sagte sie.

Zeit füreinander nehmen

Martin Becher gab einen Überblick über das Bayerische Bündnis für Toleranz. Gegründet 2005 von der evangelischen und der katholischen Kirche, haben sich insgesamt 68 Bündnispartner zusammengeschlossen. „Maibäume für Toleranz“ würden an verschiedenen Orten aufgestellt, unter anderem in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge.

Florian Rettner von der KLJB Stammheim stellte eine weitere Aktion bei der Maifeier vor: das Steigenlassen von Luftballons. „Hast Du etwas Zeit für mich“ beginne das Lied „99 Luftballons“ von Nena. Diese Frage richte sich auch an uns. Es sei wichtig, sich Zeit füreinander zu nehmen, in einer Welt, in der Kriege, Anschläge, Flucht und Vertreibung herrschen. Das Lied zeigt, wie es ausgeht, wenn Krieg und Bedrohung anstelle von Dialog und Toleranz treten: „Heute zieh' ich meine Runden, seh? die Welt in Trümmern liegen.“

Die Luftballons sollten eine Mahnung sein, die Gemeinschaft zu pflegen, sich Zeit füreinander zu nehmen, Toleranz zu üben und so destruktiven Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Unter den Klängen von „99 Luftballons“ stiegen die Ballons dann in den blauen Frühlingshimmel.

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