Ein Obstbaumdorf bald ohne Obstbäume?

29.11.2018

Mainpost 29.11.2018

Lindach

Ein Obstbaumdorf bald ohne Obstbäume?

 

Der Kahlschlag in den Lindacher Obstgärten ist unübersehbar. So wird wohl Obstbauland, ein Markenzeichen des Ortes, zu Acker- oder Spargelland. Foto: Kurt Albert

Wandert der Besucher zurzeit auf dem Touristenpfad des Ortes, dem Landerlebnisweg, durch die Obstgärten, so könnte er etwas überrascht sein, wenn er diese Fluren von früheren Spaziergängen her kennt.

Denn da hat sich in letzter Zeit so einiges getan. Etliche Zeilen von Obstbäumen, vor allem Zwetschgen, sind ihrer Krone beraubt worden. Nun stehen die Stämme kahl und einsam in Reih und Glied, ihr Kronenholz liegt ihnen in großen Haufen "zu Füßen".

Unübersehbar hält auch hier der Strukturwandel munter Einzug. Fragt man nach dem Grund der Baum-Rodung, so erhält man die Gegenfrage, wer künftig den Obstbau noch machen soll. „Meine Frau und ich, wir sind jetzt alt. Wir machen nicht mehr weiter, und Nachfolger sind nicht in Sicht“, ist die meist gegebene Antwort.

So wird eben auf den Feldern dieser Sonderkultur in Zukunft eine andere Sonderkultur, nämlich Spargel, angebaut, oder es werden ganz „normale“ Feldfrüchte ausgebracht. Oder diese Felder werden zur Sozialbrache oder zur Flächenstilllegung verwendet.

Neben dem Generationswechsel gibt es aber noch einen weiteren Aspekt bezüglich der Rodung, nämlich die Unsicherheit hinsichtlich der Rendite. In manchen Jahren wird das Obst vom Handel stark nachgefragt, und für den Erzeuger bleibt dann ordentlich etwas übrig. Das ist ideal. Nimmt man aber das Erzeuger-Jahr 2018 zum Maßstab, so gab es hier zwar in der Regel Unmengen an Zwetschgen, doch die Bezahlung ließ sehr zu wünschen übrig. Das war alles andere als ideal, wenn man allein den Arbeitsaufwand zugrunde legt. Dieses Jahr ist aber kein Einzelfall, wie man hört. Es gab schon immer wieder Jahre mit Absatzproblemen. So dürfte sich eben so mancher Obstbauer in der jüngsten Zeit mit dem Gedanken getragen haben, ganz aufzuhören und die Bäume zu roden. Das Ergebnis jedenfalls ist deutlich sichtbar.

Schaut man jetzt gerade unter die Zwetschgenbäume in den Obstgärten, so fiel der Entschluss zur Aufgabe für manchen Besitzer wohl sehr leicht. Man sieht da ein „Blaues Meer“ an nicht verwerteten Früchten. So gesehen, kann man den Schritt wohl verstehen.

Selbstverständlich geben nicht alle Obstbauern diesen Erwerbszweig auf, zumindest nicht vorschnell. Manche haben auch nur ihre alten abgetragenen Bäume beziehungsweise alte, nicht mehr so ge-fragte Sorten gerodet. Sie werden neuere, zurzeit mehr gefragte Sorten pflanzen, die auch ein entsprechendes Potenzial haben sollen, dem Klimawandel zu trotzen. Insofern kann man wohl sagen, dass Lindach nicht so schnell ein Obstbaudorf ohne Bäume werden wird, zumindest nicht in naher Zukunft.

Indes: Die Rodung der Bäume beschert aber auch eine Umweltproblematik. Denn was geschieht eigentlich mit dem vielen Reisigholz? Viele Holzhaufen werden wohl durch Feuer beseitigt werden, was die Luft mit Rauch und Ruß belasten wird. Früher gab es zwischen Lindach und Stammheim, ebenfalls ein großes Obstbaudorf, einen großen Lagerplatz für Obstbaumreisig, der gut genutzt wurde. Das hier lagernde Holz wurde zu gegebener Zeit vom Landkreis-Häcksler geschreddert und als Mulchmaterial in den Obstbaumzeilen oder in den Gärten verwendet. Diesen Lagerplatz gibt es nun seit geraumer Zeit nicht mehr.

Stattdessen bietet die Gemeinde Kolitzheim nun einen Reisigplatz in Unterspiesheim oder in Gerolzhofen an. Für Obstbauern aus Stammheim und Lindach ist das angesichts der großen anfallenden Mengen an Reisigholz in puncto Fahrt viel zu umständlich und viel zu weit, sagen Betroffene. So geht man eben den einfacheren Weg und verbrennt das eigentlich wertvolle Reisigholz, das sich als Hackschnitzel zum Heizen oder eben als Mulch für die Abdeckung von Wegen und Beeten verwenden lässt. Trotz häufiger Forderungen und Vorschläge seitens der Bürger, für Lindach und Stammheim einen ortsnahen Reisigplatz auszuweisen, wurde seitens der Gemeinde bisher nicht gehandelt. Die Betroffenen hoffen aber weiterhin darauf, dass es baldigst zu einer aus ihrer Sicht praktikableren Lösung kommt, allein schon besagter Umweltproblematik wegen.

 

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