Ein Schloss mit Überraschungen

12.09.2006

Mainpost 12.9.2006

 

Ein Schloss mit Überraschungen

 

ZEILITZHEIM (BAP) Keine Türme, keine Zinnen. Auf den ersten Blick hat Schloss Zeilitzheim nichts, was man in der Vorstellung mit einem Schloss verbindet. Schon mancher Besucher stand vor dem schlichten Landschloss und war sich dessen nicht bewusst, erfuhren die zahlreichen Besucher bei einer Führung im Rahmen des Tages des offenen Denkmals von Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel. Trotzdem bietet das von Graf Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Gebäude so manche Überraschung.

 

Schon die Nordseite mit den zwei Fensterachsen - die unteren Fenster sind mit eisernen Gittern aus der Barockzeit versehen - und im Mittelpunkt der Eingang mit zwei Treppenläufen wirken sehr eindrucksvoll auf den Betrachter. Der Eingang selbst besteht aus zwei Säulen und ist mit Figuren und dem Wappen derer von Wolfsthal geschmückt. Auf den Holztüren befindet sich originelle Schnitzwerke.

Durch den sehr einfachen Eingangsraum und über die große Treppe führte Spiegel die Besucher in den Schönbornsaal. Der prächtige Saal wurde während des Aufenthalts des Kardinals Damian Hugo von Schönborn errichtet, der im 18. Jahrhundert einige Jahre als Flüchtling vor den Franzosen in Zeilitzheim lebte. An Wänden und Decken befinden sich die eindrucksvollen Fresken des italienischen Malers Giovanni Francesco Marchini. Neben Putten und Landschaftsbildern sind auch Darstellungen aus dem klassischen Zeitalter angebracht. Hier findet man den Göttervater Zeus. Andere Personen könnten Sokrates und Aristoteles darstellen, informierte der Schlossführer.

An der Decke sind neben den Wappen der früheren Schlossbesitzer die vier Kardinalstugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Stärke, die allerdings fehlt, was Spiegel als eine der Überraschungen des Schlosses bezeichnet, angebracht.

Im Jagdsaal, der früheren katholischen Kirche, konnten die Besucher an der Stuckdecke noch die Seilöffnungen der Glocken sehen. Es war auch möglich, in die heutigen Gästezimmer und den Schlosskeller einen Blick zu werfen.

Eine gute Vorstellung von der Anlage des Schlosses konnten sich die Gäste im Arkadenhof machen. Die Räume auf der Nordseite waren den Besitzern vorbehalten. Im Süden lagen die Vorratsräume, im Westen war die Remise untergebracht und im Osten die Kelter. Von Ost nach West gab es eine Durchfahrt.

Beim Durchgang zum Garten machte Spiegel auf eine weitere Überraschung, einen eingemauerten Stein mit zwei gegenläufigen Spiralen aufmerksam, ein uraltes irisches Symbol, die die Unendlichkeit des Lebens darstellen. Im barocken Garten, der ab 1982 nach alten barocken Vorbildern angelegt wurde, endete die Führung. Zuvor erfuhren die Besitzer allerdings noch so manches Interessantes über das Schloss. Im letzten Jahrhundert verkaufte die Familie Schönborn das Gebäude. Der damalige Käufer wollte daraus Mietwohnungen machen. Mauern wurden gezogen und Türen mit schöner Bemalung überstrichen. Seitdem die Familie Halem im Besitz des Gebäudes ist, wird das Schloss nach und nach restauriert und soweit möglich in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Das neueste Beispiel hierfür sind die neu eingesetzten großen Fenster in der alten Kelter.

Auch Architekt Dag Schröder, der die Restaurierungsarbeiten des Schlosses seit 1979 betreut, war am Tag des offenen Denkmals im Schloss anwesend. Von ihm waren auch Federzeichnungen von Baudenkmälern ausgestellt. Weiter gab es einen Dia-Vortrag mit dem Thema "Burgen und Schlösser im Raum Gerolzhofen/Schweinfurt."

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