Ein Schlusspunkt, der keiner sein soll

03.05.2017

Mainpost 03.05.2017

KOLITZHEIM
Ein Schlusspunkt, der keiner sein soll

Die Dorferneuerung in Kolitzheim läuft zwar noch bis voraussichtlich 2018. Die öffentlichen Vorhaben aber sind abgeschlossen. Mit dem Gemeindefest wurde daher jetzt ein vorläufiger Schlusspunkt gesetzt.
Rudolf Bender, der örtliche Beauftragte der Dorferneuerung, regte an, lieber von einem Doppelpunkt zu sprechen, also nicht beim Erreichten stehen zu bleiben. Mit der Dorferneuerung sei vieles in Bewegung gekommen, so Bender. Und seiner Ansicht nach sind die Vorhaben alle gelungen.
Die offizielle Maßnahme der Dorferneuerung in Kolitzheim begann im Jahr 2004. Sie wird voraussichtlich im Jahr 2018 abgeschlossen sein, teilte Ottmar Porzelt mit, der Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung in Unterfranken.
Die Maßnahme kostete 2,9 Millionen Euro, die staatlichen Zuschüsse betrugen 950 000 Euro. Neben Vorhaben in Kolitzheim waren auch die Gestaltung des Platzes der Generationen in Unterspiesheim und die Gestaltung des Dorfangerplatzes in Lindach in der Gesamtmaßnahme enthalten.
Für private Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung stünden noch Fördermittel zur Verfügung, teilte Porzelt mit. Er ermunterte die Kolitzheimer, noch Anträge zu stellen.

Da bin ich daheim“

„In Kolitzheim, da bin ich daheim.“ Diesen Slogan hatte sich die Teilnehmergemeinschaft Kolitzheim zu Beginn der Dorferneuerung auf die Fahnen geschrieben. Dieses Motto treffe auf die gesamte Gemeinde zu, sagte Bürgermeister Hirst Herbert. Zahlreiche Bürger arbeiteten seit vielen Jahren daran, die Dörfer weiterzuentwickeln und die Gemeinde zukunftsfähig zu gestalten.

In mehr als 100 Vereinen und Verbänden brächten sich Männer und Frauen aller Altersgruppen ehrenamtlich in den Dorfgemeinschaften ein. Sie machten die Dörfer damit liebens- und lebenswert. Dies mache Heimat aus. Die Zukunft der Dörfer hänge entscheidend davon ab, wie sich ihre Bewohner engagieren, betonte das Ortsoberhaupt.
Den großen Zielen der Dorferneuerung, der Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse durch die Stärkung ländlicher Gemeinden und der Erhalt der Dörfer als zukunftsfähige, attraktive Lebensräume, sei Kolitzheim im vergangenen Jahrzehnt ein großes Stück nähergekommen, so Herbert.

Einer der wichtigsten Partner bei der Dorferneuerung war das Amt für ländliche Entwicklung in Würzburg. Neben Leiter Ottmar Porzelt waren auch dessen Mitarbeiter Wilfried Schmitt und Karl-Heinz Weidner gekommen, die Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Kolitzheim. Sie leisteten die Arbeit vor Ort, in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und dem örtlichen Beauftragten Rudolf Bender.
Baumaßnahmen wie an der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt in Kolitzheim stellten Planer und ausführende Firmen vor besondere Herausforderungen, so Herbert. Alle Beteiligten hätten diese gemeistert, lobte er stellvertretend den Chef des Planungsbüros, Frieder Müller-Maatsch.
Herbert dankte auch den Kolitzheimern, besonders den Anliegern der Schweinfurter Straße, die während der Bauzeit einige Einschränkungen hinnehmen mussten.
Bei Projekten dieser Größenordnung gebe es viele Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. „Es ist uns gelungen immer einen Konsens zu finden, der allen Seiten gerecht wird“, wertete der Bürgermeister die Begleitung des Gemeinderats als konstruktiv. Mit der beantragten Flurneuordnung blickte das Ortsoberhaupt bereits in die Zukunft. Herbert zeigte sich überzeugt, dass diese Maßnahme für die Zukunft der Landwirte unerlässlich ist.

„Das Beste für unsere Welt“
Auf bunten Plakaten und Transparenten präsentierten Grundschüler ihre Gedanken und Wünsche zur Dorferneuerung. Von einer Metzgerei bis hin zur Umgehungsstraße reichten die Themen. Die Kinder seien die Zukunft, sagte der örtliche Beauftragte Bender, man sollte deshalb hinhören und ihre Wünsche nicht ignorieren.
Er blickte auf den Anfang der Dorferneuerung zurück, ein Klausurwochenende in Klosterlangheim. Er bezeichnete die Dorferneuerung als Abenteuer, auf das man sich eingelassen hatte. Man habe nicht auf Anfragen gewartet, sondern Debatten selbst angestoßen, „um das Beste für unsere kleine Welt in Kolitzheim zu schaffen“.
Sicherlich gab es nicht immer nur euphorische Phasen, so Bender, doch ein Zurück auf Null sei nicht in Frage gekommen, Neujustierungen schon. „Wir konnten uns nicht leisten, stehen zu bleiben, und das war wiederum Ansporn und Motivation, weiterzumachen“, sagte Bender.

Für das Mitziehen bedankte er sich bei der Dorfgemeinschaft. Ohne das Amt für ländliche Entwicklung als Geldgeber und die fachliche Beratung Wilfried Schmitts und Karl-Heinz Weidners wäre die Dorferneuerung auch nicht stemmbar gewesen, stellte Bender fest. Er dankte auch den Planern und den ausführenden Baufirmen. Für die Gemeinde Kolitzheim war die Dorferneuerung mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Deswegen bedankte sich Bender bei Bürgermeister, Gemeinderat, den Mitarbeitern der Verwaltung und des Bauhofes.

Die Idee der Dorferneuerung wird durch ein Kunstwerk symbolisiert, das eine Wegmarke und einen magischen Punkt darstellen soll, an dem man sehe: „Jetzt bin ich daheim.“ Das Kunstwerk vereint Stein (Tradition) und Stahl (Moderne). Die Metallfigur in der Vorwärtsbewegung soll ermutigen, gewohnte Pfade zu verlassen und Hindernisse zu überwinden.

Mut zum Träumen

Er komme gerne in die Gemeinde Kolitzheim, sagte Landrat Florian Töpper, weil es hier gelinge, für alle Gemeindeteile Perspektiven zu schaffen, aber auch akzeptiert werde, dass nicht alles gleichzeitig möglich ist. Er gratulierte den Kolitzheimern zu einer deutlichen Aufwertung des Dorfes. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Bürger weiter einbringen und ihre Zukunft gestalten.
Daheim sein hat eine besondere Bedeutung, wenn man viel unterwegs ist, resümierte die Fränkische Weinkönigin Silena Werner aus Stammheim. Sie sei froh in einer so schönen Gemeinde zu leben, die gerade mit ihren unterschiedlichen Strukturen lebens- und liebenswert sei.
Es gebe keine grundsätzliche Kritik an den Dorferneuerungsmaßnahmen, nur immer zu wenig Geld, stellte Landtagsabgeordneter Otto Hünnerkopf fest. Die Maßnahme in Kolitzheim habe gezeigt, wie effektiv und erfolgreich die Dorferneuerung sein kann. „Wer keinen Mut hat zu träumen, hat keine Kraft zum Handeln“, so Hünnerkopf.
Den kirchlichen Segen spendeten Viktoria Fleck die evangelische Pfarrerin aus Zeilitzheim und der katholische Pfarrer Andreas Engert aus Herlheim.
Für die musikalische Gestaltung des Festaktes sorgte die Musikkapelle Kolitzheim unter Peter Häusner. Sie führte auch den Festzug zur Aufstellung des Maibaumes an.

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