Eindrücke vom Bistum Obidos und der Kirche am Amazonas

05.12.2018

Mainpost 05.12.2018

Oberspiesheim

Eindrücke vom Bistum Obidos und der Kirche am Amazonas

Faszinierende Eindrücke vom Bistum Obidos in Brasilien präsentierte Stefan Heining, Pastoralreferent vom Fortbildungsinstitut der Diözese Würzburg beim Themenabend im Gemeindezentrum Oberspiesheim. Auf Einladung des Bischofs Johannes Bernardo Bahlmann OFM besuchte eine sechsköpfige Delegation der Diözese Würzburg im April 2017 das Partnerbistum am Amazonas. Das Bistum Obidos liegt im brasilianischen Amazonasraum dem größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet unserer Erde. Es ist etwa halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, es leben dort jedoch nur 250.000 Menschen, hauptsächlich an den Flussläufen. Der größte Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und vom Fischfang. In den kleineren Städten gibt es Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungssektor. Im Norden der Diözese Obidos leben noch kleine indigene Völker in schwer zugänglichen Urwaldgebieten.

80 % der Einwohner im Bistum gehören der Katholischen Kirche an, die sehr vom Glauben geprägt sind und diesen im Alltag leben, so Stefan Heining. Die Leitung der Großpfarreien liegt ausschließlich in der Hand von Laien, die in diesen Gemeinden zu Hause sind. Die großen Anliegen der Pfarreien sind die Bereiche Erziehung, Bildung, Gesundheit, Menschenrechte und Bewahrung der Schöpfung. Die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter der Diözese und die Priester müssen oft weite Entfernungen in ihrem Bistum zurücklegen um die Gläubigen zu erreichen, dies geschieht in vielen Fällen mit Booten auf dem Amazonas und ist nicht ungefährlich. Es gibt keine Kirchengebäude wie bei uns. Zu den Gottesdiensten versammeln sich die Gläubigen auf überdachten Plätzen oder in einfachen Holzhallen ohne Komfort und mit minimaler Ausstattung. Trotzdem konnte die Anzahl der Pfarreien seit 2011 von neun auf dreizehn gesteigert werden, freute sich Heining.

Zusammenfassend stellte Pastoralreferent Stefan Heining fest, dass die Kirchengemeinden in Obidos von Laien geprägt sind und sich die Eindrücke und Erfahrungen des Besuches sich nicht auf unsere Verhältnisse übertragen lassen. Wir könnten von diesen freundlichen und lebensfrohen Menschen, die trotz aller finanzieller und materieller Armut Lebensfreude ausstrahlen, lernen das Leben mehr aus dem Glauben zu gestalten.

Trotz der begrenzten Möglichkeiten wird von der Diözese Obidos die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gefördert und unter anderem ein Therapiezentrum für Drogenabhängige betrieben. Die Drogenabhängigkeit, die hohe Kriminalitätsrate und die weit verbreitete Korruption sind große Probleme mit denen die Gemeinden zu kämpfen haben, berichtete Heining. Auch die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen beschäftigt die Gemeindemitglieder, die nur unzureichend oder gar nicht entschädigt werden. Vereinbarte Renaturierungen des gerodeten Regenwaldes werden nicht oder nur teilweise umgesetzt. Diese konkreten Anliegen und ungelösten Probleme der Menschen gegeben der Kirche vor Ort Richtung und Dynamik, stellte Stefan Heining fest.

Beeindruckt zeigte er sich vom Einsatz der Kinder und Jugendlichen im kirchlichen Leben, die bereits viele Aufgaben und auch Verantwortung übernehmen. Die Ausbildung der Kinder ist deshalb ein großes Anliegen der Kirchen vor Ort. Mit der Schule für christliche Leitung bereitet die Diözese die künftigen Führungskräfte auf ihre Aufgaben in den Kirchengemeinden vor. Als erfreulich empfand Stefan Heining, dass in den Gemeinden keine Unterscheidung von haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern getroffen wird und damit keine Rollendiskussionen geführt werden, sondern mehr Wert auf eine tiefe, missionarische Grundhaltung gelegt wird. "Pastorale Reformen werden im Bistum Obidos flexibel und dynamisch umgesetzt" resümierte Heining zum Ende seines Vortrages. Somit könnte das Vorbild der Kirche am Amazonas auch für uns von Bedeutung sein.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, wie differenziert die Meinungen der Anwesenden zu dem beeindruckenden Bild der Diözese Obidos waren, welches Stefan Heining eindrucksvoll präsentiert hat. Der Themenabend lieferte einen interessanten Einblick in das Leben der Kirchengemeinden am Amazonas und regte dazu an, die eigenen Verhältnisse und Gewohnheiten zu reflektieren und aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Die örtliche Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Reißner bedankte sich ganz herzlich für die Gestaltung des Themenabends bei Pastoralreferent Stefan Heining im Gemeindezentrum in Oberspiesheim.

 

 

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