„Eine durchwachsene Ernte“

29.06.2007

Mainpost 29.6.2007

 

LINDACH

„Eine durchwachsene Ernte“

 

Wer noch frische fränkische Kirschen essen will oder sie zum Einmachen benötigt, der muss sich beeilen. Die Ernte wird in etwa einer Woche abgeschlossen sein, sagt Jürgen Seger, einer der Obstbauern in Lindach, wo der Kirschenanbau noch eine größere Rolle spielt. Die Ernte 2007 bezeichnet der 39-Jährige als „durchwachsen“.

 

Die Kirschen-Saison begann heuer etwa 14 Tage früher als sonst, weil es im April und Mai sehr warm war. Schon ab Ende Mai konnten die ersten Kirschen gepflückt werden. „Zu etwa drei Vierteln war die Ernte gut. Doch in den letzten 14 Tagen begannen viele Kirschen durch den vielen und starken Regen aufzuplatzen und zu faulen“, lässt Seger die Kirschen-Saison Revue passieren.

An etlichen seiner Bäume lohnt es sich jetzt nicht mehr, die roten Früchte zu ernten. „Beim Pflücken jede Kirsche anzuschauen, ob sie nicht doch schon ein wenig angefault ist, kostet zu viel Zeit“, sagt Seger. Bäume, an denen relativ viele aufgeplatzte Kirschen zu sehen sind, werden also gar nicht mehr abgeleert. Doch das lässt sich verschmerzen, weil es in den ersten Wochen der Saison viele schön gewachsene und gut schmeckende Süßkirschen gab und diese auch zu einem akzeptablen Preis abgesetzt werden konnten. Dass die Preise zufrieden stellend waren könnte laut Seger damit zusammen hängen, dass es in anderen Kirschen-Gebieten geringere Erntemengen gab.

Die Süßkirschen, die Jürgen Seger, seine Frau Sonja, seine Eltern Helmut und Helga sowie zwei polnische Erntehelfer von den Äckern in Lindach (zusammen etwa 0,3 Hektar) pflücken, verkauft der 39-Jährige ab Hof, auf einem Wochenmarkt oder an Großhändler – das meiste auf Vorbestellung. Wieviel Kirschbäume die Familie hat, weiß Seger nicht ganz genau. Er schätzt, dass es etwa 120 Bäume sind. Auch die Sorten, die auf den Kirschfeldern der Familie in Lindach wachsen, kennt er nicht alle, denn einen Teil der Kirschbäume hat die Familie nicht selbst gepflanzt, sondern mit der Zeit dazu gekauft, wenn Lindacher sie anboten, weil sie aus Altersgründen kein Obst mehr pflücken konnten und Nachfolger fehlten.

Kirschen ernten ist nicht jedermanns Sache. Der Großteil muss von der Leiter aus gepflückt werden. Und die Arbeit ist nicht ungefährlich. „Man muss gut aufpassen und schon genau hinsehen, wo man die Leiter möglichst gefahrlos hinstellen kann“, sagt Jürgen Seger. Wenn ein Ast abbricht, verdreht sich die Leiter. Dass er mit der Leiter in einen Baum hinein rutschte und abzustürzen drohte, das kam immer wieder einmal vor. Doch von folgenschweren Stürzen blieb die Familie bislang verschont, obwohl Obstbau schon sehr lange zum Familienbetrieb gehört. Jürgen Segers Großvater Ludwig war bereits Obstbauer, hatte aber keine vier Hektar mit Obstbäumen wie derzeit die Familie.

Hauptsächlich bauen die Segers Zwetschgen an, aber außer den Kirschen auch Äpfel oder Birnen. Der Haupterwerbszweig sind aber rund vier Hektar Weinberge. „Alles läuft parallel. Das ist nicht immer leicht von der Arbeitseinteilung her“, erklärt der Winzermeister. So kommt zur Weinbergsarbeit und der noch laufenden Kirschenernte schon das erste Pflücken von Zwetschgen hinzu. Seit etwa einer Woche erntet die Familie die Sorten Ruth Gerstetter und Hermann. Immer wieder werden in den nächsten Monaten neue Sorten reif, bis im Herbst das letzte Obst geerntet ist. Und wenn, wie in den letzten Wochen, einige Male wetterbedingt nicht auf den Feldern gearbeitet werden kann, weil es zu feucht war oder weil Dauerregen fiel, dann kommt der Zeitplan schon mal durcheinander.

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