Eine Idee hat voll eingeschlagen

22.09.2007

Mainpost 22.9.2007

 

Eine Idee hat voll eingeschlagen

Schon von weitem sichtbar weist bereits am Ortsausgang von Stammheim der in die Höhe ragende F-84-Jagdbomber auf besondere Ereignisse und Aktivitäten hin. Aus kleinen Stücken heraus, hat sich das vom Verein Militärgeschichte Franken getragene Museum für Zeitgeschichte inzwischen nicht nur regional und überregional, sondern auch schon international einen Namen gemacht.

Eng verbunden ist die Erfolgsgeschichte von Deutschlands größtem Privatmuseum für Zeit- und Militärgeschichte mit dem Namen ihres Gründers, Vereinsvorsitzenden und Leiters, Günter Weißenseel. Dessen Credo ist: Nur wer weiß, wo er herkommt, weiß auch, wo er hingeht.

Die ersten Anfänge

Die Anfänge des Museums reichen allerdings etwas weiter zurück als 1997. Am 23. Oktober 1994 traf sich erstmals eine kleine Gruppe von Modellbauern, Historikern, Oldtimerfreunden und Geschichtsinteressierten und diskutierte darüber, wie man die gemeinsamen Interessen bündeln könne. Man strebte einen Austausch von Erfahrungen an, dazu regelmäßige Treffen zum Basteln und Schrauben. Alle hatten ein gemeinsames Hobby: Zeitgeschichte mit Schwerpunkt Militärtechnik.

Nachdem dieser Teil der Geschichte in Deutschland noch immer eher zurückhaltend behandelt wird, entschlossen sich elf Idealisten den „Verein für Militärgeschichte Franken“, kurz VMF, zu gründen.

Wenig später wurde der Verein eingetragen und als gemeinnützig anerkannt.

Bis 1997 trafen sich nun die Hobbyhistoriker in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, um Vitrinen und Dioramen zu bauen oder alte Technik zu sammeln und zu restaurieren und sie somit für die Nachwelt zu erhalten. Viele Dinge wurden im Laufe der Zeit zusammengetragen und in die Sammlung eingebracht, so etwa auch interessante Schriftstücke und Unterlagen die bereits 1974 beim Abriss des alten Stammheimer Schulgebäudes gefunden wurden.

Am 21. Juni 1997 veranstaltete der Verein erstmals einem Tag der offenen Tür und präsentierte auf einer Fläche von 400 Quadratmetern eine kleine aber doch beachtliche Ausstellung. An ein Museum, noch dazu mit regelmäßigen Öffnungszeiten, Prospekten, Informationstafeln oder gar Führungen, hatte damals niemand gedacht.

Auf einmal ging es ganz schnell

Von der positiven Resonanz der Besucher motiviert, kam man allerdings rasch zum Entschluss, auf der nun errichteten Basis weiter aufzubauen. Die Gründung des Museums für Militär- und Zeitgeschichte war damit vollzogen.

Um für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen folgte schon 1998 die Eröffnung des „Museumsstübles“, das sich heute als Gasthaus und Café „Zur Schmiede“ mit seinem Wein- und Biergarten empfiehlt.

Nach mehreren Ausbaustufen konnte die Ausstellung im Lauf der Jahre auf eine Gesamtfläche von derzeit 17000 Quadratmetern erweitert werden. Hier werden zeitgeschichtliche Epochen unter Einwirkung von militärischen und kriegerischen Ereignissen erlebbar dargestellt und belohnen die Macher mit jährlich steigenden Besucherzahlen.

Internationales Interesse

Das Interesse am Stammheimer Museum ist aber auch in anderer Hinsicht groß, etwa was die Mitwirkung bei mehreren Kino- und Fernsehfilmen mit Statisten, Fahrzeugen und Requisiten anbelangt.

Eine Delegation des Museums nahm 2004 an den Feierlichkeiten zur 60. Wiederkehr des D-Days am Omaha-Beach als einzige offiziell eingeladene deutsche Gruppe teil. Gemeinsam mit französischen und deutschen Bäckern wurde das so genannte Friedensbrot in der Feldbäckerei gebacken und an die Veteranen und an die Bevölkerung verteilt und so die deutsch-französische Freundschaft gelebt. 2005 kamen die Freude aus Frankreich zum Gegenbesuch nach Stammheim.

Für die inzwischen internationale Bedeutung des Museums in Stammheim spricht auch, dass ihm am Samstag, 13. Oktober die Second Schweinfurt Memorial Association (SSMA) der 8. US-Luftflotte zusammen mit ehemaligen Schweinfurter Flakhelfern einen Besuch abstattet.

Bei der SSMA handelt es sich um eine Veteranenvereinigung, der nur Teilnehmer am zweiten Luftangriff der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg auf Schweinfurt sowie deren Familienmitglieder angehören.

Aufgrund der herben Verluste der US-Luftwaffe ging der 14. Oktober 1943 als „Black Thursday“ (Schwarzer Donnerstag) in die amerikanischen Geschichtsbücher ein.

Und auch der Wehrpolitische Arbeitskreis der CSU war schon hier, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen.

Das Museum beherbergt neben dem militärischen Teil im Freigelände, den Hallen und dem Innenhof, die Museumsbahn, die Ausstellung „Dörfliches Leben“, in deren Mittelpunkt eine wiederaufgebaute alte Schmiede, Schreinerei und Scheune inklusive alter Waschküche und Gesindestube stehen, sowie ein Campinggelände.

Das Museum in Stammheim ist übrigens das einzige, das sich der Militärseelsorge widmet, wovon etwa ein Feldaltar oder der Feldbeichtstuhl zeugen.

Der Trägerverein

Von Anfang an wird das Museum vom gemeinnützigen Verein Militärgeschichte Franken e.V. getragen, dem rund 400 Mitglieder aus der ganzen Welt angehören. Die Finanzierung erfolgt aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und den Eintrittsgeldern. Alle Überschüsse werden zum Ausbau des Museums verwendet.

Museum für Zeitgeschichte Stammheim/Main, Günter Weißenseel, TEL (0 93 81) 92 55, E-Mail-Adresse: info@museum-stammheim.de, Homepage im Internet: www.museum-stammheim.de

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