Eine mit Leben erfüllte Partnerschaft

18.05.2016

Mainpost 18.05.2016

KOLITZHEIM

 

Eine mit Leben erfüllte Partnerschaft

 

Seit 42 Jahren ist Kolitzheim mit Neufchâtel en-Saosnois und Saint Remy du Val in Frankreich durch eine Partnerschaft freundschaftlich verbunden. Und diese Partnerschaft ist mit Leben erfüllt. Ganz deutlich zeigte sich dies über die Pfingsttage. 50 Gäste aus den Partnergemeinden, darunter vier Jugendliche, waren die beinahe 1000 Kilometer nach Kolitzheim gereist und nahmen mit Begeisterung an den für sie vorbereiteten Veranstaltungen teil. Höhepunkt des Aufenthaltes war der offizielle Partnerschaftsabend am Pfingstsonntag im Sportheim Kolitzheim, der mit einem exzellenten Abendessen begann und mit einem gemütlichen Beisammensein (Musik Disc-Jockey Andreas Ebert) endete. Dazwischen war genügend Zeit für die gegenseitigen Freundschaftsbeweise.

Krisen und Kriege

Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert ging bei seiner Ansprache auf die Beweggründe und Ziele der Gemeindepartnerschaften ein. Frieden und Freundschaft unter den Völkern sollten entstehen, und nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ und der Wiedervereinigung Deutschlands fühlte man sich sicher. Davon sei man heute weit entfernt, betonte Herbert und verwies auf die aktuellen Krisen, Kriege, Terroranschläge, Fluchtbewegungen und die Wiedererrichtung von Grenzzäunen und Mauern.
 „Vor diesem Hintergrund treffen an diesem Pfingstwochenende Freunde aus Frankreich und Deutschland zusammen, Menschen, die sich das Thema Völkerverständigung auf die Fahne geschrieben haben, zur Wahrung des Friedens“, so Horst Herbert.
In den vergangenen 42 Jahren habe es viele schöne Begegnungen und wunderbare Momente gegeben, die niemand missen wolle, erinnerte das Kolitzheimer Gemeindeoberhaupt. Es sei eine tiefe Freundschaft zwischen den Menschen und den Gemeinden entstanden. „Wir alle haben damit auch unseren Beitrag geleistet für ein friedliches Miteinander und ein Zusammenwachsen der verschiedenen Nationen zu einem gemeinsamen Europa“, so Herbert.
Laurent Fremon, das Gemeindeoberhaupt von Saint Remy du Val, bedankte sich für den freundlichen Empfang. Das gebotene Programm sei sehr interessant und bereichernd und biete die Möglichkeit, andere Kulturen, Landschaften und Menschen zu entdecken und kennenzulernen. Fremon dankte auch den Gründern und Organisatoren der Partnerschaft und versprach, dazu beizutragen, dass die Flamme der gegenseitigen Freundschaft erhalten bleibe. Jedes neue Treffen sei ein weiterer Schritt auf dem Weg nach vorne, was auch zum Frieden beitrage.
Für viele sei dies die erste Reise nach Kolitzheim, ja sogar nach Deutschland, so Jonathan Cholet, der 29-jährige stellvertretende Bürgermeister von Neufchâtel en-Saosnois. Vor zwei Jahren, beim 40. Jubiläum in Frankreich, und auch jetzt habe man viele schöne, gemeinsame Momente des Glücks, des Respekts und der Gegenseitigkeit erlebt. Die Gründer der Partnerschaft hätten die Basis geschaffen, andere müssten sich in der Zukunft stärker einbringen. So hoffe er, dass eine neue Generation die Freundschaft voranbringe. Er freue sich auf das nächste Treffen in Frankreich, so Cholet.
Eine so lange Zeit der Partnerschaft sei in der heutigen, schnelllebigen Zeit ein echtes Zeugnis der Beständigkeit und Wertschätzung, zeigte sich Gottlieb Rappert, der Kolitzheimer Organisator des Partnerschaftstreffens, überzeugt. „Dafür“, so Rappert, „bedarf es immer wieder neuer Impulse von beiden Seiten, vor allem aber Personen, die diese Partnerschaft pflegen, bestehende Freundschaften weiter festigen und neue knüpfen.“ Mit der Übergabe einer Urkunde und eines Gemeindeschoppens bekundete Rappert seinen Dank und seine Anerkennung für zehn französische Freunde. Sie alle bezeugten durch ihre jahrzehntelange Teilnahme an den Treffen ihre Treue zur Partnerschaft der drei Gemeinden. Einige von ihnen seien sogar von Beginn an dabei. Mit den Unterschriften des „Präsidenten“ Rappert und des Bürgermeisters Herbert versehen, zeigt die Urkunde die Rathäuser und Wappen der drei Gemeinden sowie die 1000 Kilometer lange Route.

Der Beginn der Partnerschaft

Auch Jean Fernandez, von Beginn an im französischen Organisationsteam, freute sich über die lange Zeit der Freundschaft. Da auch Jugendliche dabei seien, gehe es auch weiter, zeigte er sich überzeugt. Antriebsmotor der Partnerschaft sei der Kolitzheimer Robert Feldner gewesen, erinnerte Fernandez, den er dann nach vorne rief. Zusammen mit einer Gerolzhöfer Delegation waren Kolitzheimer Musiker 1973 in Mamers gewesen. Vier von ihnen wurden damals in den beiden heutigen Partnergemeinden untergebracht. Dies war der Beginn der Partnerschaft.
Auch Gastgeschenke wurden an diesem feierlichen Abend ausgetauscht. So überreichten die französischen Gäste der Gemeinde Kolitzheim einen metallenen Schlagzeuger mit seinem Instrument sowie französischen Wein. Als „Geist für wichtige Entscheidungen“ in den Gemeinden erwiderten die Kolitzheimer diese Gaben mit fränkischem Wein.
Immer dabei war während dieser drei Tage Dolmetscher Nikolaus Volland.

Abwechslungsreiches Programm
Drei total ausgefüllte, erlebnisreiche Tage verbrachten 50 Gäste aus den französischen Partnergemeinden Neufchâtel en-Saosnois und Saint Remy du Val in Kolitzheim. Für sie hatte das Vorbereitungsteam um Gottlieb Rappert ein umfangreiches Programm erstellt.

Mit zweistündiger Verspätung trafen die Besucher nach einer 15-stündigen Busfahrt am späten Vormittag des Samstages ein. Mit an Bord waren auch vier Jugendliche, aber auch einige Damen und Herren im Alter zwischen 70 und 80 Jahren. Am Rathaus wurden die Freunde durch die Musikkapelle und mit einem Begrüßungstrunk empfangen.
Nach dem Mittagessen in den Gastfamilien ging es am Nachmittag nach Ebrach zum neuen Baumwipfelpfad. Da in Frankreich ein solcher Pfad unbekannt ist, löste er großes Staunen aus und fand großen Anklang bei den Gästen.
Einen sehr schönen, zweisprachigen Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Engert erlebten die Besucher und ihre Gastfamilien dann am Pfingstsonntag in der Zeilitzheimer Pfarrkirche. Auch die Lieder wurden unter der musikalischen Begleitung der Gernacher Blasmusik abwechselnd in zwei Sprachen gesungen. Und die Kinder wurden durch den Geistlichen in das Geschehen des Gottesdienstes mit eingebunden.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Gernacher Sportheim ging es weiter nach Stammheim. Bei einer Rundfahrt mit der „MS Undine“ auf dem Main genossen die Gäste die herrliche Landschaft. Mit dem offiziellen Partnerschaftsabend klang der Tag aus.

Am Montag stieß dann die Besichtigung der neuen Kläranlage bei Zeilitzheim auf großes Interesse. Nach dem Mittagessen in den Gastfamilien ging es schließlich ans Abschiednehmen.
In zwei Jahren wird es ein Wiedersehen in Frankreich geben. Brp

 

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