Eine verschworene Gemeinschaft

09.06.2008
Mainpost 09.06.2008

STAMMHEIM

Eine verschworene Gemeinschaft

Historienspiel im Freien: Stammheimer Bürger inszenieren ihr 750-jähriges Kirchenjubiläum

Mit einem Historienspiel erreichten in Stammheim am Samstagabend die Feierlichkeiten zum 750-jährigen Kirchenjubiläum ihren Höhepunkt. Der Platz vor dem historischen Rathaus bot unter freiem Himmel den idealen Rahmen für das „Spektakulum“. In elf szenischen Bildern stellten Stammheimer Laienschauspieler die bewegte Geschichte ihres Dorfes nach.

Im Vorfeld hatte der Theaterkreis Stammheim die Stammheimer Bevölkerung aufgerufen, am Schauspiel durch die Epochen des Winzerortes teilzunehmen. Insgesamt 22 Akteure (allesamt Laienschauspieler) folgten dem Aufruf und studierten über Wochen und Monate den Text und den Ablauf des Historienspiels ein.

Seit dem Jahr 1258 thront die Kirche St. Bartholomäus über Stammheim, mit herrlichem Blick auf das Maintal. In dieser Zeit hat sie viel miterlebt und gesehen. Ein Mainhäcker und ein Weinpoet präsentierten dem Publikum elf Bilder, die dem Publikum einen amüsanten Gang durch die Geschichte des Weinortes und dessen Pfarrkirche bescherten.

 

Das erste Bild stellte Ostfranken dar, die mainaufwärts wandernd im 6. Jahrhundert nach Christus in der Gegend ansässig und zu Bauern wurden. Sie gründeten den Ort Stammheim. Im zweiten Bild diskutierten zwei Winzer über die Schenkung der Stammheimer Holzkapelle vom Grafen Castell an das Zisterzienserinnenkloster Maidbronn, datiert auf den 7. Juni 1258.

 

Anno 1347 tauschten im Bild drei zwei Frauen auf dem Friedhof den Vorteil eines eigenen Pfarrers aus. Zu dieser Zeit wurde Stammheim vom Herlheimer Pfarrer mitbetreut. Zwei Stammheimer Maurer bauten im vierten Bild im Jahr 1455 den steinernen Kirchturm. Knapp 100 Jahre später, im Jahr 1548, wird Stammheim wieder einmal verschenkt. Diesmal kommt es in den Besitz des Adelsgeschlechts der Zobels von Krautheim-Giebelstadt. Der erneute Wechsel des Grundholden diskutierten die Stammheimer ausgiebig in Bild fünf.

 

Bild sechs beschrieb die von Bischof Julius Echter veranlasste Vergrößerung und Renovierung der Kirche im Jahr 1614. Anno 1736 wird die Kirchendecke verziert. Auf einem Gerüst unterhalten sich im Bild sieben ein Meister und sein Geselle über den im Barock so modischen Stuck. Im Jahr 1806 spielte Bild acht: Zwei Frauen tauschen sich beim Rübenhacken über die Licht- und Schattenseiten der pfarrlichen Selbstständigkeit und die Folgen der Säkularisation aus.

 

Das neunte Bilde zeigte zwei Schreiner im Jahr 1926, die gerade die Holzarbeiten an der Empore verrichteten und voller Stolz vom Fortschritt und den Errungenschaften in Stammheim berichteten. Am 8. April 1945, am Weißen Sonntag, besetzten die Amerikaner Stammheim. Dieses historische Ereignis stellte Bild zehn nach.

 

Das letzte Bild des historischen Zyklus nahm am Samstagabend ein kleines Stückchen Zukunft vorweg, denn dargestellt wurde der folgende Tag, der Sonntag, 7. Juni. Die Schauspieler zeigten, wie die Stammheimer Bevölkerung mit Fahnenabordnung, Musik und in Begleitung von Bischof Friedhelm Hofmann zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche St. Bartholomäus zogen.

 

170 freiwillige Helfer

 

„Die Stammheimer sind eine verschworene Gemeinschaft!“, führte der Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Seißinger aus. Sein dank ging an die mehr als 170 freiwilligen Helfer und namentlich an Spielleiter Gerald Lorey, die zum Gelingen des Historienspiels maßgeblich beigetragen hätten. Seißinger hatte die Geschichte zum Historienspiel zu Papier gebracht. Auch Bürgermeister Horst Herbert und Pfarrer Wendelin Lieb würdigten die gezeigten Leistungen und die schauspielerischen Leistungen der Stammheimer.

 

In dem Historienspiel gipfelten die vielfältigen Aktionen, welche die Stammheimer im Kirchenjubiläumsjahr begleiteten. Den Startschuss hierzu gab Pfarrer Alfred Scheller, der im Februar sein 25-jähriges Priesterjubiläum mit einer Messe in seiner Heimatkirche begangen hatte. Vom 1. bis zum 12. März stärkten drei Patres aus dem Orden der Redemptoristen (Erlöser) auf Anregung von Pfarrer Wendelin Lieb während einer Gemeindemission das Christsein und den Glauben der Pfarrgemeinde in Stammheim.

 

Im April pilgerten die Stammheimer in die heilige Stadt Rom. Der Wallfahrt folgte im Mai die Veröffentlichung eines Kirchenführers für die Pfarrkirche St. Bartholomäus. Am 1. Juni waren die Glocken der Stammheimer Kirche im Bayerischen Rundfunk (BR 1) im Radio zu hören. Zum feierlichen Abschluss kam am vergangenen Sonntag Bischof Friedhelm Hofmann eigens nach Stammheim.

 

•Über den Besuch von Bischof Friedhelm Hofmann in Stammheim und die Firmung berichten wir in unserer morgigen Ausgabe.

 

 

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