Energiesektor ein weiteres Standbein

19.04.2006

Mainpost 19.4.2006

 

Energiesektor ein weiteres Standbein

 

oberspiesheim (he) Dem Bereich Pflanzenproduktion für den Energiesektor werde künftig eine wesentlich größere Bedeutung in der Landwirtschaft zukommen, meint Egon Mauer bei der Vorstellung der Planung für die neue Biogasanlage bei Oberspiesheim, die im Spätherbst in Betrieb gehen soll und Energie und Wärme aus Bio-Masse liefert. Würde es viel mehr solcher Anlagen wie die bei Oberspiesheim geplante, könnte sich das auch stabilisierend auf dem Getreidepreis auswirken. Zur Zeit liege dieser bei nur etwa zehn Euro pro Doppelzentner. Mitte der 70er bis in die 80er Jahre waren es rund 30 Euro. Auch als Ausgleich für befürchtete Verluste durch die neue Zuckermarktverordnung sei die Biomasse-Produktion nicht zu verachten, meint Mauer, der Vorsitzende des Beirates der Landwirte, die an der Oberspiesheimer Anlage beteiligt sind. Im Landkreis bestehen bisher nur drei, allerdings nur etwa ein Drittel so große Anlage: in Greßthal, Holzhausen und Schwemmelsbach.

Bernhard Bedenk von der Unterfränkischen Überlandzentrale Lülsfeld, die den in der Anlage gewonnen Strom abnimmt, führt einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil der Anlage auf. Lege man einen Heizölpreis von 60 Cent pro Liter zugrunde, betrage die Wertschöpfung durch die Anlage allein im Wärme-Bereich jährlich rund 360 000 Euro: Geld, das nicht in die ölexportierenden Länder abfließt, sondern in der Region bleibt und hier wieder investiert werden kann.

Wichtig sei auch gewesen, dass sich viele Landwirte zusammenschlossen, um eine möglichst große Anlage zu bauen, meint Tino Scheithauer. Eine wirtschaftliche Größe sei nur durch Kooperation zu erreichen. Je mehr Kapital da sei, um so bessere Maschinen könne man kaufen und desto geringer sei der Energieverlust.

Ein Vorteil der Anlage sei auch, so Tino Scheithauer, dass es sich um einen geschlossenen Kreislauf handele: Pflanzen werden vergoren, nur die Energie wird abgebaut. Die Pflanzen-Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Kali bleiben erhalten und können von den Eigentümern wieder auf den Feldern als Dünger verwendet werden. Das entlaste die Umwelt, denn dieser Dünger müsse nicht chemisch hergestellt werden.

Die Anlage sei für die beteiligten Landwirte ein guter Weg, für ihre Betriebe einen Ersatz-Markt auf dem Energie-Sektor aufzubauen und nicht nur allein auf die Nahrungsmittel-Schiene angewiesen zu sein.

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