Entsorgung des Klärschlamms bereitet Sorge

24.10.2020

Mainpost 24.10.2020

Kolitzheim

Entsorgung des Klärschlamms bereitet Sorge

Hauptpunkte der 2. Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Abwasserbeseitigung Stammheim-Gruppe in diesem Jahr war die Besichtigung der Kläranlage in Stammheim und der Haushaltsplan für das Jahr 2021. Dem Zweckverband gehören die drei Gemeinden Kolitzheim, Röthlein und Wipfeld an. Alle Ortsteile der Gemeinde Wipfeld sind dem Zweckverband angeschlossen, von der Gemeinde Röthlein der Ort Hirschfeld, von der Gemeinde Kolitzheim die Orte Lindach und Stammheim. Das bedeutet, dass diese Gemeinden und Ortsteile ihre Abwässer in die Kläranlage in Stammheim einleiten.

Die Sitzung begann mit einer Besichtigung der Kläranlage in Stammheim. Bürgermeister Horst Herbert, zugleich Verbandsvorsitzender, begrüßte seine beiden Bürgermeisterkollegen, Tobias Blesch (Wipfeld) und Peter Gehring (Röthlein), die Mitglieder der Verbandsversammlung – aus jeder Gemeinde gehören je zwei Gemeinderäte der Verbandsversammlung an – und die drei Klärwärter, Jürgen Rettner, Jens Wieland und Stefan Hellert. Der Verbandsvorsitzende erinnerte daran, dass diese Kläranlage schon seit etwa 40 Jahren bestehe. Das Wasser werde in vier Teichen gereinigt. In acht Metern Tiefe komme das Wasser aus den einzelnen Gemeindeteilen hier an, dann werde es hochgepumpt, gereinigt und den Seen zugeführt.

Die Phospatfällstation, im Jahr 2015 eingerichtet, reduziert den Phosphatgehalt im Klärschlamm erheblich. In den Teichen sorgen Bakterien für den Schadstoffabbau. Der Klärschlamm werde dann gelagert und so weit getrocknet, dass er als Klärschlamm auf die Felder aufgebracht werden kann. Die im Jahr 2018 erneuerte Elektrotechnik sorgt dafür, dass die Kläranlage zentral von Zeilitzheim aus zu steuern ist – eine große Erleichterung für die Klärwärter, so Klärwärter Jürgen Rettner. Jeder Klärwärter übernahm eine Gruppe. So konnte man die Kläranlage besichtigen und bekam fachkundige Antworten auf seine Fragen. Man erfuhr zum Beispiel, dass im Abwasser mehr Tomatenkerne zu finden sind, wenn die Tomaten reifen, und zur Zeit der Traubenernte vermehrt Traubenkerne in der Kläranlage ankommen.

Es bestehe rund um die Uhr ein Bereitschaftsdienst, der durch die drei Klärwärter abgedeckt wird. Jeden Tag muss der PH-Wert und der Sauerstoffwert des Wassers in den Klärteichen gemessen und dokumentiert werden, ebenfalls die Wassertemperatur und die Sichttiefe. Dafür werden täglich Wasserproben aus allen vier Teichen entnommen. Die Abwasserentsorgung funktioniert als Mischwasserentsorgung. Das heißt, dass das Regenwasser und Schmutzwasser aus den Haushalten in einem gemeinsamen Kanal abgeführt wird. Die Trennwasserentsorgung würde einen gesonderten Kanal für Regenwasser und Schmutzwasser erfordern, was zwar zu begrüßen wäre, aber aufgrund der Gegebenheiten der Kanalisation vor Ort in den angeschlossenen Ortschaften nicht zu realisieren ist.

Durch Regenrückhaltebecken wird dafür gesorgt, dass der erhöhte Anfall von Wasser, etwa bei Starkregen, nicht sofort in die Kläranlage fließt, sondern der "erste Spülstoß", der den meisten Schmutz enthält und in den Kanälen verblieben ist, wenn es lange nicht geregnet hat, aufgefangen wird. Der Schmutz lagert sich dann ab und belastet die Kläranlage weniger. Man habe mit dem Problem zu kämpfen, dass die Kanäle in den Altorten zu gering ausgelegt seien, weil durch den Anschluss der neuen Baugebiete an die Kanalisation die anfallende Wassermenge immer größer werde.

Die Sitzung wurde dann im Sitzungssaal des Rathauses Kolitzheim fortgesetzt – mit Maske und den coronabedingten Abständen. Kämmerer Werner Knoblach hatte in seiner Eigenschaft als Geschäftsleiter des Zweckverbandes den Haushaltsplan für das Jahr 2021 erstellt und erläuterte ihn. Wichtigste Veränderung: Die Betriebskostenumlage verringert sich im kommenden Jahr um 45 900 Euro. Dies ist bedingt durch die Klärschlammentsorgung, die im laufenden Jahr erfolgte und in dieser Höhe zu Buche schlug. Die nächste Klärschlammentsorgung ist für 2024 vorgesehen. Die Gesamtumlage ist für das kommende Jahr mit 137 500 Euro eingeplant. Entsprechend der Einwohnerzahl der beteilgiten Gemeinden und Ortsteile entfallen auf die Gemeinde Kolitzheim rund 61 000 Euro, auf Röthlein 31 000 Euro, auf Wipfeld 45 000 Euro.

Außer dass die Mäuse ein Elektrokabel durchgebissen hatten, gab es keine besonderen Vorkommnisse im Betrieb der Kläranlage, wie Klärwärter Jürgen Rettner in seinem Bericht ausführte. Er mache sich Sorgen um die Mammutrotoren, die für den Sauerstoff in den Teichen sorgen: Die für sie geplante Lebensdauer sei schon um 15 Jahre überschritten. Er hofft, dass man den Klärschlamm auch weiterhin auf die Äcker ausbringen könne. Die Zeitfenster dafür würden immer enger. Die Entsorgung durch die Landwirtschaft koste etwa 40 Euro pro Tonne. Wenn man den Klärschlamm zur Verbrennung geben müsse, beliefen sich die Kosten auf etwa 200 Euro pro Tonne. Der Verbandsvorsitzende wies darauf hin, dass die Klärschlammentsorgung wohl in Zukunft – auch aufgrund verschärfter Auflagen – immer schwieriger werde.

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