Erwin Werner gestorben

03.10.2020

Mainpost 03.10.2020

Gernach

Erwin Werner gestorben

Am Samstag, 26. September, ist Erwin Werner im Alter von 98 Jahren nach längerer Krankheit gestorben.  

Der Verstorbene wurde am 24. Oktober 1921 in Gernach als ältester von vier Geschwistern geboren. Von 1928 bis 1935 besuchte er die Volksschule Gernach, danach die Fortbildungsschule. Im April 1938 begann er seine Berufstätigkeit bei der Firma Fichtel & Sachs.

Im Januar 1941 wurde er zur Wehrmacht nach Ansbach eingezogen. Seine Scharlach-Erkrankung rettete ihn vor dem wahrscheinlichen Tod: Seine Einheit wurde zum Afrika-Feldzug beordert, und viele seine Kameraden verloren bei diesem Einsatz ihr Leben. 1942 war Erwin Werner in Rußland als Angehöriger einer Funkeinheit eingesetzt. Von der Stadt Woronesch, in Südrußland, die bis Januar 1943 von der deutschen Armee besetzt war, zog sich seine Einheit bis in die Gegend von Kiew zurück. 700 Kilometer mussten die Soldaten zu Fuß zurücklegen.  Auf diesem Marsch mussten viele seiner Kameraden ihr Leben lassen.

Nur einige Millimeter lagen für ihn zwischen Leben und Tod: die Kugel einer Maschinengewehrgarbe traf seine Trinkflasche, so blieb er unverletzt. Eine zuerst nicht erkannte Malaria-Erkrankung machte ihm dann lange zu schaffen. Bis zum Ende des Kriegs war er zur besonderen Verwendung in der Einheit "Geheime Waffen" eingesetzt. Die Klugheit seiner Vorgesetzten, den Amerikanern Ende April die geheimen Unterlagen der V2-Waffen zu übergeben, rettete ihn vor der russischen Gefangenschaft: Als Geste des Entgegenkommens für die Übergabe der Unterlagen setzten die Amerikaner die gesamte Division "Geheime Waffen" in der Nacht zum 1. Mai 1945 auf das westliche Elbufer über, sodass sie nicht in russische, sondern in amerikanische Gefangenschaft kam.

Am 29. Juni 1945 kam er nach Gernach zurück, im Februar 1946 konnte er wieder bei Fichtel & Sachs  arbeiten. Sein Stundenlohn damals:  eine D-Mark pro Stunde. Bis 1953 fuhr er täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, ab 1953 mit dem Moped. Ende Oktober 1982 trat er, nach mehr als 44-jähriger Berufstätigkeit in den Ruhestand.

1952 heiratete er Paula Hellerich aus Gernach. Zwei Kinder wurden dem Paar geschenkt. Die Enkel waren im Haus Werner zu Gast, wenn die Eltern auf der Arbeit waren und wurden dort gut versorgt.

Schon gleich nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft spielte Erwin Werner beim TSV Gernach in der Fußballmannschaft mit, zuerst in der ersten Mannschaft, dann in der Reserve. Sein letztes Spiel für die Alten Herren bestritt er im Alter von 39 Jahren. Aber nicht nur auf dem Sportplatz war er aktiv, sondern er setzte sein handwerkliches Können auch beim Bau des neuen Sportheimes ein. Der TSV ehrte ihn für seine Verdienste um den Verein mit der Ehrenmitgliedschaft, ebenso die Feuerwehr, wo er lange Zeit aktives Mitglied war.

Mit seiner Frau Paula nahm er gerne an Ausflügen teil, die die örtlichen Vereine anboten. Die Arbeit im Garten machte ihm viel Spaß. Gerne halfen seine Frau und er bei der Weinlese in Escherndorf.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand war er einer der drei – damals mutigen – Männer, die am Seniorentreff teilnahmen. Im Januar 2002 konnte er mit seiner Frau Paula das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Ihr Tod im Jahr 2006 war für ihn – nach der langen und erfüllten gemeinsamen Zeit – nicht leicht zu verkraften. Erwin Werner pflegte sie hingebungsvoll bis zu ihrem Tod. Der Verstorbene war immer am gesellschaftlichen Leben im Dorf interessiert. Solange es seine Gesundheit erlaubte, war er treuer Besucher des Seniorenkreises. Mit Interesse verfolgte er die Sportsendungen im Fernsehen. In den letzten Jahren war Erwin Werner durch die nachlassende Gesundheit zunehmend eingeschränkt. Seine Kinder Lydia und Elmar mit ihren Familien pflegten ihren Vater bis zum Schluss. Erwin Werner blickte dankbar auf sein Leben zurück. Seine Worte an seinem 95. Geburtstag:  "Ich hatte viel Glück, wenn ich daran denke, was ich alles mitgemacht habe, gerade in der Zeit des Krieges". Mit fast 99 Jahren war der Verstorbene der älteste Bürger der Gemeinde Kolitzheim.

Die Trauerfeier und Urnenbeisetzung für Erwin Werner findet am Freitag, 9. Oktober, um 14 Uhr am Friedhof in Gernach statt.

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