fei und pfetzen sind schöne Wörter

15.03.2006

Mainpost 15.3.2006

 

fei und pfetzen sind schöne Wörter

 

Zeilitzheim (BAP) "Wir represervatieren das einfache Volk", meinten Hermann und Hermine und wunderten sich, woher sie den komplizierten fränkischen Dialekt könnten, da sie doch nur die Volksschule besucht hätten.

 

Als Hermann und Hermine präsentierten sich Gerlinde Heßler und Werner Hofmann, das "Fränkische Kabarett Karlstadt" (FFK) am vergangenen Wochenende an zwei Abenden im Gasthaus "Zur Sonne" ihrem Publikum und bezogen dieses immer wieder in das Geschehen mit ein. Durch ihre musikalischen Auftritte lockerten die "Frankomanen", Jürgen Heinz und Rainer Schmitt das Programm auf.

Auch die Bratwurst wird kürzer

Die beiden Kabarettisten ließen sich weiter über die komplizierte fränkische Sprache aus, in der es so schöne Worte wie "fei" und "pfetzen" gebe. Auch verkürzen würden die Franken alles, bestes Beispiel seien die Nürnberger Bratwürste.

Auf ihrer Fahrt zum internationalen Frauentag erzählten Hermann und Hermine über ihre Probleme mit der Emanzipation. Auto, Haushalt, Technik, Sex, alles wurde beleuchtet. Um seinen Opel Ascona habe er Angst gehabt, als Hermine fuhr, um sie selbst noch nie, so Hermann. Er selbst fühlte sich benachteiligt, da es für Männer mit dem Vatertag nur einen Feiertag gebe, für die Frauen aber Muttertag und Frauentag.

Unnötigen Stress mache sich Hermine, so der Ehemann. Ihm war es wurscht, als er seine Schuhe selber putzen sollte. Mit Dreck und Speck zog er sie trotzdem an. Nun putzt sie die Ehefrau wieder. Eines habe sie auf dem Frauentag gelernt: "Wenn Hermann es erlaubt, werde ich mich auch emanzipieren", so Hermine.

Kreuz- und Querfahrt

Keine große Hilfe war das Publikum Hermine bei der Planung der Silberhochzeit, denn alle Befragten feierten diese zu Hause. Sie hätte allerdings im Gegensatz zum Ehemann lieber eine Kreuz- und Querfahrt oder einen Wellness-Urlaub gebucht. Letztendlich einigten sie sich auf eine Feier zu Hause. Auf einem Tisch würde der ganze Mist von vor 25 Jahren aufgebaut und jeder könne seinen Teil mitnehmen. Dadurch würde gleich der Keller aufgeräumt.

Auch einer alleine kann das Publikum unterhalten, bewiesen die beiden Kabarettisten. Als Silvana, die verhinderte fränkische Weinkönigin, nicht mal Weinprinzessin, berichtete Gerlinde Heßler über ihr Scheitern vor der Prüfungskollision. Werner Hofmann erzählte als Wirt von seinen Erfahrungen mit den Gästen. Diese seien das Problem und könnten einen zum Wahnsinn treiben.

"Wenn Hermann es erlaubt, werde ich mich emanziperen"

Gerlinde Heßler Fränkisches Kabarett Karlstadt

Zwischen den Auftritten des FFK sorgten die Frankomanen für die musikalische Unterhaltung, wobei sie das Publikum zum Mitmachen aufforderten. Aus einem reichhaltigen Repertoire präsentierten Jürgen Heinz mit Gitarre, Mundharmonika und Gesang und Rainer Schmitt mit Konzertgitarre und Saxophon ihre selbst geschriebenen und in fränkischer Mundart selbst getexteten Musikstücke. So konnte das begeisterte Publikum Blues, Reggae, einen Frankenrap, aber auch die Melodie eines russischen Volksliedes hören.

Beziehungsprobleme

Die Texte erzählten unter anderem von Beziehungsproblemen, den Problemen des Lebens und des Alltags, aber auch ein romantischer Song und ein Liebeslied fehlten nicht. So erfuhr das Publikum im Kärtlessong vom voll mit Kärtle gefüllten Geldbeutel. Weiter wurde musikalisch über nächtliche Geräusche und den Kampf um die Decke und bei "bloß wegen Dir" über Beziehungsprobleme berichtet. Auch die midlife crisis und Gewichtsprobleme waren Themen.

Absolut erwünscht war die Beteiligung des Publikums am Geschehen, was bei der nur teilweisen Besetzung des Saales am zweiten Tag nicht immer gelang. Am ersten Abend war der Saal laut Veranstalter voll besetzt und da sei auch der Funke auf das Publikum übergesprungen.

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