Feier in Lindachs erneuerter guter Stube

04.05.2015

Mainpost, 04.05.2015

 

LINDACH
Feier in Lindachs erneuerter guter Stube

Die Großgemeinde Kolitzheim traf sich auf dem neu hergerichteten Dorfangerplatz

Im Dorf der Spargel-, Obst- und Weinbauern, der Theatermacher und der bildenden Künstler, im „Versteckten Paradies“ also, wie der touristische Werbeslogan des Dorfes Lindach lautet, feierte die Gemeinde Kolitzheim ihr traditionelles Fest, das stets am Vorabend des Maifeiertags stattfindet. Es soll an die Gründung der Großgemeinde vor nunmehr 37 Jahren erinnern.

Trotz mäßigen Wetters lockte die Veranstaltung viele Gäste aus allen acht Gemeindeteilen nach Lindach. Nach der Beendigung von Flurbereinigung und Dorferneuerung vor drei Jahren war Lindach in diesem Jahr erneut Schauplatz des Gemeindefestes. Anlass war diesmal die Neugestaltung des historischen Dorfangerplatzes, der mit dem Fest eingeweiht wurde.

Der stellvertretende Bürgermeister Martin Mack wies darauf hin, dass sich einstmals acht selbstständige Dörfer im Jahre 1978 zu einem kommunalpolitischen Zweckbündnis zusammengeschlossen haben, das naturgemäß mit einigen kleinen Geburtswehen behaftet war. Mittlerweile hätten sich die Gemeindeteile aber zu einer funktionierenden, tragfähigen Gemeinschaft entwickelt, die in verschiedenen Bereichen gerne zusammenarbeite und sich wohltuend ergänze, vor allem auf Vereinsebene.

Für dieses erfreulich gute Bild, das die Gemeinde dadurch in der Öffentlichkeit abgebe, bedankte sich Mack bei allen Verantwortlichen und Helfern, die sich uneigennützig auf unterschiedlichen Gebieten für die Belange der Allgemeinheit eingebracht haben.

Bürgermeister Horst Herbert wies in seiner Ansprache darauf hin, dass gerade der Gemeindeteil Lindach in den letzten beiden Jahrzehnten an Wohnqualität enorm gewonnen habe, durch Maßnahmen, die das Ortsbild prägen, wie die Restaurierung des historischen Rathauses, die Neugestaltung des Kirchplatzes mit dem Neubau der Sakristei und die Neugestaltung des gesamten Straßenraumes. Von daher schmücke sich Lindach zu Recht mit dem Beinamen „Verstecktes Paradies“.

Eine weitere Aufwertung und Verschönerung des Ortsbildes stelle nun der neu gestaltete Dorfangerplatz im Schatten des alten Rathauses dar. Hier wurde der wassergebundene Belag entfernt und durch eine bunte Asphaltdecke ersetzt. Horst Herbert legte Wert auf die Feststellung, dass bei der Planung die Bevölkerung eingebunden war. Auch die Bauausführung habe sich letztlich nach deren Wünschen gerichtet.

„Wir haben nun mit diesem neu gestalteten Platz, mit dem restaurierten Rathaus, dem Kirchplatz, der Kirche selbst, mit den anderen historischen Gebäuden und Baudenkmälern einen repräsentativen Mittelpunkt geschaffen, der das dörfliche Gemeinwesen unterstützen kann und der zweifellos die Visitenkarte des Dorfes darstellt“, so der Gemeindechef.

„Unsere Gemeinde war, ist und bleibt bunt.“

Horst Herbert, Bürgermeister

Ein weniger erfreuliches Thema sparte Herbert in seinen Ausführungen nicht aus. Es handelte sich hier um die geplante Einnistung einer politisch rechten Gruppierung innerhalb der Großgemeinde, ein Thema, das innerhalb und außerhalb der Großgemeinde Kolitzheim in den letzten Tagen für erhebliche Schlagzeilen sorgt. Das Gemeindeoberhaupt wies darauf hin, wie Deutschland vor 70 Jahren durch den Nationalsozialismus und den von den Nazis vom Zaun gebrochenen Zweiten Weltkrieg in die größte Katastrophe der jüngeren Menschheitsgeschichte schlitterte.

Auch Franz Herbert, ein großer Sohn der Gemeinde, früherer Bürgermeister und Reichstagsabgeordneter, sei diesem menschenverachtenden System zum Opfer gefallen. „Deshalb müssen wir für unsere Werte kämpfen“, zitierte Herbert eine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer anlässlich einer Gedenkveranstaltung.

„Das werden wir in unserer Gemeinde beherzigen“, so Herbert, „denn unsere Gemeinde war, ist und bleibt bunt. Dafür stehen wir.“ Als sichtbares Zeichen für diese weltoffene Gesinnung der Großgemeinde trugen viele Gemeinderäte bei der Veranstaltung bunte T-Shirts mit der entsprechenden Aufschrift.

Auf das Kommando des Bürgermeisters hin ließen die Besucher des Festes eine große Zahl bunter Luftballons in den Abendhimmel steigen, als sichtbaren Protest gegen die geplante Niederlassung der Rechten in der Gemeinde.

Die stellvertretende Landrätin Christine Bender sorgte dafür, dass in diesem Jahr alle Maibäume, die in der Großgemeinde aufgestellt wurden, mit bunten Bändern geschmückt wurden, als Zeichen für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft. Bender wies darauf hin, dass allein im Kreis Schweinfurt zurzeit 600 Asylbewerber untergebracht seien und noch weitere 200 erwartet würden. Überall, wo diese Menschen zu Gast seien, habe sich in der Bevölkerung eine große Hilfsbereitschaft entwickelt, die es zu pflegen gelte.

Die beiden Geistlichen der Gemeinde, der katholische Pfarrer Andreas Engert und der evangelische Pfarrer Georg Salzbrenner, erteilten dem neu gestalteten Dorfangerplatz den kirchlichen Segen. Sie wünschten, dass der Platz ein Ort der sozialen Begegnungen werden möge.

Weinprinzessin Franziska Seger lud die Gäste zur Weinbergs- und Blütenwanderung am Maifeiertag ein. Unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer stellte die Dorfjugend einen mächtigen Maibaum auf den mit bunten Fahnen geschmückten Angerplatz. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Lindacher Blaskapelle unter der Leitung von Walter Strauß.

Kurt Albert

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