Festgottesdienst auf Friedhof: Vierte Glocke läutet wieder

25.08.2020

Mainpost 25.08.2020

Oberspiesheim

Festgottesdienst auf Friedhof: Vierte Glocke läutet wieder

Am Fest des heiligen Bartholomäus, dem Kirchenpatron in Oberspiesheim, wurde ein Festgottesdienst im Friedhof, damit alle Auflagen erfüllt werden konnten, gefeiert. Seit einigen Jahren findet der Gottesdienst für alle drei Gemeinden der Pfarrgemeine Unter-Oberspiesheim und Gernach am Patrozinium in Oberspiesheim statt. Besonderheit dieses Mal: Die vierte Glocke, die seit langer Zeit außer Betrieb war, erklang wieder. Ursprünglich war dies zum Osterfest geplant, konnte aber wegen der Pandemie nicht stattfinden.

Über die Herkunft und das Alter der Glocke gibt es keine genauen Aufzeichnungen. Auch sind die Inschriften nur schwer lesbar und deutbar. Pfarrer Thomas Amrehn erklärte, dass aus den Aufzeichnungen hervorgehe, dass die Glocke in der Zeit des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen oder veräußert werden sollte. Der damalige Glockensachverständige und Domkapellmeister Domkapitular Strubel aus Würzburg hatte in einem Gutachten vom 10. Juni 1921 geschrieben: "Die vorhandene kleinste Glocke ist ein ganz altes Glöckchen, das unter keinen Umständen eingeschmolzen werden darf, und hat den sogenannten Mantelton cis. Aus den mancherlei Mitklingern schält sich vor allem ein scharf mitklingendes dis heraus. Vielleicht ließe sich dieses interessante alte Glöckchen sonst wo als Gemeindeglöckchen unterbringen." Domkapitular Strubel veranlasste, dass die Glocke unter Denkmalschutz gestellt wurde. Dies dürfte wohl ein Einschmelzen während des Zweiten Weltkrieges verhindert haben.

Unter Denkmalschutz

Im Meldebogen für die Bronzeglocken der Kirchen hatte der damalige Kuratus Pfarrer Meyer am 5. Mai 1940 für die kleinste Glocke einen Durchmesser von 41 Zentimeter und ein Gewicht von 44 Kilogramm und das 15. Jahrhundert als Entstehungszeit angegeben. Unter besonderen Bemerkungen trug er ein: "Steht unter Denkmalschutz." Das dürfte ihr wohl die Abnahme erspart haben. Die anderen drei Glocken wurden am 16. Dezember 1941 abtransportiert.

Von der Idee bis zur Umsetzung, die Glocke ohne Funktion wieder zu renovieren, dauerte es sechs Jahre, erläuterte Kirchenverwalter Waldemar Gottscholl. "Seinerzeit kam die Anregung von der Bevölkerung und wir Verantwortlichen fanden das gut", so Gottscholl. Die Renovierungskosten beziffert er auf 6900 Euro, da auch die Krone der Glocke erneuert werden musste. Die Renovierung und Beurteilung der Glocke führte die Glockengießerei Rudolf Perner aus Passau durch. Als heikel erwies sich dabei, einen Riss zu verschweißen. Zudem wurde das Joch, der Antrieb im Turm, erneuert.

Nach den Erläuterungen über die Glocke im Gottesdienst von Pfarrer Thomas Amrehn läutete sie, während die Gottesdienstbesucher schweigten. Amrehn wies darauf hin, dass zukünftig die Glocke zu den Elf-Uhr-Läuten, das so genannte Herz-Jesu-Läuten, erklingt. Nach dem Segen ertönten im Plenum alle vier Glocken der Oberspiesheimer Kirche. Gleichzeitig erklang instrumental von den Kirchenmusikern "Großer Gott wir loben dich".

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