Festliche Glockenweihe durch Bischof Friedhelm Hofmann

14.01.2020

Mainpost 14.01.2020

Gernach

Festliche Glockenweihe durch Bischof Friedhelm Hofmann

Zur Glockenweihe durch Bischof em. Friedhelm Hofmann für die Gernacher Filialkirche St. Aegidius waren zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens gekommen, um dieses "Jahrhundertereignis" festlich miteinander zu feiern. Am Ortseingang begrüßte die Musikkapelle Gernach den hohen Gast mit frohen Klängen. Danach überreichten die Kinder von KOMM-IN dem Bischof ein Plakat in Form einer Glocke. Das Besondere dieses Plakates: Jedes der Kinder hatte eine kleine Glocke gemalt und mit seinem Namen versehen. 

Karin Johe-Nickel, die Sprecherin des Ortsausschusses des Pfarrgemeinderats entbot dem hohen Gast namens der Kirchenverwaltung, des Pfarrgemeinderats und der Ehrenamtlichen ein herzliches "Grüß Gott." "Wir freuen uns, dass heute, am Festtag der Taufe des Herrn, unser Wunsch, dass die Glocken geweiht  werden, in Erfüllung geht. Bürgermeister Horst Herbert entbot die Grüße und Glückwünsche der Gemeinde.  Er hob hervor, dass die Glockenweihe auch für die politische Gemeinde ein besonderes Ereignis sei. Glocken hätten verschiedene Aufgaben, die Kirchenglocken seien ein Zeichen des Glaubens und geben dem Tag durch ihr Läuten auch eine Struktur.

Der Bischof lud nach einem kurzen Segensgebet zur Prozession zur Kirche, wobei die Musikkapelle Gernach den Gesang der Gläubigen begleitete. Pfarrer Thomas Amrehn informierte zwischen den Gesangsstrophen über die "technischen Daten" der neuen Glocken. Am Vorplatz der Kirche warteten die vier festlich geschmückten Glocken auf den Segen des Bischof. Nach einem Gebet der Kinder zum Kyrie rief der Bischof den Segen Gottes auf die Gemeinde und die neuen Glocken herab. Dann besprengte er die Glocken mit Weihwasser, segnete sie mit Weihrauch und salbte jeder der drei neuen Glocken an vier Stellen mit Chrisam.

Schöner Ton erstmals zu hören

Danach schlug er jede der Glocken mit einem Klöppel an – zum ersten Mal nach der Weihe war ihr schöner Ton zu hören. Bischof Friedhelm stellte in der anschließenden Predigt das Leben Jesu in den Mittelpunkt. 
"Die Glocken spielen eine besondere Rolle," so der Bischof weiter. "Sie rufen zum Gottesdienst, machen auf besondere Feste und Ereignisse aufmerksam, begleiten unser Leben von der Geburt bis zum Tod." Er erinnerte daran, dass eine Glocke dem Heiligen Aegidius geweiht ist, dessen Tod sich in diesem Jahr zum 1300. Mal jährt. Sein Wunsch für die Gernacher Glocken: "Mögen sie die Herzen der Menschen erreichen und auf Gottes Liebe verweisen."

Nach dem Gottesdienst waren alle zu einem Umtrunk am Vorplatz der Kirche eingeladen. Viele Gäste hatten den Wunsch, die Glocken auch einmal zum Klingen zu bringen – so die Stellvertretende Landrätin, der Bürgermeister, die örtlichen Gemeinderäte, Pfarrer Niekel, der die Ornamente der Glocken entworfen hatte, und natürlich auch Kirchenpfleger Michael Werner und Pfarrer Thomas Amrehn. Die geladenen Gäste waren dann im TSV-Sportheim zu einem fränkischen Mittagessen.

 

 

Entfernung der Glocken in der Nazizeit

Pfarrer Amrehn bedankte sich in seiner Tischrede bei allen, die zum Gelingen des "Projekts Glocken" beigetragen hatten. Er erinnerte an die Situation in der Nazizeit, als die drei Glocken gegen den Widerstand der Bevölkerung aus dem Glockenstuhl entfernt wurden – der Widerstand war ein Glaubenszeugnis, für das wir dankbar sein müssen.

Besonderer Dank galt der politischen Gemeinde, die sich an den Kosten für die Außenrenovierung von Langhaus und Kirchturm 350 000 Euro veranschlagt ist, sowie an den neu entstandenen Kosten für die überraschend notwendige Dachrenovierung in Höhe von 200 000 Euro jeweils zu einem Drittel beteiligt. Besonderer Dank des Seelsorgers galt auch dem Kirchenpfleger Michael Werner. Er habe "unendlich viele Telefonate" geführt. Mit dem heutigen Tag finde eine "Erfolgsgeschichte" einen vorläufigen Abschluss, an der Michael Werner als Kirchenpfleger im Team der Kirchenverwaltung einen großen Anteil habe.

Die Abbildungen auf den Glocken

Die Stellvertretende Landrätin Christine Bender, gebürtige Gernacherin, überbrachte die Grüße des Landkreises für den verhinderten Landrat Florian Töpper. Die Gernacher Glocken seien für sie mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden, etwa an den gemeinsam gebeteten Engel des Herrn mittags um 12 Uhr, wenn die Glocken läuteten. Pfarrer Niekel, der  den Schmuck für die Glocken verantwortete, legte dar, dass mit der Abbildung von Statuen, die auch in der Gernacher Kirche beheimatet sind, auch die Glaubensüberzeugung der Gernacher so ihren Ausdruck findet.

Bürgermeister Horst Herbert erinnerte an die erfolgreich abgeschlossenen Kirchenrenovierungen in Oberspiesheim und Unterspiesheim und an den geplanten Neubau des Kindergartens in Unterspiesheim. Pfarrer Thomas Amrehn sei die "treibende Kraft" in diesen Ortschaften gewesen, und er sei dies auch bei der Kirchenrenovierung in Gernach. Die Gemeinde unterstütze die Vorhaben der Kirche, die Pfarrer Amrehn vortrage, nach ihren Möglichkeiten. Der Bürgermeister bedankte sich für die gute Zusammenarbeit in den Zeiten des Wandels in Kirche und Gesellschaft.

"Ein Glücksfall, " so bezeichnete Kirchenpfleger Michael Werner Pfarrer Amrehn. "Ich weiß nicht, was wäre, wenn wir ihn nicht als Pfarrer hätten."  Langanhaltender Beifall der Gäste zeigte, dass Michael Werner den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

 

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