Feuerwehren übten einen ganzen Tag im Geisterdorf

11.09.2006

Mainpost 11.9.2006

 

Feuerwehren übten einen ganzen Tag im Geisterdorf

 

KOLITZHEIM/GEROLZHOFEN Ausgestorben liegt die Siedlung Bonnland mitten auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg. Seit Mitte der 50er Jahre wohnt hier keine Menschenseele mehr. Die Bausubstanz jedoch wird von der Bundeswehr weiter gepflegt. Dort, wo normalerweise das Militär den Häuserkampf übt, konnten 50 Angehörige von Feuerwehren aus der Gemeinde Kolitzheim und der Feuerwehr Gerolzhofen einen ganzen Tag lang unterschiedliche Einsatzszenarien proben - völlig unbehindert.

 

Solch optimale Bedingungen finden Führungskräfte der Feuerwehr selten vor, wenn sie eine Übung vorbereiten: Ein ganzes Dorf mit Wohnhäusern, Nebengebäuden, Gassen und Winkeln steht ihnen zur Verfügung. Selbst ein Schlösschen und die ehemalige Kirche mit Friedhof gehören mit zur Kulisse für die Darstellung von Schadens-Ereignissen. Und das wichtigste: Niemand fühlt sich von den Feuerwehren gestört, kein Anwohner beschwert sich über entstehenden Lärm, die Einsatzkräfte können sich frei bewegen. Fast wie in der Realität - nur "richtiges" Feuer gibt es nicht. Aber das lässt sich in Bonnland mit der künstlichen Vernebelung der Häuser auch recht gut simulieren.

So konnten sich die Feuerwehren aus Stammheim, Unterspiesheim, Gernach, Lindach und Gerolzhofen einen Tag lang so richtig "austoben". Begleitet wurden sie von der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UGÖEL) des Landkreises Schweinfurt, die die Übungseinsätze per Funk koordinierte. Und die gut 50 Wehrleute nutzten die zur Verfügung stehende Zeit und die Gebäude gut aus.

Der erste Übungsalarm des Tages hatte es gleich in sich: ein mehrstöckiges Gebäude sollte brennen, eine Person wurde im Rauch vermisst. Mehrere Trupps mit schwerem Atemschutz durchsuchten das Haus. Ins Innere des Hauses gelangten sie über das Treppenhaus und über Steckleitern sowie einen Balkon. Auch beim nächsten Einsatz hatte der Feuerteufel zugeschlagen: Diesmal sollte ein Nebengebäude im eng bebauten Dorfkern in Flammen stehen. Eine verlegte Schlauchleitung zu einem Bach versorgte die Einsatzkräfte mit Löschwasser.

Kompliziert wurde es bei einem simulierten Gefahrgut-Unfall: Ein Klein-Transporter hatte einen Unfall. Aus einem Kunststofffass lief eine stark ätzende Flüssigkeit aus, die zudem noch gefährlich mit Wasser reagierte. Hier musste neben der Rettung des Fahrers großer Wert auf die Eigensicherung der Wehrleute gelegt werden. Beim folgenden Einsatz trafen mehrere Szenarien aufeinander: In einem Kanalschacht wurde eine bewusstlose Person vermisst, zeitgleich brannte ein Gebäude, ebenso ein Mähdrescher.

Der letzte Übungsalarm führte die Feuerwehren aus Bonnland heraus zu einem knappen ein Kilometer entfernt liegenden Steinbruch. Hier war ein Auto eine steile Geröllböschung hinabgestürzt. Im Wagen war ein Mann eingeklemmt, ein weiterer steckte mit einem Bein unter dem Fahrzeug fest. Ein dritter Verletzter lag abseits zwischen dem Gesteinsschutt. Zudem brannte es neben dem Auto. Die Rettungsarbeiten erforderten hier die Einbindung aller Kräfte.

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