Flurneuordnung: Noch keine Lösung für eine Nordumfahrung

14.01.2019

Mainpost 14.01.2019

Kolitzheim

Flurneuordnung: Noch keine Lösung für eine Nordumfahrung

Breiten Raum bei der ersten Sitzung des Kolitzheimer Gemeinderats nahm das Thema "Flurneuordnung Unterspiesheim" ein. Johannes Krüger vom Amt für ländliche Entwicklung in Unterfranken und der Vorsitzende der örtlichen Teilnehmergemeinschaft, Benedikt Schuster, waren als Gäste geladen.

Johannes Krüger gab zunächst einen Überblick über die bisherige Entwicklung. 2015 sei die Vorstandswahl für die örtliche Teilnehmergemeinschaft erfolgt. Dann sei eine Bestandserhebung in Abstimmung mit verschiedenen Behörden und der Gemeinde Kolitzheim erfolgt. Das Planungsgebiet umfasse etwa 900 Hektar.

Bei der Teilnehmerversammlung im November 2018 seien die Planungen vorgestellt worden. In den nächsten Tagen erfolgt ein nichtöffentlicher Anhörungstermin, zu der 40 Behörden geladen sind. Vorab bekannt ist, dass der Bund Naturschutz sich gegen den Kernwegebau ausgesprochen hat, der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft aber an den Plänen für den Kernwegebau festhalten will. Einwendungen oder Vorschläge müssen an diesem Termin vorgebracht werden, danach sind keine Einsprüche mehr möglich.

Wenn die Planungsgenehmigung vorliegt, steht die Frage der Neuverteilung an. Anschließend erfolgt die Wertermittlung. Wenn das Baurecht gegeben ist, werden die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlage-Wege hergestellt. Vorhandene Wege werden ausgebaut, entbehrlich gewordene Grün- und Betonwege rekultiviert. Dabei wird berücksichtigt, dass die Achslast landwirtschaftlicher Fahrzeuge jetzt nicht mehr nur vier bis fünf Tonnen beträgt, wie früher, sondern etwa elf Tonnen.

Schwierigkeiten bereitet noch die von der Teilnehmergemeinschaft gewünschte nördliche Umfahrung von der Brücke der Straße nach Grettstadt (über die B 286) und nördlich der Firma Gleitsmann zur Staatsstraße 2271. Diese Umgehung könnte den Landwirten den Weg durch den Ort ersparen. Dieses Anliegen wurde vom Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft, Benedikt Schuster, sehr nachdrücklich vorgebracht. Man habe in der Teilnehmergemeinschaft schon verschiedene Lösungen diskutiert, sei aber zu keinem Ergebnis gekommen. Vielleicht ergeben sich in den kommenden Jahren neue Möglichkeiten, wenn dieses Gebiet normale landwirtschaftliche Fläche würde, so seine Hoffnung.

Die Landschaftspflegemaßnahmen im Rahmen der Flurneuordnung haben das Ziel, die Lücken zwischen den Biotopen zu schließen, die Lebensraumqualität, insbesondere bedrohter Arten zu verbessern und das Grabensystem zu stärken. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die bodenbrütenden Ackervögel, insbesondere der Ortolan. Es gibt deutschlandweit nur noch 240 Reviere, in denen der Ortolan zu Hause ist, davon etwa 20 in den Fluren von Unter- und Oberspiesheim.

Dem Abschluss der Planungen und der Vereinbarung der Übernahme der Wege und Ausgleichsflächen mit der Gemeinde folgt die Absteckung, Abmarkung und Aufmessung. Die Flächen- und Werteberechnung ist die Grundlage für die Anhörung der Teilnehmer. Dabei wird jeder Teilnehmer einzeln angehört. Vom Zeitplan her ist angedacht, mit dem Wegebau schon im Jahr 2019 oder 2020 beginnen zu können. 2020/ 21 soll die Werteermittlung über die Bühne gehen.

Nach dem Abschluss der Flurneuordnung wird sich die Teilnehmergemeinschaft, die ja eine "Zwangsgemeinschaft" ist (jeder Eigentümer eines Grundstücks muss Mitglied werden), auflösen. Die Gemeinde muss die Kosten für die Instandhaltung der Wege und der Ausgleichsflächen übernehmen. Burkhard Krapf stellte die Frage, ob die Gemeinde nicht der "Looser" sei, wenn man die Kosten für die Wege übernehmen müsse. Dem hielt Bürgermeister Horst Herbert entgegen, dass es in verschiedenen Gemeindeteilen eine Absprache mit den örtlichen Jagdgenossenschaften geben, dass die Kosten für die Instandhaltung und Pflege von Gemeinde und der jeweiligen Jagdgenossenschaft zu je 50 Prozent übernommen würden.

Johannes Krüger führte an, dass die Wege ja nicht nur von den Landwirten genutzt würden, sondern von allen Bürgern. So gesehen, seien diese Wege ein Gewinn für die Allgemeinheit. Er brachte auch den Gedanken eines Landschaftspflegeverbandes ins Spiel, den es im Landkreis Schweinfurt noch nicht gebe. In verschiedenen Landkreisen, unter anderem in Kitzingen habe man damit gute Erfahrungen gemacht, denn damit würde die Qualität der Pflege sichergestellt.

Auf die Anfrage von Reinhard Heck, ob auch ein Radweg von Unterspiesheim Richtung Schwebheim vorgesehen sei, informierte der Bürgermeister, dass ein Radweg entlang der B 286 geplant sei, der vom Freistaat finanziert würde. Die Gemeinde Schwebheim müsse noch zustimmen, ihm sei nicht bekannt, ob dies schon geschehen sei.

Bürgermeister Horst Herbert bedankte sich bei Benedikt Schuster und Johannes Krüger für die geleistete Arbeit, informierte gleichzeitig, dass die Verbindung zur Gemeinde durch die Mitgliedschaft von Martin Mack und Bernhard Rippstein in der Vorstandschaft immer gegeben sei.

Mit Blick auf die Flurneuordnung in Kolitzheim informierte Johannes Krüger, dass man kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit einem Landschaftsplanungsbüro stehe, das mit der Bestandserhebung beauftragt werde. Die Kosten für diese Planungsstufe 1 bezahlt der Freistaat. Für den Oktober 2019 sei dann ein zweitägiges Seminar geplant, in dessen Rahmen die unterschiedlichen Interessenslagen abgeklärt werden könnten.

 

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